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Verdacht auf Schlaganfall –
Risikofaktoren erkennen und rechtzeitig handeln!


von Priv.-Doz. Dr. Christoph Lichy, Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg


Priv.-Doz. Dr. Christoph Lichy,
Neurologische Universitätsklinik Heidelberg.
Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

 

 

Jedes Jahr erleiden über 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Etwa 85% dieser Schlaganfälle entstehen durch lokale Mangeldurchblutung (Hirninfarkt), die übrigen durch Hirnblutungen. Schlaganfälle haben in vielen Ländern Krebserkrankungen auf den dritten Platz der Todesursachen verdrängt und liegen nach dem Herzinfarkt an zweiter Stelle. Ein Drittel der Überlebenden trägt außerdem bleibende schwere Behinderungen davon. Umso wichtiger ist es, dass die Medizin im Jahr 2009 viele relativ einfache Maßnahmen kennt, wie Schlaganfälle vermieden, und, falls es doch dazu kommt, auch erfolgreich behandelt werden können! Dabei ist entscheidend, dass das Wissen um Risikofaktoren, Warnsymptome und das richtige Vorgehen im Notfall möglichst nicht auf Ärzte beschränkt bleibt. Es kann jeden treffen, und dann ist schnelles Handeln oberstes Gebot!

 

Risikofaktoren erkennen

Dem Schlaganfall kann mit einfachen Mitteln vorgebeugt werden: Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren, die man kennen und ernst nehmen sollte, gehört zum einen ein erhöhter Blutdruck. Mit steigendem (oberem und unterem) Blutdruckwert steigt stetig auch das Schlaganfallrisiko. Einfache Kontrollen beim Hausarzt und gegebenenfalls die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten normalisieren das Risiko weitgehend. Zigarettenrauchen verdoppelt das Schlaganfallrisiko. Aufhören lohnt sich immer, denn schon nach zwei Jahren Abstinenz halbiert sich das erhöhte Risiko. Fragen Sie ihren Hausarzt nach Unterstützungsangeboten. Jeder 250ste Deutsche leidet unter Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, bei über 60 Jährigen sogar jeder 20ste. Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko fünffach, gerinnungshemmende Medikamente (z.B. Markumar®) reduzieren das Risiko massiv. Oft bestehen keine Beschwerden, der Hausarzt kann aber  Vorhofflimmern im „EKG“ (Elektrokardiogramm) einfach diagnostizieren. Weitere Risikofaktoren sind Diabetes, hohes Blutcholesterin, Übergewicht und Bewegungsmangel: Hier haben sich zur Vorbeugung regelmäßige körperliche Betätigung (3mal wöchentlich eine halbe Stunde reicht oft schon!) und „mediterrane“ Kost bewährt.

 

Kommt es trotzdem zu einem Schlaganfall, ist es von größter Bedeutung, dass man schlaganfallverdächtige Symptome sofort erkennt und richtig deutet. Typische Symptome sind halbseitige (also die rechte oder linke Körperhälfte betreffende) Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen. Auch ein plötzlich „hängender Mundwinkel“ kann Zeichen eines Schlaganfalls sein. Außerdem kann sich ein Schlaganfall durch Sprech- und Sprachstörungen, teilweise auch mit Unvermögen, Gesprochenes zu verstehen sowie durch plötzlich aufgetretene Sehstörungen wie Doppelbildersehen oder Sehverlust für eine Seite der Umgebung bemerkbar machen.

 

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall

Meist treten die Symptome plötzlich und ohne Schmerzen auf. Manchmal bilden sie sich auch schnell wieder zurück – man spricht dann von einer „TIA“ (für Transiente Ischämische Attacke). Eine TIA ist ein Warnsymptom für nachfolgende, bleibende Schlaganfälle und muss ebenfalls als Notfall behandelt werden!

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, der unverzüglich in einer Klinik, die über eine spezielle Schlaganfallwachstation verfügt, behandelt werden muss.  Eine solche „Stroke-Unit“ gibt es in Heidelberg in der Neurologischen Universitätsklinik  (Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg).

 

Im Falle eines Schlaganfalls gilt:

  • bei Verdacht den Rettungsdienst rufen!
  • (Rufnummern in Heidelberg Deutsches Rotes Kreuz 06221-19222
    oder allgemeiner Notruf 110 / 112)
  • keine  Umwege über Arztpraxis oder ärztlichen Notdienst!
  • wichtige Informationen bereithalten: Zeitpunkt des Auftretens der Symptome, Kontaktdaten  von Angehörigen, Medikamentenplan, wichtigste Vorerkrankungen

 

Im Krankenhaus erfolgt nach einer kurzen neurologischen Untersuchung eine Schnittbildgebung des Kopfes (Computertomographie), die alleine zwischen Hirnblutung und Hirninfarkt unterscheiden kann. Bei Durchblutungsstörung kann dann in vielen Fällen eine gerinnselauflösende Infusionstherapie helfen, die Folgen des Schlaganfalls zu mildern. Diese Therapie steht aber nur innerhalb eines engen Zeitfensters (meist 4 ½ Stunden)nach Symptombeginn zur Verfügung! Aber auch andere Patienten profitieren von der Behandlung auf speziell dafür ausgestatteten sog. „Stroke Units“, wo ein interdisziplinäres Team von Therapeuten zur Verfügung steht.

 

Kontakt:

Universitätsklinikum Heidelberg, Neurologische Klinik
Im Neuenheimer Feld 400
69 120 Heidelberg

Notfallambulanz Kopfklinik:  06221 / 56 – 7211
Stroke-Unit:  06221 / 56 - 7842    
Neurologische Normalambulanz:  06221 / 56 - 7510
(Achtung: Nicht bei Notfall anrufen)

 

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Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der „Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe“: www.schlaganfall-hilfe.de