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Patienteninformation

zu dem Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan und weitere wertvolle Tipps für eine gesunde Ernährung

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserer Forschungsarbeit zu dem Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan. Bevor wir Ihnen an dieser Stelle Informationen über Nahrungsmittel mit Sulforaphan und weitere interessante Fakten rund um das Thema Ernährung und Krebs zu Verfügung stellen, müssen wir Sie darauf hinweisen, dass wir die Wirksamkeit gegen die besonders aggressiven Tumorstammzellen des Bauchspeicheldrüsenkrebs erst in Laborversuchen zeigen konnten. Auch wenn die vorliegenden Ergebnisse vielversprechend sind, können Sie erst in die Behandlung von Krebspatienten überführt werden, wenn ausreichend Daten aus Studien mit Patienten vorliegen. Unabhängig von den erwarteten Studienergebnissen können Sie Sulforaphan über die tägliche Ernährung aufnehmen.

Kreuzblütlerpflanzen: Brokkoli und Blumenkohl sowie sämtliche weitere Kohlsorten, auch Sauerkraut, Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Meerrettich, Radieschen, Meerrettich, Raps und Senf

Prof. Dr. Ingrid Herr, Leiterin der Sektion Chirurgische Forschung

Die AG Molekulare OnkoChirurgie ist eine Einrichtung der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg. Weitere Informationen zu Sulforaphan finden Sie hier oder bei den folgenden Links:

 

Was ist Sulforaphan und in welchen Lebensmitteln kommt es vor?

Sulforaphan ist ein Inhaltsstoff, der in der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler vorkommt und dem bereits seit der Antike eine heilsame Wirkung nachgesagt wird. Zu den Kreuzblütlern zählen Brokkoli und Blumenkohl sowie sämtliche weiteren Kohlsorten, aber auch Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kohlrübe mit Rübstiel, Raps und Senf. Inzwischen hat man die wirksamen Substanzen dieser Pflanzen isoliert: Es handelt sich um Senfölglykoside, von denen mehr als 150 verschiedene bekannt sind und die in unterschiedlichen Mengen in den verschiedenen Kreuzblütlern vorkommen. Diese machen den scharfen Geschmack von Rettich, Meerrettich und Senf oder den teilweise bitteren Geschmack verschiedener Kohlsorten aus. Eines der bekanntesten und am besten untersuchten Senfölglykoside ist das Glukoraphan, das in die aktive Substanz Sulforaphan gespalten wird, welches wir in unseren experimentellen Studien angewendet haben.

 

Wie wirkt Sulforaphan gegen Tumorstammzellen?

Tumorstammzellmarker in der Fluoreszenzfärbung eines Gewebeschnittes eines duktalen Pankreaskarzinoms

Wir waren weltweit die ersten, die in Laborversuchen an Mäusen gezeigt haben, dass Sulforaphan die besonders aggressiven Tumorstammzellen angreift und diese dadurch für die Chemotherapie empfindlich macht. Wir vermuten, dass Tumorstammzellen – diese überleben eine herkömmliche Chemo- und Strahlentherapie für die Entstehung und Streuung von Krebs verantwortlich sind. Da die normalen Tumorzellen empfindlicher sind, sterben diese unter Therapie ab und die Geschwulst wird häufig kleiner, besonders während der ersten Therapiezyklen. Da aber die resistenten Tumorstammzellen übrig bleiben, können diese den Tumor erneut ausbilden. Wir sehen sogar, dass die Tumorstammzellen während wiederholter chemotherapeutischer Behandlungen angereichert werden und daher der Tumor nach mehreren Zyklen resistent geworden ist. Basierend auf unseren Labordaten wirkt eine sulforaphanreiche Ernährung der Anreicherung von Tumorstammzellen entgegen und könnte daher bei Patienten das Tumorwachstum verlangsamen und die Chemotherapie wirksamer machen.

Wie kann Sulforaphan aufgenommen werden?

Brokkolisprossen, die nach 24 h in Wasser zu keimen beginnen

Sulforaphan gibt es unseres Wissens nicht als Reinsubstanz in einem Medikament zu kaufen, kann jedoch über die Ernährung in therapeutisch wirksamen Dosen aufgenommen werden. Enthalten sind Sulforaphan und ähnlich-wirksame Senföle in Kreuzblütlerpflanzen. Dazu gehören Brokkoli und Blumenkohl sowie alle weiteren Kohlsorten, z.B. auch Sauerkraut, aber auch Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kohlrübe mit Rübstiel, Raps, Senf und Kapern (s.o.).

