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Symptome und Diagnostik

Blut im Urin

Mit einem deutlichen Krankheitsgefühl, Schmerzen oder stärkeren Blutungen gehen meist nur fortgeschrittene Krebserkrankungen des Harntraktes einher. In diesen Fällen ist eine Heilung häufig nicht mehr möglich. Daher ist der wichtigste Schutz vor einer nicht kontrollierbaren Krebserkrankung im Bereich der ableitenden Harnwege die Urinuntersuchung im Rahmen der Routinekontrollen und der sofortige Besuch beim Facharzt für Urologie bei den kleinsten Anzeichen von Blut im Urin.


Ein meist schmerzloses Auftreten von Blut im Urin (Hämaturie) ist häufig das einzige Symptom, das den Patienten von sich aus rechtzeitig zum Arzt führen kann. Solche Beobachtungen werden leider allzu oft als „Blasenentzündung“ oder andere Bagatelle (Verzehr von roten Nahrungsmitteln) abgetan und dadurch wertvolle Zeit verschenkt, sodass der Krebs fortschreiten kann. Blut im Urin bedeutet IMMER, dass eine urologische Untersuchung notwendig ist. Bis zum sicheren Ausschluss eines Tumorleidens muss von einem bösartigen Geschehen ausgegangen werden. Diese Sicherheit kann nur der Facharzt für Urologie geben. Bei der Routineuntersuchung des Urins fällt häufig eine nicht mit bloßem Auge sichtbare Blutbeimengung (Mikrohämaturie) auf, die ebenfalls abgeklärt werden muss.


Symptome:

  • Blut im Urin
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiges Wasserlassen oder Harndrang, wobei wenig oder kein Harn ausgeschieden wird
  • Zufallsbefund einer sog. Mikrohämaturie (Blut im Urin, das nur mit dem Mikroskop oder Streifenschnelltesten nachgewiesen werden kann)


In 80 % ist die Hämaturie das erste Symptom, bei ca. 30 % der Patienten bestehen Beschwerden, die auch bei einer Blasenentzündung auftreten können (Brennen beim Urinieren, häufiges Wasserlassen und Schmerzen über der Blase). Diese Symptome sind keine sicheren Zeichen für einen Blasenkrebs. Sie können auch durch Infektionen, gutartige Veränderungen, Harnsteine oder andere Erkrankungen hervorgerufen werden. Auch unter gerinnungshemmenden Medikamenten (ASS, Marcumar, Plavix) kommt es leichter zu Blutungen, die frühe Anzeichen einer bösartigen Erkrankung sein können und daher nicht als Medikamentennebenwirkung abgetan werden dürfen. In jedem Fall können auch harmlose Ursachen vorliegen, allerdings kann es lebensnotwendig sein die wirklich vorliegende Ursache rasch zu ermitteln.


Ursachen für scheinbare oder möglicherweise harmlose Blutbeimengungen:

  • Regelblutung (Menstruation)
  • Blutbeimengung im Sperma (Hämospermie)
  • Krampfadern der Vorsteherdrüse (Prostatavarizenblutung)
  • Konzentrierter Urin
  • Starke körperliche Beanspruchung
  • Lebensmittelfarbstoffe
  • Stoffwechselprodukte
  • Medikamente


Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Krebserkrankung als Ursache der Blutbeimengung vorliegt beträgt bei mit bloßem Auge sichtbaren Befunden 5-23 %. Für mikroskopische Blutbeimengungen ist die Häufigkeit bösartiger Ursachen  mit  2-12,5 % etwas niedriger. Diese Zahlen dürfen den einzelnen Patienten zwar berechtigt hoffen lassen, dass er selbst nicht betroffen ist, aber grundsätzlich muss jede Hämaturie abgeklärt werden. Da die auszuschließenden Tumore in der Regel nicht anhaltend sondern intermittierend bluten, lässt auch eine unauffällige Urinkontrolle die urologische Abklärung nicht entbehrlich werden.


Neben der Befragung des Patienten (1) nach Befinden, Leistungsfähigkeit, Gewichtsentwicklung, Blutbeimengungen im Urin und bestimmten Risikofaktoren (Rauchen, Arbeiten mit Chemikalien, Krebserkrankungen in der Familie) erfolgen Routineuntersuchungen von Blut und Urin. Die Urinprobe wird in der Regel chemisch, mikrobiologisch und als Sediment unter dem Mikroskop beurteilt. In ausgewählten Fällen kann eine mikroskopische Zusatzuntersuchung auf krankhaft veränderte Zellen (Zytologie) angezeigt sein. Außerdem stehen mittlerweile eine Reihe zusätzlicher Methoden wie der NMP-22-Test zur Verfügung, welche die Entdeckung eine Urothelkarzinoms erleichtern können. Ob die jeweiligen weitergehenden Untersuchungen des Urins in Ihrem speziellen Fall sinnvoll sind, können unsere Ärzte mit Ihnen ausführlich erörtern. Eine körperliche Untersuchung (2) sowie Ultraschall von Niere, Blase (3) und Prostata vervollständigen die allgemeine urologische Abklärung.


