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Patienteninformation

zu dem Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan und weitere wertvolle Tipps für eine gesunde Ernährung

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserer Forschungsarbeit zu dem Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan. Bevor wir Ihnen an dieser Stelle Informationen über Nahrungsmittel mit Sulforaphan und weitere interessante Fakten rund um das Thema Ernährung und Krebs zu Verfügung stellen, müssen wir Sie darauf hinweisen, dass wir die Wirksamkeit gegen die besonders aggressiven Tumorstammzellen des Bauchspeicheldrüsenkrebs erst in Laborversuchen zeigen konnten. Auch wenn die vorliegenden Ergebnisse vielversprechend sind, können Sie erst in die Behandlung von Krebspatienten überführt werden, wenn ausreichend Daten aus Studien mit Patienten vorliegen. Unabhängig von den erwarteten Studienergebnissen können Sie Sulforaphan über die tägliche Ernährung aufnehmen.

Kreuzblütlerpflanzen: Brokkoli und Blumenkohl sowie sämtliche weitere Kohlsorten, auch Sauerkraut, Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Meerrettich, Radieschen, Meerrettich, Raps und Senf

Prof. Dr. Ingrid Herr, Leiterin der Sektion Chirurgische Forschung

Die AG Molekulare OnkoChirurgie ist eine Einrichtung der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg. Weitere Informationen zu Sulforaphan finden Sie hier oder bei den folgenden Links:

 

Was ist Sulforaphan und in welchen Lebensmitteln kommt es vor?

Sulforaphan ist ein Inhaltsstoff, der in der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler vorkommt und dem bereits seit der Antike eine heilsame Wirkung nachgesagt wird. Zu den Kreuzblütlern zählen Brokkoli und Blumenkohl sowie sämtliche weiteren Kohlsorten, aber auch Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kohlrübe mit Rübstiel, Raps und Senf. Inzwischen hat man die wirksamen Substanzen dieser Pflanzen isoliert: Es handelt sich um Senfölglykoside, von denen mehr als 150 verschiedene bekannt sind und die in unterschiedlichen Mengen in den verschiedenen Kreuzblütlern vorkommen. Diese machen den scharfen Geschmack von Rettich, Meerrettich und Senf oder den teilweise bitteren Geschmack verschiedener Kohlsorten aus. Eines der bekanntesten und am besten untersuchten Senfölglykoside ist das Glukoraphan, das in die aktive Substanz Sulforaphan gespalten wird, welches wir in unseren experimentellen Studien angewendet haben.

 

Wie wirkt Sulforaphan gegen Tumorstammzellen?

Tumorstammzellmarker in der Fluoreszenzfärbung eines Gewebeschnittes eines duktalen Pankreaskarzinoms

Wir waren weltweit die ersten, die in Laborversuchen an Mäusen gezeigt haben, dass Sulforaphan die besonders aggressiven Tumorstammzellen angreift und diese dadurch für die Chemotherapie empfindlich macht. Wir vermuten, dass Tumorstammzellen – diese überleben eine herkömmliche Chemo- und Strahlentherapie für die Entstehung und Streuung von Krebs verantwortlich sind. Da die normalen Tumorzellen empfindlicher sind, sterben diese unter Therapie ab und die Geschwulst wird häufig kleiner, besonders während der ersten Therapiezyklen. Da aber die resistenten Tumorstammzellen übrig bleiben, können diese den Tumor erneut ausbilden. Wir sehen sogar, dass die Tumorstammzellen während wiederholter chemotherapeutischer Behandlungen angereichert werden und daher der Tumor nach mehreren Zyklen resistent geworden ist. Basierend auf unseren Labordaten wirkt eine sulforaphanreiche Ernährung der Anreicherung von Tumorstammzellen entgegen und könnte daher bei Patienten das Tumorwachstum verlangsamen und die Chemotherapie wirksamer machen.

Wie kann Sulforaphan aufgenommen werden?

Brokkolisprossen, die nach 24 h in Wasser zu keimen beginnen

Sulforaphan gibt es unseres Wissens nicht als Reinsubstanz in einem Medikament zu kaufen, kann jedoch über die Ernährung in therapeutisch wirksamen Dosen aufgenommen werden. Enthalten sind Sulforaphan und ähnlich-wirksame Senföle in Kreuzblütlerpflanzen. Dazu gehören Brokkoli und Blumenkohl sowie alle weiteren Kohlsorten, z.B. auch Sauerkraut, aber auch Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kohlrübe mit Rübstiel, Raps, Senf und Kapern (s.o.).

