Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

Nierentumorzentrum Heidelberg

Das medizinische Leistungsniveau im Bereich Diagnostik und Therapie der Nierentumore wurde während der letzten Jahre deutlich gesteigert. Im Falle eines Nierenkrebses (bösartiger Nierentumor, Nierenzellkarzinom) stehen heute die unterschiedlichsten Therapieverfahren zur Verfügung. Dies betrifft sowohl die lokale Behandlung eines Nierentumors, als auch die medikamentöse Systemtherapie bei fortgeschrittenen Tumoren.

Um Patienten mit Nierentumoren der unterschiedlichsten Stadien optimal beraten und behandeln zu können, ist am Universitätsklinikum Heidelberg der onkologische Schwerpunkt "Bösartige Nierentumore" etabliert. Das Nierentumorzentrum im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen führt gemeinsame Sprechstunden der beteiligten spezialisierten Ärzte, insbesondere von Urologie, Nephrologie, Onkologie, Radiologie und Anästhesie. Bei entsprechenden Fragestellungen wird dieser Kreis beispielsweise um Herzchirurgen und Radioonkologen erweitert. Wissenschaftlich kooperiert das Nierentumorzentrum Heidelberg eng mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

 

Früher wurden bösartige Nierentumore meist in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Die typischen Beschwerden der Patienten waren Schmerzen und Schwellung im Bereich der Flanke und Blut im Urin. Heute werden die meisten Tumore der Niere glücklicherweise zufällig durch eine Ultraschalluntersuchung entdeckt, die zum Beispiel während einer Vorsorgeuntersuchung durchgeführt wird. Damit ist nicht nur eine Heilung möglich. Oft kann sogar die betroffene Niere erhalten und nur der Tumor entfernt werden.

Nach der Ultraschalldiagnose eines Nierentumors wird mit modernen bildgebenden Untersuchungen die Art und Ausdehnung des Tumors bestimmt. Die meisten Nierentumore sind als sogenannte Nierenzellkarzinome bösartig. In fortgeschrittenen Stadien können sie lokal in Nachbarorgane und über das Blutgefäßsystem bis in das rechte Herz vorwachsen; Metastasen bilden sich u.a. in Lunge, Knochen und Gehirn. Davon abzugrenzen sind seltene bösartige Nierentumore (wie z.B. Sarkome), die Tumore des Nierenbeckens und gutartige Nierentumore wie Onkozytome und Angiomyolipome.


Die beste Behandlung eines bösartigen Nierentumors ist die operative Entfernung. Bei günstigen Voraussetzungen kann ein Tumor alternativ mit Radiofrequenzablation oder Kryotherapie entfernt werden.


Bei Tumoren, die auf die Niere beschränkt sind, ist in der Regel mit einer Operation die Behandlung abgeschlossen. Wichtig ist allerdings die sich anschließende lebenslange Tumornachsorge.


Auch bei organüberschreitenden und ggf. auch bei metastasierten Tumoren kann heute u.U. ebenfalls noch eine Heilung erreicht werden. Hierzu sind einerseits komplexe Verfahren notwendig, die ggf. interdisziplinär durchgeführt werden. Beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Herzchirurgie bei Tumoren, die den rechten Vorhof erreichen oder mit den Radioonkologen zur intraoperativen Bestrahlung.


Ein weiterer Schwerpunkt des Nierentumorzentrums Heidelberg ist die medikamentöse Systemtherapie. Während noch vor einigen Jahren kaum eine wirksame medikamentöse Therapie zur Verfügung stand, stellt sich heute eher das Problem unter vielen verschiedenen Präparaten das am besten geeignete zu wählen. Konsequente und kontinuierliche Auswertung von klinisch-wissenschaftlicher Literatur und Studienergebnissen sowie die eigene Durchführung von Studien sind die Voraussetzung eine medikamentöse Therapie optimal auf den Krankheitsverlauf abzustimmen.


Kontakt: 06221 56-8820

Fotostrecke NTZ  

 


Nierentumorenukleation, Nierenteilresektion

Erhalt der Niere bei Entfernung eines Nierentumors
Der Erhalt einer Niere bei gleichzeitiger Entfernung eines Nierentumors (Nierentumorenukleation, Nierenteilresektion) kann im Rahmen einer sogenannten "elektiven Indikationsstellung" oder "imperativen Indikationsstellung" erfolgen.
Unter einer elektiven Indikation versteht man die Entfernung eines Nierentumors unter Erhalt der Niere bei einer gesunden Niere auf der Gegenseite. "Elektiv" bedeutet also, daß die tumortragende Niere erhalten wird, obwohl sie theoretisch auch entfernt werden könnte, ohne daß der Patient dialysepflichtig wird.
Unter einer imperativen Indikation versteht man die Entfernung eines Nierentumors unter Erhalt der Niere bei einer kranken oder fehlenden Niere auf der Gegenseite. "Imperativ" bedeutet also, daß die tumortragende Niere nach Möglichkeit erhalten soll, weil der Patient sonst dialysepflichtig werden würde. mehr...

