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Die Heidelberger Universitäts-Hautklinik wird 100 Jahre alt

07.10.2008
Von einer Heilanstalt für Geschlechtskrankheiten zu einem führenden Zentrum in der Behandlung des schwarzen Hautkrebs

Die Universitäts-Hautklinik Heidelberg feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. 1908 aus einer Abteilung für Geschlechtskrankheiten gegründet, hat sich die Heidelberger Hautklinik unter dem Einfluss von sechs Direktoren zu einem der deutschlandweit führenden Zentren in der Behandlung von schwarzem Hautkrebs, Autoimmunerkrankungen und HIV entwickelt. Anlässlich des Jubiläums hat der Direktor der Klinik, Professor Dr. Alexander Enk, am 11. Oktober 2008 in der Universitäts-Hautklinik Festredner aus dem In- und Ausland zu einer akademischen Feier geladen.

 

Die Lehre der Haut- und Geschlechtskrankheiten (Venerologie) fasste an der Universität Heidelberg zunächst nur langsam Fuß: Vom ersten Dokument über die Behandlung der Syphilis, eine Schrift des Heidelberger Professors Conrad Schelling, Leibarzt des Kurfürsten Philipp von der Pfalz, um 1497 bis zur ersten Vorlesung über sexuell übertragbare Erkrankungen vergingen 300 Jahre. Als Max Nonne 1884 unter dem Neurologen Wilhelm Heinrich Erb (1840 – 1921), Direktor der Medizinischen und Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, die Abteilung für Geschlechtskrankheiten übernahm, gab es an vielen anderen Universitäten bereits eigene Kliniken für Haut- und Geschlechtskrankheiten. In der Abteilung im ehemaligen Infektionsbau bzw. Pavillion III in der Bergheimer Straße wurden u.a. Krätze, Gonorrhoe und Syphilis behandelt.

 


Im August 1908 wurde die „Haut- und Hautpoliklinik der Universität Heidelberg“ gegründet

 

1899 übernahm Siegfried Bettmann (1869 – 1939) durch Erbs Förderung die ärztliche Leitung der Abteilung, in der zu diesem Zeitpunkt die Patienten größtenteils noch selbst die Reinigungsarbeiten übernahmen. Als im August 1908 die „Haut- und Hautpoliklinik der Universität Heidelberg“ gegründet wurde, wurde Bettmann erster Direktor der neuen Klinik; 1919 wurde er zum ersten Professor für Dermatologie bestellt.

 

Während Bettmanns Dienstzeit wuchs die neue Hautklinik beständig: Von 1908 bis 1935 stieg die Anzahl der Betten von 60 auf 90 an, es gab Pflegepersonal und vier Ärzte, die Klinik verfügte über eine Strahlenabteilung und ein Labor für serologische Untersuchungen. Aufgrund des Raummangels – die meisten Gebäude des heutigen Altklinikums waren der Inneren Medizin und der Chirurgie zugeordnet – konnten Patienten mit Haut- und Geschlechtkrankheiten zunächst nicht getrennt untergebracht werden. 1919 waren die einzelnen Abteilungen, Ambulanz und Hörsaal auf sieben Standorte im Altklinikum verteilt. Bei Bettmanns Emeritierung 1935 waren in der Hautklinik bereits vier Assistenten, zwei Volontärärzte und drei Medizinalpraktikanten beschäftigt, die Bettenanzahl betrug 140.

 

Hautklinik übernahm Baracken und Hörsaalgebäude der Inneren Medizin und Chirurgie

 

Im April 1935 übernahm Walther Schönfeld (1888 – 1977) die Leitung der Heidelberger Hautklinik. Da die Universitätsklinik für Innere Medizin inzwischen in den Neubau der Ludolf-Krehl-Klinik umgezogen und die Chirurgische Universitätsklinik ins Neuenheimer Feld übergesiedelt war, standen der Hautklinik nach und nach ein ehemals medizinischer Pavillon, mehrere chirurgische Pavillons und Baracken sowie der chirurgische Hörsaalbau zur Verfügung. Bis zu seiner Emeritierung 1956 gab Schönfeld zwei Lehrbücher der Haut- und Geschlechtkrankheiten heraus. Ein Meilenstein der Dermatologie war 1948 die Veröffentlichung des Buches „Sulfonamide und Penicilline“, in dem er gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Josef Kimmig wertvolle Informationen für die wissenschaftlich isolierten Ärzten in Deutschland zusammengestellt hatte.

 

Unterstützung erhielten die Heidelberger Hautärzte nach dem Krieg von den Amerikanern: In ihrer panischen Angst vor der Syphilis räumten sie der Hautklinik, in der sich auch ihre erkrankten Soldaten aufhielten, ein monatliches Kontingent an Penicillin ein. Die Bettenanzahl war inzwischen auf 200 angewachsen, es gab daher zwei Oberärzte.