Inzwischen werden von vielen Herstellern Brokkolisamen oder gefriergetrocknete Brokkolisprossen als Pulver oder in Kapseln verpackt angeboten. Bitte beachten Sie, dass wir diese Produkte nicht testen und daher keine Auskunft geben können. Auch dürfen wir als Universität keine Werbung für ein bestimmtes Produkt machen. Bitte entscheiden Sie daher selbst und vergleichen Sie Preise und Inhaltsstoffe. 

In welcher Dosis sollte Sulforaphan aufgenommen werden?

Brokkoletti-Samen, zwei Teelöffel enthalten 80 bis 100 mg Sulforaphan (laut Analysezertifikat).

Aufgrund unserer Erfahrungen in den Laborversuchen empfehlen wir eine Dosis beim Menschen von 0,36 mg Sulforaphan pro kg Körpergewicht. Dies entspricht 25,2 mg Sulforaphan täglich für einen 70 kg schweren Menschen. Laufende Pilotstudien an Patienten verwenden 90 mg Sulforaphan täglich.

Leider gibt es keine klinischen Studien, die zeigen, welche Dosis am besten geeignet ist, um das Wachstum eines aggressiv wachsenden Bauchspeicheldrüsenkrebs beim Menschen zu hemmen. Epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass eine heilsame Dosis von Sulforaphan und verwandter Senföle über die normale Ernährung zugeführt werden kann, die reichlich Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler enthält.

Was ist bei der Aufnahme von Sulforaphan über Kohlgemüse und Brokkolisprossen zu beachten?

Frisch gepresster Saft aus Orange, Brokkoli und Äpfeln

Sulforaphan wird durch Hitze weitgehend zerstört, weshalb Sie Brokkoligemüse nur ganz leicht dünsten / dämpfen / in Fett abraten und noch knackig verzehren sollten. Sulforaphan löst sich aus der Pflanzenzelle in das Kochwasser, d.h., wenn man Brokkoli kocht, sollte das Kochwasser nicht verworfen, sondern zur Zubereitung einer Soße oder Suppe verwendet werden. Die Wirkung von Mikrowellen auf die Inhaltsstoffe von Brokkoli wird kontrovers diskutiert. Eine sehr gute Sulforaphan-Quelle können Brokkolisamen oder Brokkolisprossen sein, da diese je nach Sorte und Wachstumsbedingungen 10 bis 100mal so viel des Sulforaphanvorläufers Glucoraphan enthalten können.

Eigenzucht von Sprossen für Kräuterquark, Salat, Brotbelag

Sprossengeräte

Für die Eigenzucht von Sprossen eignen sich einfache Tonuntersetzer oder Sprossengläser. Dekorativer sieht ein Sprossenigel aus, den beispielsweise die Firma Römertopf anbietet. Sie müssen sich bei der Sprossenzucht nicht auf Brokkoli beschränken, sondern können auf sämtliche Mitglieder der Kreuzblütler zurückgreifen. Achtung: sollten die Sprossen beim Wachstum in Tonkeimern verderben, reinigen Sie die Tongefäße gut mit einer Spülbürste und klarem Wasser und desinfizieren Sie die Gefäße durch Erhitzung im Backofen für 45 Minuten bei 200°C. 

Nebenwirkungen von Brokkolisprossen

Brokkolicremesuppe mit Soyananda Sauerrahm aus fermentiertem Soya - nach dem Kochen können Brokkolisamen oder Brokkolisprossen als zusätzliche Sulforaphanquelle eingestreut werden.
Weißkohlkuchen mit Kümmel - zu erhitztem Kohl ein Radieschen, Rettich, Rucolasalat oder Kresse essen, damit Myrosinase zugeführt wird. Durch dieses Enzym werden die Vorläuferstoffe der Senföle in die aktive Form umgewandelt. Es ist in frischem Kreuzblütlergemüse vorhanden, geht aber beim Erhitzen kaputt. Die meisten Senföle liegen im Gemüse in ihrer inaktiven Vorstufe vor.

