UroWatch - Impedanzmessung zur Bestimmung des Blasenvolumens

Der überwiegende Teil der Querschnittgelähmten wird mit dem sogenannten Einmalkatheterismus versorgt, um der mit der Querschnittlähmung einhergehenden neurogenen Blasenlähmung zu begegnen. Dabei wird die Blase in regelmäßigen Intervallen entleert, da die Betroffenen aufgrund der fehlenden Sensibilität meist kein natürliches Bedürfnis zu urinieren haben. Es kann nun vorkommen, dass die Blase beim vorzeitigen Katheterisieren nur eine geringe Füllmenge (< 200ml) aufweist oder bei zu spät gewähltem Katheterisierungszeitpunkt ein unphysiologisches Füllvolumen (> 500ml) überschritten wird. Die Überdehnung der Blasenwand durch zu große Füllmengen gilt heute als Hauptverursacher von wiederkehrenden Harnwegsinfekten, führt zu einer Deformation der Blase und Harnwegen und kann langfristig die Speicherfunktion der Blase zerstören. In schlimmen Fällen kann es sogar zur chronischen Nierenbeckenentzündung mit Dialysepflicht kommen.

 

Bisherige diagnostische Maßnahmen zur kontinuierlichen Ermittlung des Blasenfüllstands, z.B. mithilfe von Ultraschall, scheitern an den Kosten, der Handhabung oder am mangelnden Alltagsnutzen. Ein zuverlässiges und einfach zu handhabendes Gerät zur Bestimmung des Blasenfüllstandes und damit dem optimalen Katheterisierungszeitpunkt könnte hohe Folgekosten zur Behandlung oben genannter Probleme vermeiden.

 

Zur Lösung dieses Problems werden an der Klinik für Paraplegiologie in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Institut Aachen an einem nichtinvasiven kontinuierlichen Monitoring des Blasenfüllstandes mittels der Elektrischen Impedanztomografie (EIT) gearbeitet. Dabei wird durch Einspeisen eines kleinen und ungefährlichen elektrischen Wechselstromes und gleichzeitiger Messung der Spannung an mehreren verteilten Stellen nach Berechnung einer Rückprojektion ein Bild der elektrischen Widerstandsverteilung im Inneren abgeleitet. Da Knochen, Gewebe, Organe und Blase jeweils unterschiedliche Leitwerte besitzen, lassen erste Pilotversuche vermuten, dass hierdurch eine hinreichend genaue Abschätzung des Blasenvolumens möglich ist. Im Rahmen einer multizentrischen Studie sollen diese Pilotergebnisse an einem größeren Patientenkollektiv validiert werden.

 

Messprinzip der EIT am Beispiel der Messung am Unterleib.

 

Die Messmethoden zeigen dabei grundsätzlich weitere Möglichkeiten der diagnostischen Anwendung und eine Ausweitung auf weitere Zielgruppen, z.B. Bettlägerige und Demenzkranke, auf. Die Anwendung in den Bereichen der Intensivmedizin und der Geriatrie lässt auf einen zusätzlichen volkswirtschaftlichen Nutzen hoffen, der aus einer Optimierung des Hilfsmitteleinsatzes resultieren würde. Darüber hinaus könnte auch die Lebensqualität bei Menschen, die von einer idiopathischen überaktiven Blase und/oder Inkontinenz betroffen sind, spürbar verbessert werden.

 

Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

 

Kontakt/Ansprechpartner

 

Publikationen 

Leonhardt S., Cordes A., Plewa H., Pikkemaat R., Soljanik I., Moehring K., Gerner H.J., Rupp R.: Electric impedance tomography for monitoring volume and size of the urinary bladder, Biomed Tech 56, 301-307, 2011

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