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Der PSA Test: aktuelle Erkenntnisse

Prostatavorsorge

Mit über 58000 Neuerkrankungen pro Jahr ist der Prostatakrebs der häufigste bösartige Tumor beim Mann in Deutschland. Jedes Jahr sterben in Deutschland über 15000 Patienten an diesem Tumor. Seit der Einführung des PSA Tests (Prostata spezifisches Antigen) hat sich die Diagnostik des Prostatakarzinoms grundlegend geändert. Im Rahmen der Vorsorge werden heute sehr viel mehr Prostatakarzinome in einem frühen und nicht metastasierten Stadien gefunden. Da das Prostatakarzinom oft ein sehr langsam wachsender Tumor ist, war lange umstritten, ob die Bestimmung des PSA Werts und die ggf. weiterführende Diagnostik wirklich zu einer Senkung der Sterblichkeit am Prostatakrebs führt.

2009 wurden die Ergebnisse der beiden größten wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema veröffentlicht. Die europäische multinationale ERSPC Studie beobachtete 182000 über im Mittel 9 Jahre. Hierbei zeigte sich, dass durch die Bestimmung des PSA Wertes bei Männern im Alter zwischen 55 und 69 Jahren die Wahrscheinlichkeit an einem Prostatakarzinom zu versterben um 20% gesenkt wird.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der europäischen Studie wurden auch die Ergebnisse der amerikanischen PSA-Screening Studie (PLCO-Studie) präsentiert. In dieser Studie wurden 76700 Männer untersucht. In der amerikanischen Studie konnte kein Überlebensvorteil für die Patienten mit einer PSA Testung im Rahmen der Vorsorge nachgewiesen werden.

Durch die gegensätzlichen Aussagen der beiden Studien ist eine kontroverse Debatte über den Nutzen der PSA Testung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung entstanden.

Im Vergleich der Aussagen beider Studien sind folgende Aspekte zu erwähnen

  • Ein Unterschied im Überleben zugunsten der PSA Testung zeigte sich in der europäischen Studie erst nach 7 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wurde die amerikanische Studie aber bereits publiziert. Dies bedeutet, daß bei einer längeren Nachbeobachtungszeit die amerikanische Studie höchstwahrscheinlich die Ergebnisse der europäischen Studie reproduziert hätte.
  • Die Aussagekraft der amerikanischen Studie ist auch durch eine methodische Ungenauigkeit stark eingeschränkt. Männer in der Kontrollgruppe hätten eigentlich keinen PSA Test haben dürfen. Aufgrund der Popularität des PSA Tests in den USA untezog sich aber ein Großteil der Männer der Kontrollgruppe aus eigener Initiative einem PSA Test. Die Kontrollgruppe erfüllte damit nicht korrekt ihre Aufgabe, da die Unterschiede zu den Männern, die innerhalb der Studie PSA getestet wurden, fälschlicherweise als zu gering beurteilt wurden.
  • Im Wesentlichen wurde bei beiden Studien ein sogenanntes "PSA Screening" durchgeführt. Dies bedeutet, daß primär nur der PSA Wert in unterschiedlich langen Zeitabständen (bis zu 4 Jahre) betrachtet wurde. Integriert man die Bestimmung des PSA's jedoch in eine jährliche Früherkennungsuntersuchung, die zusätzlich u.a. die körperliche Untersuchung und Ultraschalldiagnostik umfasst, ist von einem deutlich größeren Überlebensvorteil der PSA getesteten Männer auszugehen.

Generell lassen sich aus den vorliegenden Informationen folgende Schlüsse für die Zukunft ziehen

  1. Patienten müssen über die Möglichkeiten und Probleme der PSA Bestimmung detailliert informiert werden. Der PSA Test zur Früherkennung des Prostatakarzinoms ist zu empfehlen.
  2. Überdiagnose und Überbehandlung müssen vermieden werden, sowohl durch gute Patientenberatung und kompetente therapeutische Entscheidungen als auch durch Identifikation neuer prognostischer Faktoren für das Prostatakarzinom.
  3. In der Zukunft ist eine weitere Auswertung beider Studien nach längerer Nachbeobachtungszeit erforderlich.