Kreuzblütlerpflanzen stellen scharf oder bitter schmeckende Senföle her um Schädlinge abzuwehren. Daher ist davon auszugehen, dass bei sehr hoher Dosierung toxische Effekte auftreten. Bei normalem Verzehr von Kreuzblütlergemüsen wurden bisher aber keine Nebenwirkungen beobachtet. Aus der Viehzucht weiß man, dass Rapskuchen, der zuviele Senföle enthält, das Vieh krank macht. Bei der Einnahme von Brokkolisamen oder Sprossen sollte man nicht überdosieren. Man weiß bisher lediglich, dass eine tägliche Sulforaphandosis von 90 mg über mehrere Wochen keine offensichtlichen Nebenwirkungen bei Patienten verursacht hat. Eine relativ harmlose Nebenwirkung von Kohl und auch von Brokkolisprossen sind Blähungen, die nach Schwefel riechen können, da dieser ein Bestandteil der Senföle ist. Kreuzblütlergemüse enthält aber auch viele Ballaststoffe und wirkt daher positiv auf die Verdauung. Zudem wirkt Sulforaphan indirekt antioxidativ. Bekannte Antioxidantien sind Vitamine und derzeit wird kritisch diskutiert, ob solche Substanzen die Wirkung einer Chemo- und Strahlentherapie abschwächen. Klare Daten hierzu gibt es nicht. In unseren in vivo Studien finden wir keine Abschwächung, sondern eine Verstärkung der Chemotherapie: verschiedene Zytostatika beseitigen Tumorxenografts besser, wenn Sulforaphan gleichzeitig gegeben wird. Dies sind Laborversuche, die vielversprechend sind, aber nicht nahtlos auf die Situation am Patienten übertragen werden können – auch hier sind langwierige und kostenintensive Patientenstudien notwendig.

Wurde Ihnen empfohlen, auf Kohl zu verzichten? So kommen Sie trotzdem in den Genuss der wertvollen Inhaltsstoffe

Pumpernickel-Brötchen belegt mit Avocadocreme, Humus und Meerrettich-Frischkäse, garniert mit Brokkolisprossen, Radieschen, Kresse und Radieschensprossen.

Ihnen wurde empfohlen, auf Hülsenfrüchte und Kohl zu verzichten, um Blähungen bei einer eingeschränkten Verdauung nach einer Whipple-OP oder einer anderen Operation des Verdauungstraktes zu vermeiden. Leider kommen Sie dadurch nicht in den Genuss der wertvollen Inhaltsstoffe. Auch die blähenden Ballaststoffe sind wichtig für die Darmgesundheit. Ich empfehle Ihnen einen für Sie verträglichen Mittelweg zu testen.

Anbei einige Tipps:

  • Brokkoli und Blumenkohl sind gut verdaulich, wenn man nur die Röschen, aber nicht den Stiel isst.
  • Spitzkohl macht keine Blähungen.
  • Blähende Kohlsorten lange kochen, damit sie verdaulicher werden – zu gekochtem Kohl immer gleichzeitig einen frischen Kreuzblütler essen (Radieschen, Kresse, Rucola, Senf, Rapsöl), damit die inaktiven Vorläuferstoffe aktiviert werden.
  • Kohl zusammen mit Kümmel oder Fenchel zubereiten, das entspannt die Darmmuskulatur und macht Blähungen leichter verträglich.
  • Kleinere Portionen mehrmals über den Tag verteilt sind leichter verdaulich.

Weitere bioaktive Stoffe gegen Tumorstammzellen

In diesen Nahrungsmittel hat man Stoffe gegen Tumorstammzellen nachgewiesen.