 

Moderne Labore und Abteilung für Allergie und Berufskrankheiten

 

Schönfelds Nachfolge übernahm 1959 Josef Hämel (1894 – 1969), der bereits vor seinem Amtsantritt Umbaumaßnahmen anordnete: Er ließ die Bettenanzahl zugunsten der Bibliothek um 11 Betten verringern und die Bäderabteilung ausbauen. Seinem Engagement verdankte die Heidelberger Hautklinik außerdem die Modernisierung der Labore und die Einrichtung einer Abteilung für Allergie- und Berufskrankheiten der Haut, sowie den Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft Malignes Melanom. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte waren Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Syphilis und Gonorrhoe, sowie Penicillinresistenzen.  Im Jahr seiner Emeritierung 1964 wurde Josef Hämel für seine ärztliche und wissenschaftliche Arbeit mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

 

Im September 1965 wurde Urs Schnyder (geb. 1923) Direktor der Universitäts-Hautklinik und setzte bereits kurz darauf eine grundlegende Sanierung der Hautklinik durch. Krankensäle mit bis zu 20 Betten, fehlende Isolierzimmer und veraltete Behandlungszimmer sprachen für sich: In den kommenden Jahren wurden sämtliche Gebäude von Grund auf renoviert und umgestaltet sowie ein neues Ambulanzgebäude errichtet. Dieses wurde allerdings erst fertig, als Schnyder 1978 einen Ruf nach Zürich angenommen hatte. Entsprechend Schnyders Spezialgebieten Röntgentherapie, Morphologie und Humangenetik wurden die Röntgenbehandlung der Haut zum therapeutischen, die Dermatohistologie zum diagnostischen und die Ultrastrukturforschung zum wissenschaftlichen Schwerpunkt der Hautklinik ausgebaut. Schnyder richtete eine elektronenmikroskopische Forschungsabteilung ein und erweiterte die Allergieabteilung um ein Forschungs- und Diagnostiklabor im Neuenheimer Feld.

 

1965 beschrieb Ernst Gustav Jung, Oberarzt an der Universitätshautklinik Heidelberg, zusammen mit F. Dukert erstmals den Gerinnungsfaktor VIII, dessen Mangel zur Bluterkrankheit führt.

 

Neuer Schwerpunkt: Pränatale Diagnostik von erblichen Hauterkrankungen

 

Einen neuen und innovativen Schwerpunkt erhielt die Universitätshautklinik 1980 unter der Leitung von Detlef Petzoldt (geb. 1936), der 1979 zum Geschäftsführenden Direktor ernannt wurde: In der pränatalen Diagnostik von erblichen Hauterkrankungen entwickelte sich die Heidelberger Hautklinik bis 1997 zum international führenden Zentrum. Zahlreiche Veröffentlichungen der Venerologie belegen die Vorreiterrolle der Klinik auch auf diesem Gebiet: Es entstand eine eigene Sprechstunde für sexuell übertragbare Krankheiten, aus der 1985 die Spezialsprechstunde für die ganzheitliche Betreuung von HIV-Patienten hervorging. 1990 eröffnete in Heidelberg deutschlandweit eine der ersten Tageskliniken an einer Hautklinik sowie das Laserzentrum.

 

Durch den Umzug von Nachbarkliniken in das Neuenheimer Feld konnte die Hautklinik bis zum Jahr 2000 um zwei Stationen erweitert sowie die sanitären Einrichtungen verbessert werden.  Wissenschaftlich befasste sich Petzold mit Onkologie, Allergologie und dem Stoffwechsel der Haut, ab 1970 vor allem mit sexuell übertragbaren Erkrankungen und HIV.

 

Innovative Therapien des schwarzen Hautkrebs (Melanom)

 

Seit 2004 ist Alexander Enk (geb. 1963) Geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitätshautklinik Heidelberg. Schwerpunkte der Hautklinik sind heute die Onkologie und die Immunologie mit Ambulanzen zur Behandlung der Schuppenflechte, Autoimmunerkrankungen und HIV-Infizierten. In der onkologischen Ambulanz und Tagesklinik ist es möglich, für jedes Stadium der Erkrankung schwarzer Hautkrebs innovative Therapien anzubieten. Die Vernetzung mit anderen Fachdisziplinen im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg gewährleistet eine interdisziplinäre Betreuung. Mitarbeiter der Hautklinik wirken federführend an Sonderforschungsbereichen und EU-Forschungsprojekten mit. In Kooperation mit dem Deutschen Krensforschungszentrum Heidelberg wurde 2005 die Helmholtz-Nachwuchsgruppe „Onkolytische Adenoviren“ gegründet. 2008 erfolgte die Zertifizierung nach ISO 9001.

 

In den kommenden Jahren wird die Heidelberger Hautklinik gemeinsam mit der Universitäts-Frauenklinik ebenfalls die alten Gebäude im Klinikum Bergheim räumen und ins Neuenheimer Feld übersiedeln.

 

Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen!

 


Bei Rückfragen:
Professor Dr. Alexander Enk
Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik
Tel.: 06221 / 56 8501 (Sekretariat)
E-Mail: alexander.enk@med.uni-heidelberg.de

 


Weitere Informationen zur Veranstaltung:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Aktuelles.1080.0.html

 


Programm der Veranstaltung als PDF:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/Haut/Fortbildungen/100JahrFeier.doc.pdf

 


Die Jubiläumsbroschüre der Veranstaltung kann als PDF bei der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden!

 


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Die Neurologen Wilhelm Erb und Siegfried Bettmann (rechts) gründeten 1908 die Universitäts-Hautklinik.
Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

 

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

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