Inzwischen werden von vielen Herstellern Brokkolisamen oder gefriergetrocknete Brokkolisprossen als Pulver oder in Kapseln verpackt angeboten. Bitte beachten Sie, dass wir diese Produkte nicht testen und daher keine Auskunft geben können. Auch dürfen wir als Universität keine Werbung für ein bestimmtes Produkt machen. Bitte entscheiden Sie daher selbst und vergleichen Sie Preise und Inhaltsstoffe. 

In welcher Dosis sollte Sulforaphan aufgenommen werden?

Brokkoletti-Samen, zwei Teelöffel enthalten 80 bis 100 mg Sulforaphan (laut Analysezertifikat).

Aufgrund unserer Erfahrungen in den Laborversuchen empfehlen wir eine Dosis beim Menschen von 0,36 mg Sulforaphan pro kg Körpergewicht. Dies entspricht 25,2 mg Sulforaphan täglich für einen 70 kg schweren Menschen. Laufende Pilotstudien an Patienten verwenden 90 mg Sulforaphan täglich.

Leider gibt es keine klinischen Studien, die zeigen, welche Dosis am besten geeignet ist, um das Wachstum eines aggressiv wachsenden Bauchspeicheldrüsenkrebs beim Menschen zu hemmen. Epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass eine heilsame Dosis von Sulforaphan und verwandter Senföle über die normale Ernährung zugeführt werden kann, die reichlich Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler enthält.

Was ist bei der Aufnahme von Sulforaphan über Kohlgemüse und Brokkolisprossen zu beachten?

Frisch gepresster Saft aus Orange, Brokkoli und Äpfeln

Sulforaphan wird durch Hitze weitgehend zerstört, weshalb Sie Brokkoligemüse nur ganz leicht dünsten / dämpfen / in Fett abraten und noch knackig verzehren sollten. Sulforaphan löst sich aus der Pflanzenzelle in das Kochwasser, d.h., wenn man Brokkoli kocht, sollte das Kochwasser nicht verworfen, sondern zur Zubereitung einer Soße oder Suppe verwendet werden. Die Wirkung von Mikrowellen auf die Inhaltsstoffe von Brokkoli wird kontrovers diskutiert. Eine sehr gute Sulforaphan-Quelle können Brokkolisamen oder Brokkolisprossen sein, da diese je nach Sorte und Wachstumsbedingungen 10 bis 100mal so viel des Sulforaphanvorläufers Glucoraphan enthalten können.

Eigenzucht von Sprossen für Kräuterquark, Salat, Brotbelag

Sprossengeräte

Für die Eigenzucht von Sprossen eignen sich einfache Tonuntersetzer oder Sprossengläser. Dekorativer sieht ein Sprossenigel aus, den beispielsweise die Firma Römertopf anbietet. Sie müssen sich bei der Sprossenzucht nicht auf Brokkoli beschränken, sondern können auf sämtliche Mitglieder der Kreuzblütler zurückgreifen. Achtung: sollten die Sprossen beim Wachstum in Tonkeimern verderben, reinigen Sie die Tongefäße gut mit einer Spülbürste und klarem Wasser und desinfizieren Sie die Gefäße durch Erhitzung im Backofen für 45 Minuten bei 200°C. 

Nebenwirkungen von Brokkolisprossen

Brokkolicremesuppe mit Soyananda Sauerrahm aus fermentiertem Soya - nach dem Kochen können Brokkolisamen oder Brokkolisprossen als zusätzliche Sulforaphanquelle eingestreut werden.
Weißkohlkuchen mit Kümmel - zu erhitztem Kohl ein Radieschen, Rettich, Rucolasalat oder Kresse essen, damit Myrosinase zugeführt wird. Durch dieses Enzym werden die Vorläuferstoffe der Senföle in die aktive Form umgewandelt. Es ist in frischem Kreuzblütlergemüse vorhanden, geht aber beim Erhitzen kaputt. Die meisten Senföle liegen im Gemüse in ihrer inaktiven Vorstufe vor.