Wir konnten inzwischen nachweisen, dass noch ein weiterer Stoff aus Brokkoli, das Polyphenol Quercetin, ebenfalls pankreatische Tumorstammzellen angreift und damit die Wirkung von Sulforaphan ergänzt. Quercetin findet sich in vielen weiteren Obst- und Gemüsesorten, darunter Zitrusfrüchte, Äpfel, Zwiebeln, Beeren, Petersilie, Salbei, Trauben, Olivenöl sowie in grünem und schwarzem Tee. Ebenso konnte Triptolid, eine Substanz die in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet wird, die Tumorstammzellen angreifen. Ein gemeinsamer Mechanismus über den Sulforaphan, Quercetin und Triptolid Tumorstammzellen attackieren ist ihre entzündungshemmende Wirkung über den Faktor NF-kB. Auf gleiche Weise wirkt übrigens Aspirin, das aus der Salicinsäure der Weidenrinde entwickelt wurde. Unsere jüngsten Forschungsdaten zeigen, dass Aspirin tatsächlich auch sehr effektiv die Tumorstammzellen des Pankreaskarzinoms angreift. Weltweite Forschungsteams haben nun entdeckt, dass noch viele weitere Pflanzen Inhaltsstoffe gegen Tumorstammzellen enthalten. Nachgewiesen hat man solche Stoffe bisher in Hülsenfrüchten (Genistein aus Sojabohnen), Curcuma (Curcumin, enthalten z.B. in Curry), Tomaten (Lycopen), Weintrauben, Beeren, Pflaumen und Erdnüssen (Resveratrol, z.B. auch in Rotwein), schwarzem Pfeffer (Piperin), grünem Tee (EGCG), Fisch, Eigelb und Lebertran (Vitamin D). Bei Vitamin D ist zu beachten, dass nur etwa 10 Prozent mit der Nahrung zugeführt werden und die restlichen 90 Prozent über Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet werden. Sicherlich werden sich in nächster Zeit noch mehr Nahrungsinhaltsstoffe mit Wirkung gegen Tumorstammzellen finden, jedoch ist hierzu noch intensive Forschungsarbeit notwendig.

Allgemein gilt: Wichtig zur Aufnahme einer breitgefächerten Wirkstoffmischung gegen Tumorstammzellen ist eine ausgewogene, überwiegend pflanzliche Ernährung mit hohem Rohkostanteil. Tägliche Bewegung im Freien für mindestens 30 Minuten ist wichtig, um die Vitamin D Speicher zu füllen, für einen gesunden Stressausgleich und sorgt für gute Laune. 

Wie kann man das Immunsystem noch weiter stärken?

Küchengeräte für die gesunde Ernährung: Mixer für frische Smoothies, Raspelmaschine für Rohkostsalate, Dampfgarer für die schonende Zubereitung von Gemüse und ein Entsafter für frische Obst- und Gemüsesäfte.

Viel für Ihr Immunsystem getan haben Sie bereits, wenn Sie morgens einen frisch im Entsafter oder Mixer zubereiteten Gemüsesaft oder grünen Smoothie zu sich nehmen und dafür auf das weit verbreitete Frühstück mit Kaffee, Brot, Kuchen, Butter, Wurst, Ei und Marmelade verzichten.

Für den Gemüsesaft verwenden Sie z.B. Äpfel, Birnen, rote Beete, Karotten, Pastinaken, Brokkoli, Kohlrabi oder andere Kohlgemüse.

Für den Smoothie eignen sich selbst gesammelte Wildkräuter (z.B. Brennessel, junger Löwenzahn, Klee, Spitzwegerich, Butterblume, junger Sauerampfer, Gundermann, Gänseblümchen, Knoblauchsrauke, Schafgarbe, Springkraut/Blüten, Blätter und Früchte von Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren…), Brokkolisprossen, Salat, Leinöl, Walnussöl und Avocado.

Viele Variationen und Mischungen zwischen Gemüsesaft und Smoothie sind möglich. Bei der Zubereitung des Smoothies mit selbst-gesammelten Wildkräutern schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie haben Bewegung an der frischen Luft (Vitamin D, Stressausgleich, Anti-Depressiv) und Ihr Körper bekommt konzentrierte bioaktive Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien zur Stärkung der Abwehrkräfte.

Was Sie vermeiden sollten

Aufgrund unserer eigenen Forschungsdaten und Empfehlungen führender Institutionen für Krebs, Lebensstil und Ernährung (z.B. AICR) empfehlen wir Ihnen zur Prävention und zur Vermeidung der Progression von Krebserkrankungen: 

Vermeidung von: 

  • Übergewicht, zu viel essen.
  • Zucker und Weißmehlprodukten, rotes Fleisch und Wurst.
  • Schadstoffen (z.B. Alkohol, Nikotin, zu viel Koffein, Salz, gegrilltes, gebratenes, frittiertes, gepökeltes oder stark erhitztes Essen).
  • Umweltgiften (z.B. in Kosmetika, Putzmittel, Strahlung, belastetes Baumaterial in der Wohnung).
  • negativem Stress, Kummer, Sorgen, Unzufriedenheit, Depressionen. 

