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Wenn Eltern Rat und Hilfe brauchen

10.04.2008
Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ am Universitätsklinikum Heidelberg soll Gewalt in der Familie vorbeugen / 29 Familienhebammen im Saarland im Einsatz

Wie kann man elterliche Gewalt und Vernachlässigung von Säuglingen verhindern? Durch rechtzeitige Vorsorge, sagen Wissenschaftler um Professor Dr. Manfred Cierpka vom Universitätsklinikum Heidelberg. Sie haben das Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ ins Leben gerufen: Direkt nach der Geburt betreuen speziell ausgebildete Familienhebammen besonders belastete Familien. 29 Helferinnen haben nun Ende Februar im Saarland ihren Abschluss erworben.

 

„Wenn ein Paar ein Kind bekommt, dann tauchen oft Fragen und Herausforderungen auf, und es herrscht erst einmal Verunsicherung“, erläutert Projektkoordinator Dr. Andreas Eickhorst vom Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie am Universitätsklinikum Heidelberg. Wie lerne ich die Signale meines Babys zu verstehen? Wie kann ich Schreiattacken vorbeugen? Wie pflege ich den Säugling richtig? Welche Hilfen kann ich bekommen? Wie baue ich eine sichere Bindung zu dem Kind auf? Gerade besonders belastete Familien – Mütter und Väter, die etwa sehr arm sind, allein erziehend, arbeitslos oder ein Drogenproblem haben – sind häufig überfordert und benötigen Rat und Unterstützung, um mit der neuen Situation zu recht zu kommen.

 

Sichere Bindung zwischen Eltern und Kind aufbauen

 

Hier setzt das Konzept der Familienhebammen an: „Im Idealfall informiert uns bereits der Gynäkologe während der Schwangerschaft und weist uns auf eine besonders belastete Familie hin“, so Eickhorst. Spätestens auf der Entbindungsstation aber sollen Ärzte, Krankenschwestern und Geburtshelferinnen über Koordinatoren – meist Sozialarbeiter/-innen, die für die Organisation verantwortlich sind – den Kontakt zu den Familienhebammen herstellen. Bis zu ein Jahr lang besuchen die Hebammen hilfebedürftige Eltern und geben Tipps zur Nachsorge, zum Stillen, zu Impfungen, zur kindlichen Entwicklung, aber auch zum Umgang mit dem Säugling. „Das Wichtigste ist eine gute Bindung zwischen Eltern und Kind aufzubauen. Die Beziehung muss stimmen“, sagt der Projektkoordinator. Zusätzlich bereiten die Hebammen frisch gebackene Eltern im Kurs „das Baby verstehen“ auf ihre neue Rolle vor. Allerdings gehen gerade belastete Familien häufig nicht zu Kursen. Daher ist die individuelle Betreuung vor Ort in diesen Fällen besonders wichtig.

 

Im „Netzwerk für Eltern“ tauschen sich die Familienhebammen zusätzlich regelmäßig mit Kolleginnen von Entbindungsstationen aus sowie mit Frauen- und Kinderärzten, Mitarbeitern von Beratungsstellen, geburtshilflichen Stationen und Gesundheits-, Sozial- und Jugendämtern. So ermöglicht das Netzwerk eine gemeinsame, unbürokratische Hilfe auch in Fragen, die nicht in die Kompetenz der Hebammen fallen.

 

Weitere Modellprojekte in Hessen / Finanzierung durch Stiftungen

 

Ins insgesamt 168 Stunden Ausbildungsstunden haben die 29 frisch gebackenen saarländischen Familienhebammen ihr Wissen für ihre Arbeit erworben. Unter anderem absolvierten sie Kurse in frühkindlicher Entwicklung, zu psychiatrischen Erkrankungen der Mütter, juristischen Fragestellungen, Gesprächsführung und Notfallhilfe. Nun arbeiten sie flächendeckend in allen saarländischen Landkreisen. Bereits seit Oktober sind weitere elf Familienhebammen an zwei Modellstandorten in Hessen im Einsatz – in den Landkreisen Bergstraße und Offenbach. Finanziert wurde die Ausbildung im Saarland durch die „Friedrich-Naumann-Stiftung für Freiheit“, in Hessen durch die „hessenstiftung familie hat zukunft“.

 

Koordiniert und evaluiert wird das Projekt durch das Heidelberger Team um Professor Dr. Cierpka und Dr. Eickhorst. Dabei vergleichen die Wissenschaftler die von den Familienhebammen betreuten Gruppen mit Kontrollgruppen, etwa belasteten Familien aus noch nicht am Modellprojekt beteiligten Landkreisen, und wollen dadurch wichtige Fragen klären: Wie hängen die einzelnen Belastungsfaktoren bei gefährdeten Familien zusammen? Wie verändern sich Beziehungsqualität, Feinfühligkeit, Entwicklung des Babys und die Interaktionsqualität zwischen Eltern und Kind über die Zeit?

 

„Mit dem Ende der Ausbildung der saarländischen Hebammen ist der offizielle Startschuss für unser Forschungsprojekt gefallen“, so Eickhorst. Das Projektteam hofft auf erste Ergebnisse zu Erfolgen der Arbeit in einem halben Jahr.

 


Kontakt:


Dr. Andreas Eickhorst
Projektkoordinator
Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und
Familientherapie am Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 4717
E-Mail: Andreas.Eickhorst@med.uni-heidelberg.de

 


Internet:

1. Webseite „Keiner fällt durchs Netz“:
www.keinerfaelltdurchsnetz.de

 

2. Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie am Universitätsklinikum Heidelberg:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Psychosomatische-Kooperationsforschung-und-Familientherapie.2264.0.htm

 


Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

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