 


Tumornephrektomie

 

Entfernung einer tumortragenden Niere

Ist der Erhalt einer tumortragenden Niere aus pathologischen (Gefahr des Tumorrezidivs) und/oder funktionellen (Niere durch den Tumor komplett aufgebraucht) Gründen nicht sinnvoll, sollte die Niere komplett entfernt werden (Tumornephrektomie). An der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg werden hierzu minimal invasive (laparoskopische) oder offen chirurgische Techniken eingesetzt. mehr...


Nierentumore

Behandlung durch Vereisung

Durch die Verbreitung moderner Diagnoseverfahren wie der Ultraschalluntersuchung, der Computertomographie und dem MRT (Kernspintomographie) werden heutzutage Nierentumore bereits in frühen Stadien entdeckt. Vielen Patienten kann daher eine nierenerhaltende Therapie angeboten werden. Eines der schonendsten und minimalinvasivsten Verfahren zur Therapie bösartiger Nierentumore ist die Kryotherapie (Vereisungsbehandlung. Kandidaten für dieses Verfahren sind Patienten mit einer Tumorgröße unter 4 cm. Vor allem für Patienten mit anderen Begleiterkrankungen, die ansonsten ein erhöhtes Operationsrisiko (Nierenteilresektion) darstellen, hat die Urologische Universitätsklinik Heidelberg damit eine gute und validierte Therapie etabliert. mehr...


Mehr Sicherheit

Das "Heidelberger Tumornachsorgeprogramm"

Für den einzelnen Patienten ist nach der erfolgreichen Behandlung einer Krebserkrankung die konsequente Nachsorge mittels regelmäßiger Kontrolluntersuchungen sehr wichtig. Einerseits kann so ein Rückfall möglichst früh erkannt und therapiert werden. Andererseits können die behandelnden Ärzte aus einer großen Anzahl solcher Verlaufskontrollen neue Erkenntnisse über die Krankheit und die Effektivität der Behandlung gewinnen. Dieses Wissen kommt vor allem zukünftigen Patienten zugute, aber auch die aktuelle Therapie kann in Einzelfällen davon profitieren. mehr...

 


Neoadjuvante Behandlung des Nierenzellkarzinoms mit Sorafenib (Nexavar)

Die PREST-Studie

 

Hintergrundinformationen:
Die Mehrheit der Patienten mit Nierenkarzinom kann durch eine rechtzeitige Entfernung der tumortragenden Niere bzw. einer Tumorentfernung geheilt werden. Das Nierenkarzinom ist jedoch eine bösartige Erkrankung mit der Eigenschaft, frühzeitig und oft zunächst auch für die Ausbreitungsdiagnostik noch unbemerkt, Tochtergeschwülste auszubilden. Es liegt daher nahe, bei Patienten mit hohem Risiko des Voranschreitens des Nierenkarzinoms so früh wie möglich die Unterdrückung von Tumorwachstum und Metastasenbildung zu versuchen. Das kann mit Hilfe von Arzneimitteln realisiert werden, die bereits ihre Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien bei Bekämpfung von bereits ausgebildeten Metastasen gezeigt haben, beispielsweise mit dem Medikament Nexavar. Der antitumoralen Wirkung des Nexavar kann hierbei vermutlich sein wesentlicher Wirkmechanismus zugute kommen: die Hemmung von Faktoren (HIF-1 und HIF-2), die es dem Tumor ermöglichen neue Blutgefäße auszubilden und somit weiter zu wachsen. So soll eine Hemmung des Tumorwachstums erreicht werden. mehr...

 


ARISER- Studie

Phase III Studie zur Therapie des klarzelligen Nierenzellkarzinoms
Randomisierte Studie zur adjuvanten Therapie des klarzelligen Nierenzellkarzinoms mit dem Antikörper cG250 (ARISER- Studie) richtet sich an alle Patienten mit einem klarzelligen Nierenzellkarzinom, bei denen der Tumor operativ entfernt wurde und bei denen keine Fernabsiedelung (Metastasierung) des Tumors vorliegt. Aufgrund des vorliegenden Risikoprofils, welches sich während der Operation und in der nachfolgenden Feingewebsuntersuchung zeigt, besteht jedoch möglicherweise ein erhöhtes Risiko für ein Rezidiv (Neuauftreten) des Nierenzellkarzinoms. Ziel dieser randomisierten verblindeten Phase III Studie ist die Beurteilung der Wirksamkeit einer adjuvanten Therapie mit dem Antikörper cG250 (Rencarex®) im Vergleich zum Placebo, um ein mögliches Rezidiv des Tumors zu vermeiden. mehr ...