Essen Sie täglich: 

Obst das nicht süß ist, Salat, Rohkost, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Soja), Kreuzblütlergemüse (Brokkoli, Blumenkohl, sonstigen Kohl, Rucola-Salat, Kresse, Radieschen, Rettich, Meerrettich, Kohlrübe, Rübstiel, Raps, z.B. als Rapsöl, Senf....), Zwiebeln, Lauch, Vollkornprodukte, Pfeffer, Paprika, Tomate, Kurkuma. Das Gemüse sollte frisch zubereitet werden - am besten gedämpft oder kurz knackig angebraten, damit die Pflanzenstoffe aktiv bleiben.

Essen Sie selten oder überhaupt nicht: 

Fleisch, Wurst, Käse, Milchprodukte, süßes Obst, Nudeln, Kartoffeln, weißen Reis, Weißbrot, Kuchen und Süßigkeiten. 

Wenn Sie durch die Krebserkrankung stark an Gewicht verlieren, achten Sie auf eine ausreichende Kalorienzufuhr: 

Sehr nahrhaft sind Nüsse und Avocado und gesunde pflanzliche Öle mit viel Omega-3 Fettsäuren (insbesondere frisches Lein-, Walnuss-, Leindotter- und Rapsöl), sehr lecker sind Cashew oder Mandelmus. Hochwertiges und frisches Öl bekommen Sie bei Ölmühlen. Zu vermeiden ist eine Kalorienzufuhr durch Zucker - auch die Fette sollten überwiegend pflanzlicher Natur und ungesättigt sein.

Antworten auf häufige Fragen: 

  • Kartoffelstärke und Reisstärke werden vom Körper schnell zu Zucker gespalten und lassen den Blutzucker schnell steigen. Je weniger Kartoffeln verarbeitet sind, desto niedriger ist der glykämische Index. Bei Pommes Frites, Chips und Instant-Kartoffelbrei geht der Blutzucker schneller in die Höhe als bei Pellkartoffeln. 
  • Süßes Obst erkennt man leicht am süßen Geschmack. Zu süßem Obst zählen beispielsweise Bananen und reifes Obst - auch süße Trauben. 
  • Weitere Informationen erhalten Sie in der Literatur über kohlenhydratarme Diäten oder von einer Ernährungsberaterin. 

Weitere Tipps finden Sie in unserem Flyer

Viele Hinweise deuten darauf hin, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung und rotes Fleisch die Tumorentstehung und deren Voranschreiten begünstigt.

Ergebnisse der Heidelberger Pilotstudie bei Patienten: Brokkolisprossen begleitend beim Pankreaskarzinom

Gefriergetrockneter Brokkolisprossenschrot in Kapseln verpackt. In der Heidelberger Powder-Study nehmen die Patienten 15 Kapseln täglich (90 mg Sulforaphan) begleitend zur Chemotherapie.

Lange wurden die Daten erwartet, jetzt wurden sie am 27. Juni 2019 in der internationalen Fachzeitschrift Investigational New Drugs publiziert. Vierzig Patienten mit einem nicht-operablen, duktalen Pankreas-Adenokarzinom nahmen täglich 15 Kapseln mit Brokkolisprossen oder einem unwirksamen Placebo ein - zusätzlich zu ihrer Chemotherapie. Patienten der Wirkstoffgruppe überlebten im Schnitt länger, jedoch ohne statistische Aussagekraft, was bei der geringen Patientenzahl auch nicht erwartet werden konnte.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine aggressive, bösartige Erkrankung. Nur wenige Patienten kommen für die potentiell heilende Operation in Frage, weil schon früh Metastasen auftreten. Beim nicht operablen Pankreaskarzinom kann die Chemotherapie FOLFIRINOX oder nab-Paclitaxel plus Gemcitabin lebensverlängernd wirken.

