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Symptomatisches Pankreas divisum

Bei einem Pankreas divisum handelt es sich um eine Variante der Bauchspeicheldrüse, bei der beide Papillenarten vorkommen. Hervorgerufen wird diese Abweichung durch eine embryonale Entwicklungsstörung. Dabei verschmelzen die beiden Gangsysteme der Bauchspeicheldrüse nicht miteinander, was dazu führt, dass zwei in den Zwölffingerdarm mündende Gänge bestehen bleiben.

 

Die Folge davon: das Sekret der Bauchspeicheldrüse sickert hauptsächlich durch die kleinere Papille (Papilla duodeni minor) in den Zwölffingerdarm anstatt durch die größere. Grundsätzlich beeinträchtigt diese embryonale Anomalie nicht die Gesundheit eines Menschen. Schätzungsweise sieben Prozent aller Menschen leben mit einem Pankreas divisum. Bei etwa fünf Prozent der Patienten mit einem Pankreas divisum bestehen bei der kleineren Papille jedoch Abflussprobleme. Dadurch kann das Bauchspeicheldrüsensekret nicht mehr ungehindert abfließen, was zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) führen kann. Ist dies der Fall, spricht man von einem symptomatischen Pankreas divisum.

Symptome

Eine Abflussstörung der kleineren Papillen (Papilla duodeni minor) äußert sich oftmals durch unspezifische Symptome wie Gewichtsverlust oder Fieber. Fließt der Bauchspeicheldrüsen- oder Gallensaft nur noch zögerlich oder gar nicht mehr ab, kann dies zu heftigen Schmerzen, zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) oder zu einer Gelbsucht (Ikterus) führen.

 

Charakteristisch für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) sind starke Schmerzen im Oberbauch. Diese setzen plötzlich ein und halten für längere Zeit an. Sie strahlen bis in den Rücken aus, manchmal auch bis in den Brustkorb, und legen sich wie ein Gürtel um die Körpermitte. Zugleich können Übelkeit, Erbrechen und Blähungen auftreten. Bei manchen Betroffenen entwickelt sich sogar das Bild einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ist neben der Bauchspeicheldrüse auch der Gallengang beteiligt, kann eine Gelbsucht entstehen: Der Urin wird dunkel, der Stuhl entfärbt sich, die Haut sowie auch die Bindehaut der Augen färben sich grünlich-gelb.

Diagnostik

Besteht der Verdacht, dass ein Pankreas divisum der Auslöser für Ihre Beschwerden ist, liefern spezielle Untersuchungen eindeutige Bilder.

 

Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP)

Mit der Kernspinuntersuchung (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie, MRCP) lassen sich die Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge eingehend beurteilen. Erweist sich die Bildgebung als nicht ausreichend, kann durch die Gabe von Sekretin eine noch bessere Darstellung erreicht werden (Sekretin-Stimulations-MRCP). Sekretin ist spezieller Botenstoff, der die Produktion der Magensäure stoppt und die Bauchspeicheldrüse veranlasst, Sekret abzugeben. Damit können wir prüfen, wie gut die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) Verdauungssäfte produziert und in den Darm abgeben kann und ob sich nach der Sekretin-Gabe ein Aufstau im Bauchspeicheldrüsengang zeigt.

 

Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP)

Eine weitere Möglichkeit ist das Aufspüren der Pankreas Divisum mithilfe einer endoskopischen retrograden Cholangiopankreatikografie (ERCP). Bei diesem Verfahren können die Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge über eine Sonde direkt vor Ort beurteilt werden. Außerdem haben wir die Möglichkeit, Gewebematerial entnehmen und feingeweblich untersuchen zu lassen.

 

Beide Untersuchungsmethoden führen wir routiniert in unserem Interdisziplinären Endoskopie-Zentrum durch.

Therapie

Prinzipiell lässt sich ein symptomatisches Pankreas divisum endoskopisch oder mit einem chirurgischen Therapieansatz behandeln.