Kreuzblütlerpflanzen stellen scharf oder bitter schmeckende Senföle her um Schädlinge abzuwehren. Daher ist davon auszugehen, dass bei sehr hoher Dosierung toxische Effekte auftreten. Bei normalem Verzehr von Kreuzblütlergemüsen wurden bisher aber keine Nebenwirkungen beobachtet. Aus der Viehzucht weiß man, dass Rapskuchen, der zuviele Senföle enthält, das Vieh krank macht. Bei der Einnahme von Brokkolisamen oder Sprossen sollte man nicht überdosieren. Man weiß bisher lediglich, dass eine tägliche Sulforaphandosis von 90 mg über mehrere Wochen keine offensichtlichen Nebenwirkungen bei Patienten verursacht hat. Eine relativ harmlose Nebenwirkung von Kohl und auch von Brokkolisprossen sind Blähungen, die nach Schwefel riechen können, da dieser ein Bestandteil der Senföle ist. Kreuzblütlergemüse enthält aber auch viele Ballaststoffe und wirkt daher positiv auf die Verdauung. Zudem wirkt Sulforaphan indirekt antioxidativ. Bekannte Antioxidantien sind Vitamine und derzeit wird kritisch diskutiert, ob solche Substanzen die Wirkung einer Chemo- und Strahlentherapie abschwächen. Klare Daten hierzu gibt es nicht. In unseren in vivo Studien finden wir keine Abschwächung, sondern eine Verstärkung der Chemotherapie: verschiedene Zytostatika beseitigen Tumorxenografts besser, wenn Sulforaphan gleichzeitig gegeben wird. Dies sind Laborversuche, die vielversprechend sind, aber nicht nahtlos auf die Situation am Patienten übertragen werden können – auch hier sind langwierige und kostenintensive Patientenstudien notwendig.

Wurde Ihnen empfohlen, auf Kohl zu verzichten? So kommen Sie trotzdem in den Genuss der wertvollen Inhaltsstoffe

Pumpernickel-Brötchen belegt mit Avocadocreme, Humus und Meerrettich-Frischkäse, garniert mit Brokkolisprossen, Radieschen, Kresse und Radieschensprossen.

Ihnen wurde empfohlen, auf Hülsenfrüchte und Kohl zu verzichten, um Blähungen bei einer eingeschränkten Verdauung nach einer Whipple-OP oder einer anderen Operation des Verdauungstraktes zu vermeiden. Leider kommen Sie dadurch nicht in den Genuss der wertvollen Inhaltsstoffe. Auch die blähenden Ballaststoffe sind wichtig für die Darmgesundheit. Ich empfehle Ihnen einen für Sie verträglichen Mittelweg zu testen.

Anbei einige Tipps:

  • Brokkoli und Blumenkohl sind gut verdaulich, wenn man nur die Röschen, aber nicht den Stiel isst.
  • Spitzkohl macht keine Blähungen.
  • Blähende Kohlsorten lange kochen, damit sie verdaulicher werden – zu gekochtem Kohl immer gleichzeitig einen frischen Kreuzblütler essen (Radieschen, Kresse, Rucola, Senf, Rapsöl), damit die inaktiven Vorläuferstoffe aktiviert werden.
  • Kohl zusammen mit Kümmel oder Fenchel zubereiten, das entspannt die Darmmuskulatur und macht Blähungen leichter verträglich.
  • Kleinere Portionen mehrmals über den Tag verteilt sind leichter verdaulich.

Weitere bioaktive Stoffe gegen Tumorstammzellen

In diesen Nahrungsmittel hat man Stoffe gegen Tumorstammzellen nachgewiesen.

