Die gestörte Frühschwangerschaft

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Definition der Erkrankung

Es ist nicht bekannt, wie häufig eine Schwangerschaft falsch angelegt ist und deswegen schon vor dem dritten Monat vorzeitig beendet wird. Das liegt daran, dass sie oft schon beendet ist, bevor die betroffenen Frauen überhaupt wissen, dass sie schwanger sind. Man nimmt an, dass etwa die Hälfte als Abort (=Fehlgeburt) zugrunde gehen. Mit Beschwerden bemerkbar machen sich jedoch nur circa ein Fünftel der Aborte. Die Einteilung der Fehlgeburt ist abhängig von der Verlaufsform und wird im Folgenden kurz aufgeführt:

Beim Abortus imminens (=drohende Fehlgeburt) kommt es zu Blutungen und gegebenenfalls Wehentätigkeit bei noch geschlossenem Muttermund und dem Alter der Schwangerschaft entsprechender Gebärmuttergröße. Die Schwangerschaftsanlage ist vital, eine Herzaktion ist erkennbar.

Der Abortus incipiens ist ein schon beginnender Abort, der nicht mehr aufzuhalten ist. Vitalitätszeichen sind gegebenenfalls noch erkennbar, die vaginale Blutung und die Schmerzen sind jedoch schon viel stärker als beim drohenden Abort. Der Muttermund ist geöffnet.

Der Abortus incipiens geht entweder in einen Abortus completus (=vollständige Fehlgeburt) oder Abortus incompletus (=unvollständige Fehlgeburt) über. Typischerweise sind in diesem Fall noch Schwangerschaftsreste, z.B. Teile des Mutterkuchens, in der Gebärmutterhöhle zurückgeblieben. Sie können anhaltende Blutungen oder auch Infektionen verursachen (=Abortus febrilis).

Der verhaltene Abort (missed abortion) bezeichnet eine nicht ausgestoßene Fruchtanlage. Der Muttermund ist geschlossen, es kommt zu keinen Blutungen, die Gebärmutterhöhle wächst weiterhin, wenn auch nicht dem rechnerischen Schwangerschaftszeitpunkt entsprechend.

Als Abortivei (=Windei) bezeichnet man eine leere Fruchthöhle ohne Embryo. Die Gebärmutter bleibt klein, auch der Fruchtsack wächst nicht. Es kann zu Schmierblutungen kommen.

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Symptome

Oft ist das erste Zeichen in der Frühschwangerschaft die Blutung. Sie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, in manchen Fällen kommen Kreuzschmerzen oder Bauchkrämpfe hinzu. Zeichen einer gestörten Frühschwangerschaft können jedoch auch einfach der verhaltene Gebärmutterwachstum, das Fehlen einer Herzaktion oder bei Infektionen der Gebärmutter Fieber, Schüttelfrost und eitriger Ausfluss sein. Prinzipiell kommen Blutungen und Unterbauchschmerzen auch in gesunden, intakten Schwangerschaften vor, welche danach ganz normal verlaufen.

Ursachen

Die Fehlgeburt ist häufig ein Zusammenspiel aus vielen Gründen. Selten lässt es sich mit Sicherheit sagen, was der Grund für eine bestimmte Fehlgeburt ist. Grundsätzlich unterscheidet man die Ursachen in mütterliche und fetoplazentare (also von der Eizelle kommende) Geschehen. Meistens sind Fehler in der chromosomalen Anlage (Erbanlage) der Schwangerschaft ursächlich für einen vorzeitigen Abgang. Grund können aber auch anatomische Veränderungen im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane, hormonale Störungen, Infektionen oder Systemerkrankungen sein. Neben den üblichen Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol und Alter der Mutter, spielen auch die Anzahl an vorangegangen Schwangerschaften und Fehlgeburten eine Rolle.

