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Innovative Krebstherapie feiert Jubiläum

15.11.2010
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg führte vor 25 Jahren eine der ersten Blutstammzelltransplantationen weltweit durch / Patiententag am 20. November

Vor 25 Jahren wurden Sebastian Gärtner an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg Stammzellen aus dem zirkulierenden Blut transplantiert – weltweit eine der ersten Behandlungen dieser Art. Bis heute erfreut sich Gärtner, der damals an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war, bester Gesundheit. Das Heidelberger Transplantationsprogramm für Stammzellen ist seitdem stetig gewachsen: Inzwischen profitieren jährlich rund 320 Patienten von dieser Therapie.

 

Anlässlich des 25. Jubiläums lädt die Medizinische Universitätsklinik am Samstag, den 20. November 2010 ab 10 Uhr, Patienten und Angehörige, Spender und Transplantierte sowie alle Interessierten in das Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums, Im Neuenheimer Feld 280, ein. Anmeldungen sind noch möglich, die Teilnahme ist frei.

 

Die Heidelberger Experten stellen in kurzen Vorträgen die wichtigsten Schritte von der Stammzellspende bis zur Transplantation vor. Themen sind u.a.: Wie findet man den passenden Spender? Wie funktioniert die Stammzellspende und wie die Transplantation? Kann man die Therapie durch Sport unterstützen? Fragen aus dem Publikum sind erwünscht. Darüber hinaus berichten Betroffene, darunter Sebastian Gärtner, von der Therapie und ihrem Leben nach der Transplantation. Die Gäste sind zu Mittagsimbiss und Geburtstagstorte eingeladen.

 

Neuartige Behandlung als Notlösung

 

Die Behandlung von Sebastian Gärtner war damals ein Novum – und aus der Not geboren. Seit 1983 erhielten in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg unter dem damaligen Ärztlichen Direktor, Professor Dr.  Werner Hunstein, Patienten mit besonders aggressivem Blut- und Lymphknotenkrebs (Leukämien und Lymphome) eine Knochenmarktransplantation, doch bei dem damals 38-Jährigen war das aus medizinischen Gründen nicht möglich. Eine Alternative musste her, denn mit der damals üblichen Chemotherapie war die Erkrankung nicht in den Griff zu bekommen.

 

Dem damaligen Leiter der Forschungsgruppe, Professor Dr. Martin Körbling war es in Tierversuchen bereits gelungen, Blutstammzellen durch eine Art Blutwäsche zu gewinnen. Die meisten dieser Zellen befinden sich im Knochenmark, wo aus ihnen rote und weiße Blutkörperchen heranreifen, einige von ihnen aber auch im Blut. Sie nisten sich nach der Transplantation selbständig in die „Nischen“ des Knochenmarks ein, vermehren sich und beginnen mit der Blutbildung. Zuvor muss das Knochenmark und alle bösartigen Zellen mit hochdosierter Chemo- und Strahlentherapie zerstört werden. Körbling forscht und arbeitet heute am MD Anderson Cancer Center in Houston, Texas.

 

Heute eines der größten Transplantationszentren für Blutstammzellen

 

„Bei Sebastian Gärtner wagten wir erstmals die klinische Erprobung dieses innovativen Behandlungskonzeptes“, so Professor Dr. Anthony D. Ho, der an der Publikation der Ergebnisse beteiligt war und heute Ärztlicher Direktor der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg ist. Dass Sebastian Gärtner dazu beitrug, Medizingeschichte zu schreiben, war ihm zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst: „Ja, ich war der Erste, der sich sozusagen mit seinen eigenen Stammzellen geheilt hat, wobei mir aber gar nicht klar war, dass die Ärzte mit mir Neuland betreten wollten. Ich dachte: Das machen die hier schon, ich habe den Ärzten hundertprozentig vertraut“, erinnert sich der pensionierte Fahrlehrer. Seine Blutbildung erholte sich innerhalb von zehn Tagen – drei bis vier Wochen hätte es nach einer Knochenmarktransplantation gedauert. Eine neue Therapieform war gefunden. 

 

Inzwischen ist die Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg eines der größten Transplantationszentren für Blutstammzellen in Deutschland. Seit 1997 werden den Patienten nicht nur eigene Stammzellen transplantiert (autologe Transplantation), sondern mit Erfolg auch Stammzellen geeigneter Geschwister- oder Fremdspender (allogene Transplantation). Für Patienten mit Leukämien, Lymphdrüsenkrebs, Knochenmarkkrebs (Multiplem Myelom) und anderen Krebsarten ist diese Therapie häufig die einzige Chance auf Heilung. Stetige Forschung hat dazu geführt, dass diese Therapie inzwischen wesentlich verträglicher geworden ist und auch bei älteren Menschen bis zu einem Alter von 70 Jahren zum Einsatz kommt. 2001 wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Transplantations-Immunologie (Direktor: Professor Dr. Gerhard Opelz) das Heidelberger Stammzellspender Register (HSR) ins Leben gerufen, in dem mittlerweile mehr als 50.000 potentielle Spender registriert sind. Die internationale Vernetzung trägt wesentlich dazu bei, schnell einen geeigneten Spender zu finden.

 

Weitere Informationen zu der Veranstaltung:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Patiententag-2010.117443.0.html?&FS=0&L=

 

Weitere Informationen über die Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Innere-Medizin-V-Haematologie-Onkologie-und-Rheumatologie-.106656.0.html

 

Sebastian Gärtner steht den Medien für Rückfragen und Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an die Pressestelle (Tel.: 06221 / 56 45 37).

 

Ansprechpartner:

Professor Dr. Anthony D. Ho

Ärztlicher Direktor

Medizinische Klinik V

Universitätsklinikum Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 410

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 37 04 2

Fax: 06221 / 56 50 54

E-Mail: ursula.schoettler@med.uni-heidelberg.de

 

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg

Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

 

www.klinikum.uni-heidelberg.de

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 45 36

Fax:  06221 / 56 45 44

E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

149/2010

 

 

TB

 

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