Wir konnten inzwischen nachweisen, dass noch ein weiterer Stoff aus Brokkoli, das Polyphenol Quercetin, ebenfalls pankreatische Tumorstammzellen angreift und damit die Wirkung von Sulforaphan ergänzt. Quercetin findet sich in vielen weiteren Obst- und Gemüsesorten, darunter Zitrusfrüchte, Äpfel, Zwiebeln, Beeren, Petersilie, Salbei, Trauben, Olivenöl sowie in grünem und schwarzem Tee. Ebenso konnte Triptolid, eine Substanz die in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet wird, die Tumorstammzellen angreifen. Ein gemeinsamer Mechanismus über den Sulforaphan, Quercetin und Triptolid Tumorstammzellen attackieren ist ihre entzündungshemmende Wirkung über den Faktor NF-kB. Auf gleiche Weise wirkt übrigens Aspirin, das aus der Salicinsäure der Weidenrinde entwickelt wurde. Unsere jüngsten Forschungsdaten zeigen, dass Aspirin tatsächlich auch sehr effektiv die Tumorstammzellen des Pankreaskarzinoms angreift. Weltweite Forschungsteams haben nun entdeckt, dass noch viele weitere Pflanzen Inhaltsstoffe gegen Tumorstammzellen enthalten. Nachgewiesen hat man solche Stoffe bisher in Hülsenfrüchten (Genistein aus Sojabohnen), Curcuma (Curcumin, enthalten z.B. in Curry), Tomaten (Lycopen), Weintrauben, Beeren, Pflaumen und Erdnüssen (Resveratrol, z.B. auch in Rotwein), schwarzem Pfeffer (Piperin), grünem Tee (EGCG), Fisch, Eigelb und Lebertran (Vitamin D). Bei Vitamin D ist zu beachten, dass nur etwa 10 Prozent mit der Nahrung zugeführt werden und die restlichen 90 Prozent über Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet werden. Sicherlich werden sich in nächster Zeit noch mehr Nahrungsinhaltsstoffe mit Wirkung gegen Tumorstammzellen finden, jedoch ist hierzu noch intensive Forschungsarbeit notwendig.

Allgemein gilt: Wichtig zur Aufnahme einer breitgefächerten Wirkstoffmischung gegen Tumorstammzellen ist eine ausgewogene, überwiegend pflanzliche Ernährung mit hohem Rohkostanteil. Tägliche Bewegung im Freien für mindestens 30 Minuten ist wichtig, um die Vitamin D Speicher zu füllen, für einen gesunden Stressausgleich und sorgt für gute Laune. 

Wie kann man das Immunsystem noch weiter stärken?

Küchengeräte für die gesunde Ernährung: Mixer für frische Smoothies, Raspelmaschine für Rohkostsalate, Dampfgarer für die schonende Zubereitung von Gemüse und ein Entsafter für frische Obst- und Gemüsesäfte.

Viel für Ihr Immunsystem getan haben Sie bereits, wenn Sie morgens einen frisch im Entsafter oder Mixer zubereiteten Gemüsesaft oder grünen Smoothie zu sich nehmen und dafür auf das weit verbreitete Frühstück mit Kaffee, Brot, Kuchen, Butter, Wurst, Ei und Marmelade verzichten.

Für den Gemüsesaft verwenden Sie z.B. Äpfel, Birnen, rote Beete, Karotten, Pastinaken, Brokkoli, Kohlrabi oder andere Kohlgemüse.

Für den Smoothie eignen sich selbst gesammelte Wildkräuter (z.B. Brennessel, junger Löwenzahn, Klee, Spitzwegerich, Butterblume, junger Sauerampfer, Gundermann, Gänseblümchen, Knoblauchsrauke, Schafgarbe, Springkraut/Blüten, Blätter und Früchte von Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren…), Brokkolisprossen, Salat, Leinöl, Walnussöl und Avocado.

Viele Variationen und Mischungen zwischen Gemüsesaft und Smoothie sind möglich. Bei der Zubereitung des Smoothies mit selbst-gesammelten Wildkräutern schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie haben Bewegung an der frischen Luft (Vitamin D, Stressausgleich, Anti-Depressiv) und Ihr Körper bekommt konzentrierte bioaktive Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien zur Stärkung der Abwehrkräfte.

Was Sie vermeiden sollten

Aufgrund unserer eigenen Forschungsdaten und Empfehlungen führender Institutionen für Krebs, Lebensstil und Ernährung (z.B. AICR) empfehlen wir Ihnen zur Prävention und zur Vermeidung der Progression von Krebserkrankungen: 

Vermeidung von: 

  • Übergewicht, zu viel essen.
  • Zucker und Weißmehlprodukten, rotes Fleisch und Wurst.
  • Schadstoffen (z.B. Alkohol, Nikotin, zu viel Koffein, Salz, gegrilltes, gebratenes, frittiertes, gepökeltes oder stark erhitztes Essen).
  • Umweltgiften (z.B. in Kosmetika, Putzmittel, Strahlung, belastetes Baumaterial in der Wohnung).
  • negativem Stress, Kummer, Sorgen, Unzufriedenheit, Depressionen. 