Diagnose

Oft lässt sich aufgrund der Beschwerden und nach einer gynäkologischen Untersuchung der Verdacht auf einen Abort äußern. Eine Ultraschallkontrolle kann die Einteilung weiter differenzieren, z.B. ob kindliche Vitalitätszeichen (welche ab der 6.-7. SSW darstellbar sein sollten) vorhanden sind. Bei Frauen nach komplettem Abort sieht man keine Schwangerschaftsanlage mehr in der Gebärmutter, bei allen anderen Patientinnen sind noch Teile bzw. die ganze Schwangerschaft in der Gebärmutter vorzufinden. Auch laborchemische Verlaufskontrollen des Schwangerschaftshormons (ßHCG) können die Einteilung und die Behandlungsmöglichkeiten eingrenzen.

Krankheitsverlauf

Eine Senkung beginnt schleichend und kann im Laufe des Lebens dann zunehmen. Anfangs hat man vielleicht noch keine großen Probleme, allerdings kann es beim Fortschreiten der Senkung zu Harnstau und Problemen beim Wasser lassen kommen.

Ablauf der Behandlung

Je nach Größe, Verlaufsform und Wunsch der Mutter können prinzipiell drei verschiedene Behandlungsmethoden angewandt werden. Beachtet wird, ob der Erhalt der Schwangerschaft noch möglich oder überhaupt sinnvoll erscheint.

Bei einem drohenden Abort reicht häufig die körperliche Schonung aus. Eine Behandlung mit Gelbkörperhormonen hat mittlerweile an Bedeutung verloren, kann aber bei einer Gelbkörperschwäche erwogen werden.

Beim Abortus incipiens kann der Schwangerschaftsabgang beobachtet werden bis der Wert des Schwangerschaftshormons unter dem messbaren Bereich liegt. Die Ausstoßung des Aborts aus der Gebärmutter kann weiterhin mit Medikamenten unterstützt werden, was jedoch oft mehrere Tage in Anspruch nimmt. Auch eine chirurgische Ausschabung der Gebärmutter mittels schonender Kürettage kann indiziert sein, z.B. beim verhaltenen Abort. Dabei wird durch eine lokale Prostaglandingabe zuerst der Gebärmutterhals erweicht, um Verletzungen am Muttermund zu vermeiden, der danach erweitert wird. Das Schwangerschaftsprodukt wird instrumentell oder mittels Sauger entfernt.

Bei fortgeschrittenen Schwangerschaften ist vor der Kürettage gegebenenfalls die medikamentöse Ausstoßung mit Wehenhormonen nötig.

Mögliche Komplikationen / Risiken

In seltenen Fällen ist ein weiterer chirurgischer Eingriff als Nachkürettage oder eine zusätzliche Medikamentengabe indiziert.

Nachsorge

Grundsätzlich wird das Schwangerschaftshormon im Verlauf kontrolliert, um einen adäquaten Abfall zu erkennen. Bei drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten ohne gesunde Schwangerschaft dazwischen spricht man von einem habituellen Abort. Die Gründe hierfür müssen abgeklärt werden. Lässt sich ein Grundleiden als Auslöser eruieren, sollte dieser nach Möglichkeit beseitigt werden. Anatomische Veränderungen an den weiblichen Geschlechtsorganen können meist gut behandelt werden.

Bei Patientinnen mit Rhesus D negativer Blutgruppe muss innerhalb von 78 Stunden nach Abort eine Anti-D-Prophylaxe durchgeführt werden, um die Bildung von Antikörpern mit teils schwerwiegenden Folgen in einer Folgeschwangerschaft zu verhindern.

Nach einer Fehlgeburt sollten Frauen für 4-6 Wochen keinen Geschlechtsverkehr haben, keine Vollbäder nehmen, nicht schwimmen und in die Sauna gehen sowie keine Tampons verwenden. Vor der nächsten Schwangerschaft sollte eine Frau mindestens eine normale Monatsblutung vorbeigehen lassen.

Ambulanzen

Spezialisten

  • Dr. med. Christine Dinkic


  • Dr. med. Janina Brucker

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