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Die Tumorstammzellhypothese

Bisher ist wenig darüber bekannt, warum nur einige, aber nicht alle Zellen eines Tumors die Fähigkeit erlangen, durch Gewebebarrieren zu wandern und in entfernte Organe zu streuen. In den letzten Jahren verdichteten sich Hinweise darauf, dass alleine die sogenannten Tumorstammzellen für das Wachstum und die Streuung eines Tumors verantwortlich sind. Bereits 1855 hat der Arzt Rudolf Virchow die "Embryonale-Rest"-Hypothese der Tumorbildung aufgestellt, basierend auf seinen Beobachtungen histologischer Ähnlichkeiten zwischen Tumorgewebe und embryonalem Gewebe. Diese Theorie wurde 1875 von dem Pathologen und Virchow-Schüler Julius Cohnheim erweitert. Cohnheim postulierte, dass humane Tumore aus Stammzellen entstehen, die während der embryonalen Entwicklung übrig geblieben sind und in den Geweben fortbestehen. Diese Theorie wurde weiter zur Tumorstammzell-Theorie entwickelt. Diese besagt, dass Krebs aus einer speziellen Zellpopulation mit Stammzelleigenschaften hervorgeht. Als Ursprung in Frage kommen zum einen mutierte Progenitorzellen die sich in einem Übergangsstadium zwischen Stamm- und differenzierter Zelle befinden und Selbsterneuerungspotential entwickeln. Zum anderen wird für möglich gehalten, dass Tumorstammzellen von differenzierten Tumorzellen abstammen, die sich zurück in Stammzell-ähnliche Zellen umwandeln. Man nimmt an, dass solche Tumorstammzellen zur Resistenz vieler Tumorarten gegenüber einer Chemo- oder Radiotherapie beitragen, da Stammzellen sehr widerstandsfähig sind. Ebenso wird vermutet, dass Tumorstammzellen ein erneutes Wachstum des Tumors trotz anfänglich erfolgreicher Therapie verursachen und eine Metastasierung in sekundären Organen auslösen. Man denkt sogar, dass einzelne zurückgebliebene Tumorstammzellen nach einer operativen Entfernung des Tumors über lange Perioden in einem schlafenden Zustand im Körper verharren und noch Jahre nach einer kurativen chirurgischen Entfernung des Primärtumors wieder zu Tumoren auswachsen und ein Rezidiv verursachen können. Auch beim Bauchspeicheldrüsenkrebs und bei anderen Tumoren des Magen-Darm-Traktes hat man Marker für Tumorstammzellen nachgewiesen. Das Ziel unserer Arbeitsgruppe ist die Untersuchtung von Tumorstammzelleigenschaften am Pankreaskarzinom und die Definition neuer, verbesserter Therapieoptionen, die nicht nur die normalen Tumorzellen, sondern auch die Tumorstammzellen angreifen.