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Wie sollen Medizinstudenten geprüft werden?

08.11.2006
Heidelberger Kompetenzzentrum sorgt für hohe und einheitliche Prüfungsqualität im Medizinstudium in Baden-Württemberg

Prüfungen steuern die Leistung: Ob Medizinstudenten gute Ärzte werden, hängt auch von der Qualität der Prüfungen ab, die sie im Laufe ihres Studiums absolvieren. Das "Kompetenzzentrum für Prüfungen in der Medizin Baden-Württemberg" an der Medizinischen Fakultät Heidelberg ist ein Garant dafür, dass die Medizinstudenten im "Ländle" praxisnah, möglichst gerecht und mit hoher Qualität geprüft werden, ein Beispiel, das mittlerweile bundesweit Impulse gesetzt hat.

 

Eine positive Bilanz zieht jetzt - zwei Jahre nach der Gründung des Kompetenzzentrums - seine Leiterin, Dr. Jana Jünger. "Wir haben wichtige Grundlagen geschaffen auf dem Weg zu qualitätsgesicherten Prüfungen an den fünf medizinischen Fakultäten Baden-Württembergs", sagt die Oberärztin der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, die auch maßgeblich an der Einführung des Heidelberger Reformstudienganges HeiCuMed beteiligt war. "Unsere Expertise wird bundesweit nachgefragt. In unseren Workshops haben wir mehr als 300 Dozenten aus 21 Fakultäten geschult - und damit in Deutschland eine Multiplikatorenrolle übernommen."

 

Weniger zentrale Multiple-Choice-Prüfungen - mehr praktische Prüfungen

 

In den Staatsexamina wurde bislang bundesweit einheitlich und zentral gesteuert mit Multiple-Choice-Verfahren das Faktenwissen der Medizinstudenten geprüft. Dies führte dazu, dass Studierende grundlegende ärztliche Tätigkeiten wie Anamneseerhebung oder das Üben klinischer Entscheidungsprozesse vernachlässigten. Mit der neuen Approbationsordnung wurde ein stärkerer Praxisbezug des Studiums gefordert. In den reformierten Curricula werden Schlüsselkompetenzen wie das Führen eines guten Arzt-Patienten-Gesprächs und klinisch-praktische Fertigkeiten vermittelt.

 

Gleichzeitig hat die neue Approbationsordnung den medizinischen Fakultäten eine größere Prüfungsautonomie verliehen und damit auch Verantwortung. Zentral geprüft wird nur noch nach dem vorklinischen und nach dem klinischen Studienabschnitt - die Zahl der fakultätsinternen Prüfungen, deren Noten sich im Endzeugnis niederschlagen, schnellte dagegen auf 39 empor und umfasst 22 Fächer, zwölf Querschnittsbereiche und fünf Blockpraktika in den klinischen Semestern.

 

Dieser großen Herausforderung sind die Medizinische Fakultät Heidelberg und das Land Baden-Württemberg mit der Einrichtung eines gemeinsamen Kompetenzzentrums für Prüfungen in der Medizin begegnet, das zum 1. Juli 2004 seine Arbeit aufgenommen hat. Es soll die Fakultäten des Landes bei der Einführung und Umsetzung neuer Prüfungsformen beraten und verlässliche Prüfstandards entwickeln - aber auch bundesweit als Impulsgeber fungieren.

 

Auch kommunikative Fähigkeiten werden getestet

 

Dazu zählt die objektive, strukturierte klinische Prüfung (OSCE), die

HeiCuMed schon seit einigen Jahren einsetzt, und die nun auch auf andere Fakultäten übertragen werden soll. Die Prüfkandidaten stellen nicht nur ihr Fachwissen, sondern auch soziale und kommunikative Fähigkeiten unter Beweis. Auf einem Trainings-Parcours sind mehrere Test-Stationen zu absolvieren, an denen die Studenten jeweils mehrere Minuten Zeit haben, um z.B. ein EKG auszuwerten, einer Puppe eine Magensonde zu legen, die Anamnese eines Patienten mit Bauchschmerzen zu erheben, Blut abzunehmen oder eine Fallgeschichte zu analysieren. Bei OSCE-Prüfungen wird jeder Studierende von mindestens 10 Prüfern beurteilt, so dass subjektive Vorurteile nicht ins Gewicht fallen sollten.

 

Wichtiger Bestandteil der OSCE-Prüfungen sind Übungen an standardisierten Patienten - Laienschauspielern, die Krankheitsbilder in Wort und Tat simulieren, so dass die Studierenden realitätsnah ihre Kenntnisse beweisen können. Trainingseinheiten für den Einsatz solcher "Patienten" bietet das Kompetenzzentrum genauso an wie Workshops zur Erstellung fachspezifischer Multiple-Choice-Tests oder Beratungen bei der Einführung von schriftlichen Patientenberichten als Prüfungsform.

 

Wie kann gerecht geprüft werden?

 

"Um die Prüfungsgerechtigkeit zu wahren, prüfen wir mit verschiedenen Methoden zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Fähigkeiten", so Frau Dr. Jünger. Nur so könne verhindert werden, dass ein Student schlecht abschneidet, weil er gerade einen schlechten Tag hat oder einseitig geprüft wird. "Wenn Sie in der mündlichen Prüfung im Fach Innere Medizin nur das Herz zum Thema machen, Nieren, Leber und Magen aber völlig ausblenden, ist das ungerecht."

 

Das Kompetenzzentrum soll dafür sorgen, dass in den 39 klinischen Prüfungen alle Teilbereiche ihrer Bedeutung entsprechend abgedeckt sind. Auch bei der Frage, wie die Prüfungsformen dabei sinnvoll gemischt werden - mit Multiple-Choice-Fragen, OSCE-Parcours oder Patientenberichten etwa - berät das Kompetenzzentrum die Prüfungsverantwortlichen.

 

Rot-Gelb-Grün: Klare Kriterien für gute Prüfungen

 

Klare Kriterien für gute Prüfungen - von der Objektivität über die Transparenz bis zur Nützlichkeit - hat das Heidelberger Kompetenzzentrum zusammengestellt, um den Status der Prüfungspraxis an den baden-württembergischen Medizinfakultäten zu messen. Die Beurteilungen erfolgen nach einem einfachen Ampelsystem, wobei "Rot" auf deutliche Probleme, "Gelb" auf Mängel, "Grün" dagegen auf die Erfüllung des jeweiligen Kriteriums hinweist. Der Statusbericht für die Heidelberger Fakultät liegt schon vor. In der Beurteilung des Kompetenzzentrums ergibt sich noch eine bunte Mischung - freilich schon deutlich dominiert von der Farbe Grün.

 

Information im Internet:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Kompetenzzentrum-fuer-Pruefungen-KomP-Med.3081.0.html

 

Ansprechpartner:

Dr. Jana Jünger

Medizinische Universitätsklinik

Im Neuenheimer Feld 410 69120 Heidelberg

Tel. 06221-56 86 57 Fax 06221-56 55 19

Email: Jana.Juenger@med.uni-heidelberg.de

 

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Auch praktische Fähigkeiten werden in den Prüfungen getestet.

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

 

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

Tel.:      06221 / 56 45 36

Fax:     06221 / 56 45 44

E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

 

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