Essen Sie täglich: 

Obst das nicht süß ist, Salat, Rohkost, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Soja), Kreuzblütlergemüse (Brokkoli, Blumenkohl, sonstigen Kohl, Rucola-Salat, Kresse, Radieschen, Rettich, Meerrettich, Kohlrübe, Rübstiel, Raps, z.B. als Rapsöl, Senf....), Zwiebeln, Lauch, Vollkornprodukte, Pfeffer, Paprika, Tomate, Kurkuma. Das Gemüse sollte frisch zubereitet werden - am besten gedämpft oder kurz knackig angebraten, damit die Pflanzenstoffe aktiv bleiben.

Essen Sie selten oder überhaupt nicht: 

Fleisch, Wurst, Käse, Milchprodukte, süßes Obst, Nudeln, Kartoffeln, weißen Reis, Weißbrot, Kuchen und Süßigkeiten. 

Wenn Sie durch die Krebserkrankung stark an Gewicht verlieren, achten Sie auf eine ausreichende Kalorienzufuhr: 

Sehr nahrhaft sind Nüsse und Avocado und gesunde pflanzliche Öle mit viel Omega-3 Fettsäuren (insbesondere frisches Lein-, Walnuss-, Leindotter- und Rapsöl), sehr lecker sind Cashew oder Mandelmus. Hochwertiges und frisches Öl bekommen Sie bei Ölmühlen. Zu vermeiden ist eine Kalorienzufuhr durch Zucker - auch die Fette sollten überwiegend pflanzlicher Natur und ungesättigt sein.

Antworten auf häufige Fragen: 

  • Kartoffelstärke und Reisstärke werden vom Körper schnell zu Zucker gespalten und lassen den Blutzucker schnell steigen. Je weniger Kartoffeln verarbeitet sind, desto niedriger ist der glykämische Index. Bei Pommes Frites, Chips und Instant-Kartoffelbrei geht der Blutzucker schneller in die Höhe als bei Pellkartoffeln. 
  • Süßes Obst erkennt man leicht am süßen Geschmack. Zu süßem Obst zählen beispielsweise Bananen und reifes Obst - auch süße Trauben. 
  • Weitere Informationen erhalten Sie in der Literatur über kohlenhydratarme Diäten oder von einer Ernährungsberaterin. 

Weitere Tipps finden Sie in unserem Flyer

Viele Hinweise deuten darauf hin, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung und rotes Fleisch die Tumorentstehung und deren Voranschreiten begünstigt.

Patientenstudien mit Brokkolisprossen

Gefriergetrockneter Brokkolisprossenschrot in Kapseln verpackt. In der Heidelberger Powder-Study nehmen die Patienten 15 Kapseln täglich (90 mg Sulforaphan) begleitend zur Chemotherapie.

Unsere Labordaten werden inzwischen von anderen Forschern bei bösartigen Tumorerkrankungen der Brust und der Prostata bestätigt. Gestützt werden unsere Laborversuche durch epidemiologische Studien, bei denen Ernährungsgewohnheiten großer Bevölkerungsgruppen bezüglich des Krebsrisikos bzw. des Voranschreitens einer Krebserkrankung ausgewertet wurden.

In einer Ernährungsstudie bei Patienten mit Prostatakrebs stellten die Forscher fest, dass der häufige Verzehr von Brokkoli oder Blumenkohl (3 bis 5 Portionen in der Woche) bei einigen Patienten die Streuung des Tumors um 50 Prozent verringert hat. In weiteren Studien wurde eine krebsvorbeugende Wirkung von Kohlgemüse allgemein nachgewiesen. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Sulforaphan und seine Verwandten gegen Entzündungen und Infektionen mit Bakterien und Viren helfen und das Tumorwachstum hemmen. Ebenso weisen neueste Daten auf eine positive Beeinflussung der Darmflora durch Blumenkohl und Brokkoli hin. Dies ist von großer Wichtigkeit, da eine gesunde Darmflora die Basis für ein gesundes Immunsystem und starke körpereigene Abwehrkräfte gegen Tumorzellen ist.