Regelmäßiger Kohlverzehr senkt laut einigen Bevölkerungsstudien das Krebsrisiko, was auch für Bauchspeicheldrüsenkrebs gezeigt wurde. Verantwortlich werden schwefelhaltige Glucosinolate gemacht, die in der gesamten Pflanzenfamilie der Brassicaceae vorkommen. Dazu zählen nicht nur Brokkoli und Blumenkohl, sondern sämtliche Kohlsorten, Kresse, Rucola, Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kapern, Raps (-öl) und Senf. Am besten untersucht ist das Brokkoli-Glucosinolat Glucoraphan, welches in den aktiven Wirkstoff Sulforaphan umgesetzt wird. Sulforaphan besitzt antimikrobielle, entzündungshemmende, antioxidative und entgiftende Eigenschaften und greift Tumorstammzellen des Pankreaskarzinoms an, wie in experimentellen Untersuchungen gezeigt wurde.

In der Heidelberger Brokkolistudie nahmen 29 Patienten Brokkolisprossen und 11 Patienten ein Placebo ein. Die Patientendaten wurden bis zu einem Jahr ausgewertet. Die Brokkolisprossenkapseln enthielten 90 mg (508 µmol) Sulforaphan, zusätzlich zu 180 mg (411 µmol) des Vorläuferstoffs Glucoraphan. Im Vergleich zur Placebogruppe war die rechnerisch ermittelte „durchschnittliche Sterblichkeitsrate“ während der ersten 6 Monate in der Brokkoligruppe niedriger (Tag 30: 0%/18%, Tag 90: 0%/25%, Tag 180: 25%/43%), und die Kaplan-Meier Überlebensanalyse zeigte ein höheres Überleben. Diese Daten sind statistisch gesehen nicht aussagekräftig (p = 0,291 für den Endpunkt am Tag 180) und könnten prinzipiell Zufall sein. Die vorliegenden Zahlen sind jedoch als positiver Effekt zu verzeichnen, denn es hätte ja auch andersherum sein können. Die hohe vorzeitige Abbruchquote seitens der Patienten (72% in der Brokkolisprossengruppe und 55% in der Placebogruppe) zeigt, dass die Einnahme von 15 Kapseln täglich eine hohe Hürde darstellt. Dies mag zum einen an der Verstärkung von Verdauungsbeschwerden durch Brokkolisprossen, zum anderen an der teilweise rapiden Verschlechterung der Erkrankung liegen. Auswirkungen der Sprossen auf die Lebensqualität nach der Skala des Karnofsy-Index wurden nicht beobachtet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ergebnisse der Pilotstudie vielversprechend sind. Sie sprechen für die Entwicklung eines Sulforaphan- Medikaments für weiterführende Studien. 

Die Durchführung dieser Pilotstudie wurde durch eine Förderung der Heidelberger Stiftung Chirurgie und einer Spende von Herrn Deiters (Deiters & Florin) ermöglicht.

 

Patienten-Pilotstudien mit Brokkolisprossen bei Prostatakarzinom und atypischen Muttermalen

Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Eine klinische Pilotstudie mit sulforaphanreichen Brokkolisprossenextrakten bei 20 Männern mit rezidivierendem Prostatakrebs wurde an der Oregon Health and Science University (OHSU) und am OHSU Knight Cancer Institute in Portland, Oregon, USA, durchgeführt. Eine tägliche Dosis von 200 µmol (88 mg) Sulforaphan aus Brokkolisprossenextrakten wurde 20 Wochen lang verabreicht. Der Effekt auf die PSA-Spiegel wurde bestimmt: Ein Patient hatte einen PSA-Abfall von ≥ 50% und 7 Patienten hatten geringere PSA-Rückgänge, die <50% waren. Während der Einnahme von Sulforaphan verlängerte sich die PSA-Verdopplungszeit bei allen 20 Patienten signifikant, mit einem Durchschnitt von 9,6 Monaten im Vergleich zu 6,1 Monaten ohne Einnahme von Sulforaphan. Die sulforaphanreichen Extrakte wurden als sicher eingestuft, da keine unerwünschten Ereignisse 3. Grades auftraten. Die Halbwertszeit von Sulforaphan im Blut betrug 2 bis 5,5 Stunden. Diese Daten wecken Hoffnung, obwohl es nur eine Pilotstudie ist, deren Daten nun mit einer größeren Patientenanzahl bestätigt werden müssen. Die Originalpublikation finden Sie hier