Bei Auffälligkeiten schließt sich eine detaillierte Untersuchung der ableitenden Harnwege an. Da Nierenbecken und Harnleiter für eine direkte Betrachtung nur schwer zugänglich sind bedient man sich hierfür einer kontrastmittelunterstützten Röntgenuntersuchung – dem Ausscheidungsurogramm (AUG), auch Infusionsurogramm (IUG) oder intravenöses Pyelogramm (IVP) genannt (4). Dabei erhält der Patient über eine Armvene jodhaltiges Röntgenkontrastmittel, das über die Niere ausgeschieden wird und dadurch eine indirekte Beurteilung der Nierenbecken und Harnleiter erlaubt. Patienten die allergisch auf Kontrastmittel reagieren, Schilddrüsenfunktionstörungen oder andere bestimmte Erkrankungen haben, können diese Untersuchung nicht erhalten. Ihr behandelnder Urologe wird das Vorliegen solcher Hinderungsgründe erfragen und ggf. eine alternative Untersuchung durchführen. Zum sicheren Ausschluss einer Krebserkrankung im Bereich der Harnröhre und der Harnblase muss eine Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie) durchgeführt werden (5-7). Bei Frauen ist diese Untersuchung im Allgemeinen nicht mit Schmerzen verbunden und kann daher in der Regel ohne Narkose durchgeführt werden. Falls dies nicht gewünscht wird und für Männer, bei denen die Untersuchung ohne Medikamente schmerzhaft wäre, nehmen wir die Blasenspiegelung in „i.v.-Analgosedierung“ vor. Dabei werden über eine Armvene (i.v. = intravenös) Medikamente verabreicht, welche die Schmerzempfindung verhindern (Analgesie = Schmerzfreiheit) und zu einem schlafähnlichen Zustand führen (Sedierung = Beruhigung). Sie werden hierzu von einem Narkosearzt zusätzlich betreut, atmen zu jeder Zeit selbst und können die Klinik nach wenigen Stunden wieder verlassen. Im Rahmen dieses kleinen Eingriffs, der etwa fünf Minuten dauert, können auch die Harnleiter und Nierenbecken mit Hilfe der Röntgendurchleuchtung eingehender beurteilt werden.


Wird aufgrund der Untersuchungsbefunde ein Tumor im Bereich des oberen Harntraktes (Harnleiter, Nierenbecken) vermutet (8), müssen ergänzend bildgebende Verfahren herangezogen werden (Computer- oder Magnetresonanztomographie). Diese Methoden bieten unsere radiologischen Kollegen in demselben Gebäude und meist innerhalb kürzester Zeit an, sodass Sie in dieser Situation rasch weitere Gewissheit erhalten. Bleibt der Verdacht bestehen, ist es notwendig von dem auffälligen Befund etwas Gewebe zu entnehmen und unter dem Mikroskop darauf hin zu untersuchen, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt. Zur genaueren Begutachtung und Gewebegewinnung dient die Harnleiter- und Nierenbeckenspiegelung (Ureterorenoskopie, URS), bei der mit einem sehr dünnen starren Instrument oder mit einem biegsamen Gerät auch schwer zugängliche Bereiche genau untersucht werden können (9). Bei diesem Eingriff muss kein Schnitt erfolgen. Da in der Regel eine Vollnarkose sinnvoll ist, empfehlen wir hierfür eine Übernachtung in unserer urologischen Abteilung.


Falls die Blasenspiegelung einen verdächtigen Befund ergeben hat oder sehr wahrscheinlich ein Blasentumor vorliegt (7), kann das auffällige Gebiet mit Hilfe einer kleinen Metallschlinge entfernt werden, durch die hochfrequenter Strom fließt. Hierfür wird ein besonderes Instrument zur Blasenspiegelung verwendet, welches das gezielte Abhobeln der Blasenschleimhaut erlaubt. Durch die Verwendung des speziell auf die medizinischen Belange ausgelegten elektrischen Stroms kann hierbei schonend geschnitten und zugleich die gelegentlich entstehende Blutung gestillt werden. Da ohne Schnitt und ausschließlich durch die Harnröhre (Urethra) operiert wird (11), bezeichnet man dieses Verfahren als transurethrale Resektion der Blase (TUR-B). Es kann in Rückenmarks- oder in Vollnarkose durchgeführt werden und macht einen stationären Aufenthalt zwischen einem und drei Tagen nötig – je nachdem wie tief der Befund in die Blasenwand hineinreicht. Die Tiefenausdehnung (12) gilt neben der Stärke der Entartung und der Anzahl betroffener Stellen als wichtigster Parameter zur Planung der weiteren Behandlung. Dagegen ist es weit weniger von Bedeutung wie groß der Tumor innerhalb der Blase ist. Mit der TUR-B verfügen wir über eine sehr schonende und wirksame Methode zur genauen Diagnostik der vorliegenden Veränderung, die häufig zugleich eine ausreichende Therapie beinhaltet.