Rezidives Prostatakarzinom: Am OHSU Knight Cancer Institut in Portland (Oregon, USA) wurde eine Pilotstudie durchgeführt, um den Effekt von Sulforaphan aus Brokkolisprossen-Extrakt bei 20 Patienten mit einem rezidiven Prostatakarzinom zu untersuchen (ClinicalTrials.gov Identifier: NCT01228084). Hier wurde Sulforaphan in Dosen von 200 μmol (88 mg), enthalten in vier Kapseln a 50 μmol, einmal täglich über 20 Wochen verabreicht. Diese Studie ist abgeschlossen und die vorläufigen Ergebnisse zeigen:

  • bei 25% der Patienten ist der PSA-Spiegel um mehr als 50% gesunken wobei bei keinem der Patienten ernste Nebenwirkungen auftraten.
  • bei 90% der Patienten hat sich der PSA-Spiegel nicht verdoppelt.
  • es gab keine schweren Nebenwirkungen (Grade 3 Toxicity).
  • Halbwertszeit von Sulforaphan im Blut: 2 bis 5,5 Stunden 

Diese Daten wecken Hoffnung, obwohl es nur eine Pilotstudie ist, deren Daten nun mit einer größeren Patientenanzahl bestätigt werden müssen. Ausführliche Studienergebnisse sind noch nicht publiziert, vorläufige Daten finden Sie hier

Hautkrebs-Vorbeugung: Eine im Moment laufende Pilotstudie, die an der Universität von Pittsburgh (USA) durchgeführt wird, untersucht die Wirksamkeit von Brokkolisprossen bei atypischen Nävi, einer Vorläuferläsion des malignen Melanoms (Clinical Trials.gov Identifier: NCT01568996). Die achtzehn Probanden bekommen Kapseln mit Sulforaphan aus Brokkolisprossen-Extrakt in den Konzentrationen 50 μM (22 mg), 100 μM (44 mg) oder 200 μM (88 mg) für 28 Tage oral verabreicht. Studienergebnisse liegen noch keine vor, den aktuellen Stand finden Sie hier. 

Blasenkrebs: Bei einer anderen im Moment laufenden Pilotstudie des Rosswell Park Cancer Instituts in New York (USA) wird der Effekt von Sulforaphan aus Brokkolisprossen-Extrakt auf das Wachstum des Urothelkarzinoms der Blase untersucht (NLM Identifier: NCT01108003). Nach der Resektion des Karzinoms erhalten die Patienten für 14 Tage 200 μmol (88 mg) Sulforaphan täglich. Studienergebnisse liegen noch keine vor, den aktuellen Stand finden Sie hier. 

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Eine Studie mit Brokkolisprossen verpackt in Kapseln als begleitende Therapie des fortgeschrittenen Pankreaskarzinoms ist im Dezember 2013 an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg angelaufen (ClinicalTrials.gov Identifier: NCT01879878). Vierzig Patienten mit einem fortgeschrittenen Pankreaskarzinom, die in der Chirurgie Heidelberg in Behandlung sind, werden eingeschlossen. Die Hälfte der Patienten erhält eine Chemotherapie UND Brokkolisprossen mit 90 mg Sulforaphan täglich, die andere Hälfte bekommt nur Chemotherapie. Ausgewertet wird die Wirkung auf Lebensqualität, Tumormarker, Tumorwachstum und Überleben. Die Durchführung dieser Pilotstudie wurde durch eine Förderung durch die Stiftung Chirurgie und eine Spende von Herrn Deiters (Deiters & Florin) ermöglicht.

