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Bei „Mikrowelle“ kam das Hören wieder

08.10.2009
Erste Patientin am Universitätsklinikum Heidelberg erfolgreich mit innovativer Hörhilfe versorgt

 

[Bild in Druckauflösung]

Michaela Werle und Dr. Mark Praetorius Leiter der Sektion Otologie und Neuro-Otologie der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde Heidelberg. Michaela Werle ist die erste Patientin, die am Universitätsklinikum Heidelberg mit der kombinierten Hörhilfe DUET der Firma MED-EL versorgt wurde.
Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

 

Ein Hörgerät half schon lange nicht mehr, jetzt lernt Michaela Werle auf ihrem fast ertaubten Ohr wieder hören. Der Heidelbergerin ist im Juni 2009 als erster Patientin an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde Heidelberg die innovative Hörhilfe DUET der Firma MED-EL implantiert worden, die erstmals die Technologie von Hörgerät und Cochlea-Implantat in einem Gerät kombiniert. Das System eignet sich besonders für Patienten, denen bisher weder Hörgeräte noch Cochlea-Implantate (CI) allein zufriedenstellend helfen konnten.

 

Schwerhörigkeit bereitete Probleme im Beruf

 

Michaela Werle leidet unter fortschreitendem Hörverlust auf beiden Ohren und ist daher seit 15 Jahren auf Hörgeräte angewiesen. Vor zwei Jahren dann verschlechterte sich ihr Gehör auf dem rechten Ohr so stark, dass ein Hörgerät nicht mehr ausreichte. Die Ursache für ihre Schwerhörigkeit sind defekte Hörsinneszellen im Innenohr: Akustische Reize hoher Tonlagen werden nicht mehr an den Hörnerv weitergeleitet, egal, ob sie durch ein Hörgerät verstärkt werden. Eine schwierige Situation für die berufstätige Frau: „Ich arbeite in der Sparkasse. Als ich zuletzt Kunden nicht mehr richtig verstehen konnte, musste ich mich in den Innendienst versetzen lassen.“

 

Trotzdem zögerten die Ärzte, ihr ein Cochlea Implantat (CI) einzusetzen. Diese Prothese wird unter der Kopfhaut des Patienten eingesetzt und mit dessen Innenohr verbunden, wo sie direkt den Hörnerv in der Hörschnecke, der Cochlea, über eine Elektrode reizt: "Wird der Hörnerv elektrisch gereizt, entsteht ein Höreindruck im Gehirn", erklärt Dr. Mark Praetorius, Leiter der Sektion Otologie und Neuro-Otologie der Heidelberger HNO-Klinik . Der Nachteil: Noch vorhandenes natürliches Gehör wird zerstört. „Wir müssen also immer abwägen, ob wir das Restgehör noch erhalten und verstärken können oder doch ein CI einsetzen“, so der Gehör-Experte.

 

Kombination aus Hörgerät und Cochlea-Implantat erhält Restgehör

 

Eine Alternative ist das Hörsystem DUET: Das neue System verstärkt die tiefen Frequenzen akustisch, während ein spezielles, integriertes Cochlea-Implantat nur die mittleren und hohen Frequenzbereiche überträgt. "Das Innenohr verarbeitet die akustischen und elektrischen Reize simultan. Dabei bleibt das noch vorhandene Hörvermögen erhalten" sagt Dr. Prätorius. Doch das neue Hören will gelernt sein: „Momentan höre ich vieles noch als eine Art Geklirre im Ohr und beim Üben z.B. mit einem Hörbuch dauert es eine Weile, bis sich ein Gesamt-Höreindruck einstellt“, berichtet Michaela Werle.

 

Daher übt die 47-Jährige regelmäßig mit Sascha Roder, Diplom-Pädagoge an der Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg, mit dem rechten Ohr Töne zu unterscheiden, Vokale und Konsonanten zu erkennen oder Sätze zu verstehen. Später kommt noch das Training am Telefon oder in einer lauten Umgebung dazu. „Frau Werle macht große Fortschritte, sie versteht jetzt bereits über die Hälfte der Wörter und Sätze“, so Sascha Roder. Diese Nachsorge ist unverzichtbar, um mit der Hörhilfe zurecht zu kommen; das Gehirn muss erst wieder lernen, die neuen Eindrücke zuzuordnen.

 

„Meine Freunde und Kollegen sagen, dass sich meine Aussprache schon deutlich verbessert hat und ich nicht mehr so laut spreche“, freut sich Michaela Werle. „Ich hatte versprochen, eine Runde zu schmeißen, wenn ich auf dem rechten Ohr das erste Wort verstehe. Das war dann während einer Übungsstunde im Juli bei dem Wort „Mikrowelle“ der Fall. Irgendwann wird es so sein, als hätte ich immer so gehört – reine Gewöhnungssache.“ Die Patientin ist sich sicher: Wenn schließlich auch das Gehör im linken Ohr weiter nachlässt, wird sie sich wieder für die kombinierte Hörhilfe entscheiden.


Kontakt:
Dr. Mark Praetorius
Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Heidelberg
Telefon: 06221 / 56 67 01 (Sekr.)
E-Mail: Mark.Praetorius@med.uni-heidelberg.de

 

Sascha Roder
Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 39 507
E-Mail: sascha.roder@med.uni-heidelberg.de

 

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

 

www.klinikum.uni-heidelberg.de

 

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

169/2009

 

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