Hautkrebs-Vorbeugung:  Eine Studie von Tahata et al. 2018 bewertete vergleichbare Brokkolisprossenextrakte bei 17 Patienten mit atypischen Nävi, also potentielle Vorstufen des malignen Melanoms. Die Patienten erhielten 28 Tage lang 50, 100 oder 200 µmol (88 mg) Sulforaphan. Alle Patienten beendeten diese Studie und hatten keine dosislimitierenden Toxizitäten. Nach der Verabreichung stiegen die Sulforaphanwerte im Blut dosisabhängig an. Darüber hinaus sanken die proinflammatorischen Zytokine, was ein gutes Zeichen ist. Gleichzeitig stieg der Tumorsuppressor Decorin an. Diese Daten weisen darauf hin, dass Sulforaphan präventiv gegen Hautkrebs wirken könnte. Die Originalpublikation finden Sie hier. 

 

Sie benötigen Ärztliche Beratung, eine Behandlung oder eine Zweitmeinung?

Wir sind Grundlagenforscher und informieren Sie gerne über neue Erkenntnisse der Wissenschaft. Wir sind jedoch keine Ärzte und dürfen daher keine Empfehlungen zu Ihrer schulmedizinischen Behandlung geben. Falls Sie ärztliche Hilfe benötigen oder eine Zweitmeinung wünschen, stehen Ihnen u.a. folgende Anlaufadressen zu Verfügung:

Europäisches Pankreaszentrum am Universitätsklinikum Heidelberg 

Onkologie-Sprechstunde (Leber-, Magen-, Darmtumore) am Universitätsklinikum Heidelberg

Für Patienten mit Tumorerkrankungen (Leber, Magen, Darm) findet an fünf Tagen in der Woche eine interdisziplinare Sprechstunde zusammen mit den Kollegen der internistischen Onkologie statt. Gemeinsam werden Patienten betreut, bei denen ein multimodales Behandlungskonzept geplant ist.

Teilweise findet die onkologische Sprechstunde im Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg statt.

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

Im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen NCT, getragen von Universitätsklinikum Heidelberg, Deutschem Krebsforschungszentrum DKFZ und Deutscher Krebshilfe, werden Tumorerkrankungen auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung behandelt. Wesentlicher Teil des Behandlungskonzepts sind fächerübergreifende Tumorboards, in denen Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten gemeinsam überlegen, welche Therapie für den Patienten am besten in Frage kommt. Etabliert hat sich das NCT auch als Zweitmeinungszentrum.

Terminvergabe NCT

NCT-Homepage

Literaturempfehlungen

Spitzkohl, dazu Paprika gefüllt mit Vollkorn-Bratling, gekocht in Tomatensoße mit Soyahack.
  • Krebszellen mögen keine Himbeeren. Nahrungsmittel gegen Krebs, von Prof. Dr. med. R. Beliveau, Dr. med. Denis Gingras. Kösel Verlag, broschiert - 19. September 2008, EUR 12,95.
  • Gesund mit Rotwein, Lachs, Schokolade & Co.: Die neue Präventionsernährung - Vorbeugen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Alzheimer - Bewusst essen, lustvoll leben, von Prof. Dr. med. Richard Beliveau, Dr. med. Denis Gingras, Hanna van Laak. Kösel Verlag, broschiert - 17.01.2011, EUR 21,99.
  • Das Antikrebs-Buch: Was uns schützt: Vorbeugen und Nachsorgen mit natürlichen Mitteln, von David Servan-Schreiber, Goldmann Verlag 
01. März 2010, Taschenbuch, EUR 9,95
.
  • Die Neue Medizin der Emotionen: Stress, Angst, Depression: Gesund werde ohne Medikamente, von David Servan-Schreiber. Goldmann Verlag, Taschenbuch, EUR 9,95.
  • Krebs - Schicksal oder Zivilisationskrankheit?  von A. Vogel., 1. Auflage 1987. Teufen Verlag. EUR 23,65.
  • Vegan for Fit. Die Attila Hildmann 30-Tage-Challenge, von Attila Hildmann. Becker Joest Volk Verlag. Gebundene Ausgabe, EUR 29,95.