Zwischenbilanz 9.4.2018:

Ergebnisse der Brokkoli-Patientenstudie liegen leider noch keine vor - es gab gerade eine Zwischenbilanz, die gezeigt hat, dass noch zu viele Daten fehlen um glaubwürdige Aussagen machen zu können. Das Problem war, dass zu viele auswärtige Patienten dabei waren, die wir von Heidelberg aus nicht nachverfolgen konnten und die sich auch nicht wie vereinbart wieder gemeldet haben. Ein weiteres großes Problem war, dass der betreuende Studien-Arzt die Klinik gewechselt hat und daher der Leiter fehlte. Die wenigen vorhandenen Daten von Tumormarkern sprechen bislang für die Brokkolisprossen, wenngleich jenseits einer statistischen Aussagekraft. Erfreulich ist, dass es keine schweren Nebenwirkungen gab, außer teilweise Ekel vor dem Kohlgeschmack, was natürlich bei einer bestehenden Verdauungsstörung besonders übel ist. Viele Patienten hat auch gestört, dass sie nicht wussten ob sie in der Placebo- oder Wirkstoffgruppe sind. Da Brokkolisprossenpräparate frei erhältlich sind, haben einige Patienten die Studie abgebrochen und auf eigene Faust Brokkolisprossen eingenommen. Um die Studie zu Ende führen zu können, müssen momentan erst wieder Gelder für eine Studienschwester und die Beschaffung von Brokkolisprossen eingeworben werden. Bislang gibt es leider keinen Sponsor.

Weiteres Informationsmaterial finden Sie hier.

Sie benötigen Ärztliche Beratung, eine Behandlung oder eine Zweitmeinung?

Wir sind Grundlagenforscher und informieren Sie gerne über neue Erkenntnisse der Wissenschaft. Wir sind jedoch keine Ärzte und dürfen daher keine Empfehlungen zu Ihrer schulmedizinischen Behandlung geben. Falls Sie ärztliche Hilfe benötigen oder eine Zweitmeinung wünschen, stehen Ihnen u.a. folgende Anlaufadressen zu Verfügung:

Europäisches Pankreaszentrum am Universitätsklinikum Heidelberg 

Onkologie-Sprechstunde (Leber-, Magen-, Darmtumore) am Universitätsklinikum Heidelberg

Für Patienten mit Tumorerkrankungen (Leber, Magen, Darm) findet an fünf Tagen in der Woche eine interdisziplinare Sprechstunde zusammen mit den Kollegen der internistischen Onkologie statt. Gemeinsam werden Patienten betreut, bei denen ein multimodales Behandlungskonzept geplant ist.

Teilweise findet die onkologische Sprechstunde im Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg statt.

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

Im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen NCT, getragen von Universitätsklinikum Heidelberg, Deutschem Krebsforschungszentrum DKFZ und Deutscher Krebshilfe, werden Tumorerkrankungen auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung behandelt. Wesentlicher Teil des Behandlungskonzepts sind fächerübergreifende Tumorboards, in denen Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten gemeinsam überlegen, welche Therapie für den Patienten am besten in Frage kommt. Etabliert hat sich das NCT auch als Zweitmeinungszentrum.

Terminvergabe NCT

NCT-Homepage

Literaturempfehlungen

Spitzkohl, dazu Paprika gefüllt mit Vollkorn-Bratling, gekocht in Tomatensoße mit Soyahack.
  • Krebszellen mögen keine Himbeeren. Nahrungsmittel gegen Krebs, von Prof. Dr. med. R. Beliveau, Dr. med. Denis Gingras. Kösel Verlag, broschiert - 19. September 2008, EUR 12,95.
  • Gesund mit Rotwein, Lachs, Schokolade & Co.: Die neue Präventionsernährung - Vorbeugen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Alzheimer - Bewusst essen, lustvoll leben, von Prof. Dr. med. Richard Beliveau, Dr. med. Denis Gingras, Hanna van Laak. Kösel Verlag, broschiert - 17.01.2011, EUR 21,99.
  • Das Antikrebs-Buch: Was uns schützt: Vorbeugen und Nachsorgen mit natürlichen Mitteln, von David Servan-Schreiber, Goldmann Verlag 
01. März 2010, Taschenbuch, EUR 9,95
.
  • Die Neue Medizin der Emotionen: Stress, Angst, Depression: Gesund werde ohne Medikamente, von David Servan-Schreiber. Goldmann Verlag, Taschenbuch, EUR 9,95.
  • Krebs - Schicksal oder Zivilisationskrankheit?  von A. Vogel., 1. Auflage 1987. Teufen Verlag. EUR 23,65.
  • Vegan for Fit. Die Attila Hildmann 30-Tage-Challenge, von Attila Hildmann. Becker Joest Volk Verlag. Gebundene Ausgabe, EUR 29,95.