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Warum können Mäuse einen Schlaganfall folgenlos überstehen?

30.11.2010
Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg entdecken mit neuartiger Kernspintomographie Ansatzpunkte zur Vorbeugung

       [Bild in Druckauflösung]

Dr. Mirko Pham, Assistenzarzt in der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg.

 

Im Laborversuch überstehen Mäuse mit bestimmten Veränderungen im Blutgerinnungssystem einen Schlaganfall ohne bleibende Schäden. Warum das so ist, und wie man diese Erkenntnis zur Vorbeugung und Behandlung des Schlaganfalls bei Risikopatienten nutzen kann, haben Dr. Mirko Pham und seine Mitarbeiter von der Abteilung für Neuroradiologie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Martin Bendszus)  herausgefunden. Die Wissenschaftler entwickelten dafür eine neue Methode der Kernspintomographie, mit der sich die Gehirndurchblutung an lebenden Versuchstieren mit hoher Genauigkeit beobachten lässt.

 

Das Team um Assistenzarzt Dr. Pham untersuchte Mäuse, die den Blutgerinnungsfaktor F XII nicht produzieren können. Diese Tiere entwickelten trotz eines Gefäßverschlusses keine Hirninfarkte. Erst mit dem innovativen Verfahren der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) zeigte sich, weshalb: Zwar bilden sich – wie beim Menschen –  als Reaktion auf die Durchblutungsstörung zunächst Blutgerinnsel in den Gefäßen des Gehirns, diese lösen sich aber schnell wieder auf. Das Gehirn wird wieder vollständig durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Anders beim Menschen: Hier können auch Medikamente die Bildung stabiler Blutgerinnsel oft nicht verhindern, ohne dass es zu einer erhöhten Blutungsgefahr kommt.

 

Gerinnungsfaktor entscheidend

 

„Der Gerinnungsfaktor F XII ist entscheidend für die Stabilität der Blutgerinnsel“, erklärt Dr. Pham. „Ihn mit Medikamenten zu blockieren, könnte daher eine neue Strategie zur gezielten Vorbeugung von Schlaganfällen sein.“ Von einer solchen Prophylaxe könnten in Zukunft Menschen mit hohem Schlaganfallrisiko profitieren sowie Patienten, die sich bestimmten Operation oder Kathetereingriffen unterziehen müssen. Für seine Arbeit ist Dr. Pham nun von der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie mit dem mit 2.500 Euro dotierten Kurt-Decker-Preis ausgezeichnet worden.

 

Bei dem neuen Verfahren der Heidelberger Forscher handelt es sich um eine sogenannte funktionelle Ultra-Hochfeld-MRT, die eine um ein Vielfaches höhere Magnetfeldstärke (17,6 Tesla) aufbaut als Geräte, die bisher bei Patienten zum Einsatz kommen (bis 3 Tesla). So können die Wissenschaftler selbst winzige Details im Maushirn darstellen. Bislang war dies am lebenden Tier nicht möglich. Mit dem neuen Verfahren wollen die Mediziner jetzt weitere Gerinnungsmechanismen im Gehirn untersuchen und im Hinblick auf neue Medikamente besser verstehen lernen.

  

Literatur:

Pham M, Kleinschnitz C, Helluy X, Bartsch AJ, Austinat M, Behr VC, Renné T, Nieswandt B, Stoll G, Bendszus M.: Enhanced cortical reperfusion protects coagulation factor XII-deficient mice from ischemic stroke as revealed by high-field MRI. Neuroimage. 2010 Feb 15;49(4): 2907-14. Epub 2009 Dec 1. PMID: 19958838 [PubMed - indexed for MEDLINE]

 

Weitere Informationen über die Abteilung für Neuroradiologie:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Neuroradiologie.106685.0.html

 

Ansprechpartner:

Dr. Mirko Pham

Neurologische Klinik

Abteilung für Neuroradiologie

Im Neuenheiner Feld 400

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 75 66

Fax: 06221 / 56 46 73

E-Mail: Mirko.Pham@med.uni-heidelberg.de

 

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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

 

www.klinikum.uni-heidelberg.de

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 45 36

Fax:  06221 / 56 45 44

E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

161/2010

 

TB/sims

 

 

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