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Das Behandlungs-Fenster wird weiter

25.09.2008
Bis zu 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall können Patienten von einer Auflösung des Blutgerinnsels im Gehirn profitieren

 

Patienten können noch bis zu 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall davon profitieren, wenn ihnen ein Medikament verabreicht wird, das Blutgerinnsel im Gehirn auflöst. Bislang waren drei Stunden als sinnvolle Grenze für die Gabe von „Thrombolytika“ angesehen worden. Das Ergebnis der „European Cooperative Acute Stroke Study“ (ECASS) ist jetzt im „New England Journal of Medicine” veröffentlicht worden.

 

„Diese neuen Erkenntnisse könnte zehntausenden Patienten zugute kommen, deren Hirndurchblutung wieder hergestellt werden kann“, sagte der Leiter der Studie, Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, der die Studie auf dem Weltschlaganfallkongress in Wien vorstellte.

 

Ingesamt 826 Patienten in 130 europäischen Schlaganfall-Zentren, die 3 bis 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall in der Klinik behandelt wurden, erhielten entweder das Thrombolytikum Alteplase oder ein Plazebo gespritzt. Eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls war zuvor mit Hilfe der Computertomographie ausgeschlossen worden.

 

Je früher behandelt wird, desto besser das Ergebnis

 

Rund 52 Prozent der mit Alteplase behandelten Patienten sprachen gut auf die Therapie an und trugen keine oder nur geringfügige Behinderungen davon. Dagegen waren es in der Placebo-Gruppe nur rund 45 Prozent. Todesfälle nach drei Monaten traten in beiden Gruppen gleich häufig auf (8 Prozent).

 

Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund dieser Ergebnisse, Schlaganfall-Patienten auch nach drei Stunden mit Thrombolytika  zu behandeln. „Dass wir mehr Zeit haben, heißt jedoch nicht, dass wir uns mehr Zeit nehmen dürfen“, warnte Professor Hacke. Nach wie vor sollten Patienten mit Schlaganfall-Zeichen so schnell wir möglich in die Klinik gebracht und behandelt werden, denn die ECASS-Studie habe auch gezeigt, dass die Patienten um so mehr Behinderungen davon trügen, je später sie behandelt würden.

 

Aber auch darüber hinaus wird diese Studie wichtige Weichen stellen: Seit über 12 Jahren hatte es keine positive Studie zur akuten Schlaganfalltherapie mehr gegeben, und ECASS 3 ist erst die zweite Akutstudie überhaupt, die beim Schlaganfall ein erfolgreiches Resultat gebracht hat. „Diese Studie wird Auswirkung auf das gesamte Feld der Schlaganfallmedizin haben. Endlich wurde wieder gezeigt, dass der Schlaganfall behandelbar ist, und das wird viele Wissenschaftler und Firmen ermutigen, weiter dieses Feld zu bearbeiten“, so Professor Hacke.

 

Über den Schlaganfall: Mehr als 250.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall in Deutschland, mehr als 10 Millionen Patienten sterben jährlich weltweit am Schlaganfall, der damit weltweit Krebs als zweithäufigste Todesursache überholt hat. Mit steigender Lebenserwartung wird in Deutschland, vor allem aber in Entwicklungsländern, mit einer dramatischen Zunahme der Schlaganfälle gerechnet. Schlaganfall ist kein Schicksal, er ist vermeidbar und behandelbar!

 

 

Kontakt:

Professor Dr. Werner Hacke

Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 8211 (Sekretariat)

E-Mail: Neurologie@med.uni-heidelberg.de

 

 

Literatur:

Hacke W et al. Thrombolysis with alteplase 3 to 4.5 hours after acute ischemic stroke. 2008. New England Journal of Medicine, Sept. 25, Vol. 359, p. 1317-1329.

 

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)

 

 

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Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

 

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 45 36

Fax:  06221 / 56 45 44

E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

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