 

Endoskopische Therapie

Ist das Pankreas divisum Auslöser einer Entzündung, lässt sich die kleine Papille im Rahmen einer endoskopischen retrograden Cholangiopankreatikografie (ERCP) entfernen. Mithilfe eines kleinen Schnitts wird eine Durchtrennung der kleinen Papille mittels ERCP durchgeführt und ggf. ein Abflussrohr (Stent) eingelegt. Dieses muss in regelmäßigen Abständen (ca. alle 3 Monate) gewechselt werden. Dadurch kann das Drüsensekret wieder ungehindert abfließen.

 

Chirurgische Therapie

Um weiteren akuten Schüben vorzubeugen, lässt sich die Verengung der kleinen Papille chirurgisch isoliert entfernen und ein neuer Zugang mit einer größeren Öffnung einnähen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn noch keine Anzeichen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) bestehen.

 

Liegen bereits Hinweise auf eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung vor, ist in den meisten Fällen ein chirurgischer Eingriff nötig. Denn die operativen Verfahren bieten Aussicht auf Schmerzfreiheit. Dazu gehört unter anderem die duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion (DEPKR) oder die partielle Duodenopankreatektomie (Whipple-Operation). Im ersten Verfahren bleibt der Zwölffingerdarm erhalten und nur der Bauchspeicheldrüsenkopf wird entnommen. Bei der Whipple-Operation werden zusätzlich der Zwölffingerdarm und die Gallenblase entfernt. Hier bleibt der Magen erhalten. Daher sprechen Chirurgen auch von der magenerhaltenden Whipple-Operation. Bei beiden Verfahren achten unsere Chirurgen darauf, möglichst wenig Bauchspeicheldrüsengewebe zu entfernen.

FAQ

Welche Therapie ist für mich die richtige?

Die Therapie stimmen wir individuell auf jeden einzelnen Patienten ab. Wichtig dabei ist, dass Sie sich in unserem Pankreas-Zentrum vorstellen. Hier finden Sie erfahrene Spezialisten. Zunächst kann eine endoskopische Therapie initial versucht werden. Bleibt diese jedoch ohne langfristigen Erfolg, sollten wir die Möglichkeit einer Operation prüfen. (Link Europäisches Pankreas-Zentrum)

 

Muss ich in jedem Fall operiert werden?

Nein, einigen Patienten hilft bereits eine endoskopische Therapie, um beschwerdefrei zu werden.

 

Verschlimmern sich meine Beschwerden ohne eine Operation oder eine endoskopische Behandlung?

Nicht unbedingt. Manche haben nur vereinzelt Beschwerden, die sich gut mit Medikamenten behandeln lassen. Sobald Ihre Beschwerden gehäuft auftreten oder in der Intensität zunehmen, sollten Sie sich bei einem unserer Spezialisten vorstellen.

 

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer endoskopischen oder chirurgischen Therapie beschwerdefrei zu sein?

Etwa 30 Prozent der behandelten Patienten sind nach einer endoskopischen Therapie beschwerdefrei – vorausgesetzt, es liegt keine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung vor. Chirurgische Therapien, die in unserer Klinik durchgeführt wurden, erzielten bei den meisten Patienten eine vollkommene Beschwerdefreiheit.

Nachsorge

Sie wurden bei uns operiert?
Dann empfehlen wir Ihnen, sich nach der Operation zunächst alle drei Monate in unserer Pankreassprechstunde untersuchen zu lassen. Falls keine Probleme auftreten, können wir die Untersuchungsabstände auch verlängern. Sollten Beschwerden auftreten, klären wir Sie jederzeit über weitere Behandlungsformen und operative Verfahren auf, die Ihre persönliche Situation verbessern können.

 

Pankreassprechstunde

Tel: 06221 56-7807

Forschung

Aktuelle Forschungsliteratur in englischer Sprache bietet Ihnen ausführliche Informationen aus erster Hand:

Pancreas divisum: A differentiated surgical approach in symptomatic patients. Schneider L, Müller E, Hinz U, Grenacher L, Büchler MW, Werner J. World J Surg. 2011 Jun;35(6):1360-6.