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Neue Nervenzellen für das Hirn!

01.10.2009
Bernard Katz-Lecture 2009 für Dr. Adi Mizrahi / Physiologen ehren Nachwuchswissenschaftler aus Israel / Vortrag am 7. Oktober 2009 in Heidelberg

Der Preisträger 2009 der Bernard Katz Lecture ist Dr. Adi Mizrahi von der Hebrew University Jerusalem. Für seine grundlegenden Beiträge zur Neubildung von Neuronen und zur synaptischen Plastizität wird er am 7. Oktober in Heidelberg geehrt. Preisverleihung und Ehrenvortrag finden um 17:15 Uhr im Hörsaal 2 des Theoretikums, Im Neuenheimer Feld 306, statt.

 

Die Bernard Katz-Lecture wurde 1991 vom Heidelberger Nobelpreisträger Prof. Dr. Bert Sakmann, Max-Planck-Institut für Neurobiologie, aus Preismitteln gestiftet, um das Lebenswerk seines akademischen Lehrers, des britischen Nobelpreisträgers Sir Bernard Katz (1911 – 2003), zu würdigen. Im jährlichen Wechsel wird in Deutschland oder Israel ein junger Wissenschaftler ausgewählt, um im jeweils anderen Land die Ehrenvorlesung zu halten. Der Preis wird von der Alexander von Humboldt-Stiftung verwaltet, das Preisgeld beträgt US $ 7.000.

 

Sir Bernard Katz, geboren in Leipzig, emigrierte 1935 nach London, wo er als junger Mediziner seine Forschungsarbeiten fortsetzte. Seine Arbeiten zur Erregungsübertragung zwischen Nerv und Muskel schufen die Grundlagen für die moderne Physiologie von Synapsen, den Kontaktstellen der Nervenzellen. Sir Bernard Katz war von 1952 bis 1978 Professor und Head of Biophysics am University College London und erhielt 1970 den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie.

 

Die moderne Forschung an Synapsen baut auf den grundlegenden Ergebnissen von Bernard Katz und anderen Neurophysiologen seiner Generation auf. Als Verbindung zwischen Nervenzellen sind Synapsen für das Verständnis der Hirnfunktion grundlegend. Ihre zeit- und aktivitätsabhängige Veränderung, die so genannte synaptische Plastizität, könnte eine wichtige Voraussetzung für die Fähigkeit zu Anpassung und Lernen sein. Sie ist auch entscheidend an vielen neurologischen und psychiatrischen Krankheitsbildern beteiligt. Technische Fortschritte haben in den letzten Jahrzehnten immer genauere Untersuchungen von Synapsen und neuronalen Netzwerken ermöglicht, nicht zuletzt durch die Beiträge des Preisstifters Professor Bert Sakmann.

 

Dr. Adi Mizrahi hat wichtige Beiträge zum Verständnis der Entwicklung von Nervenzellen und der Stabilität und Plastizität von Synapsen gemacht. Am Modellsystem des Riechhirns hat er sich besonders mit der Frage befasst, wie neu gebildete Nervenzellen in neuronale Netzwerke integriert werden, und wie stabil die dort ausgebildeten Kontaktstellen sind. Hierzu hat Dr. Mizrahi neueste Techniken eingesetzt, die es erlauben, solche Nervenzellen optisch zu markieren und mit modernen Mikroskopie-Verfahren im lebenden Gewebe über lange Zeiträume zu beobachten. So fand er zum Beispiel heraus, dass die "Dendriten" (baumartige Verzweigungen, an denen tausende von Synapsen ansetzen) in jungen Neuronen besonders plastisch sind, offenbar um die aktivitäts-abhängige Integration in das lokale Netzwerk zu ermöglichen.

 

Der Riechsinn ist ein besonders intensiv untersuchtes Sinnessystem, an dem grundlegende Prinzipien der Verarbeitung von Sinnesreizen im zentralen Nervensystem erforscht wurden. Für die Entdeckung der molekularen Mechanismen, mit denen Geruchsstoffe "erkannt" werden, haben die amerikanischen Wissenschaftler Linda B. Buck und Richard Axel 2004 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten. Eine wichtige Eigenschaft des Riechhirns ist, dass hier bis ins Erwachsenenalter ständig neue Nervenzellen gebildet werden, während in den meisten anderen Hirnregionen diese "adulte Neurogenese" nicht vorkommt. Deshalb könnte das Riechhirn mit seiner besonderen Regenerationsfähigkeit vielleicht eines Tages neue Wege in der Therapie neurodegenerativer Erkrankungen aufzeigen.

 

Die Arbeiten von Dr. Mizrahi zeigen, wie neue olfaktorische Nervenzellen in den Verbund des Riechhirns integriert werden und stellen somit eine wichtige Voraussetzung für solche weiterführenden Überlegungen dar. Dabei sind besonders die von ihm erarbeiteten methodischen Fortschritte von großer Bedeutung und haben seinen Arbeiten hohe internationale Aufmerksamkeit beschert.

 

In seinem Festvortrag wird Dr. Mizrahi über die mikroskopische Beobachtung lebender, neu gebildeter Neurone im Hirn sprechen ("Live imaging of new neurons in the adult brain").

 

Weitere Information im Internet:

www.nobel.se/medicine/laureates/1970/katz-bio.html

www.nobel.se/medicine/laureates/1991/index.html

http://smell.huji.ac.il/

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Andreas Draguhn

Institut für Physiologie und Pathophysiologie

E-Mail: andreas.draguhn(at)physiologie.uni-heidelberg.de

www.rzuser.uni-heidelberg.de/~bn2/

 

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg

Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

 

www.klinikum.uni-heidelberg.de

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 45 36

Fax:  06221 / 56 45 44

E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

161/2009

 

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