Kavernome
Definition der Erkrankung
Was ist ein Kavernom (Kavernöses Hämangiom)?
Kavernome sind Traubenförmige, gutartige meist angeborene Gefäßwucherungen, auch als Blutschwämmchen bekannt, die im Gehirn oder Rückenmark auftreten können. Sie haben keine arteriellen Zuflüsse, sondern sind venöse Malformationen mit niedrigem Fluss, sodass es im Blutungsfall meinst „nur“ zu einer Sickerblutung kommt.
Da es sich um eine „low-flow“ Malformation handelt (rein venös), sind die Blutungen kleiner und die Patienten weniger schwer betroffen. Das Blutungsrisiko liegt mit 2-4% pro Jahr (im Hirnstamm bis 6%) aber höher.
Symptome eines kavernösen Hämangioms (Kavernoms):
Ein Kavernom wird häufig als Zufallsbefund einer kraniellen Bildgebung ohne spezifische Symptome diagnostiziert. Symptomatische Patienten beschreiben oftmals Kopfschmerzen oder ein Kavernom äußert sich als Ursache eines epileptischen Krampfanfalls. Je nach Lokalisation können aber auch neurologische Defizite, wie Dysästhesien, Lähmungen oder Sprachstörungen auftreten. Schwere Blutungen, die bis zum Koma oder Tod führen, sind selten.
Diagnostik des kavernösem Hämangioms (Kavernoms):
Die Diagnostik der Wahl ist die MRT. Darin zeigt sich der Kavernomknoten mit dem charakteristischen, sog. Hämosiderinsaum als Zeichen für Blutabpressungen aus dem Kavernom, z.T. auch in Assoziation mit einer DVA (developmental veneous anomaly). Über eine Gefäß-Bildgebung, z.B. als MR-Angiographie oder über eine digitale Subtraktionsangiographie (DSA) kann ein Kavernom gegenüber einer arterio-venösen Malformation abgegrenzt werden kann.
Das CT spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle, und findet meist nur i.R. der Notfalldiagnostik zum Ausschluss/Nachweis einer Blutung Anwendung.
Behandlung der kavernösen Hämangiome (Kavernome):
Bei der Mehrzahl der Patienten werden das Kavenrom oder mehrere davon, als Zufallsbefund entdeckt, ohne dass bislang eine Blutung aufgetreten war. In diesen Fällen wird meist ein konservatives Vorgehen (Reduktion von Risikofaktoren und Normalisierung des Blutdrucks) angestrebt.
Kam es allerdings zu einer Einblutung, zeigt sich eine klinische Symptomatik durch das Kavernom oder kommt es zu einer symptomatischen Epilepsie, sollte die Notwendigkeit einer operativen Entfernung des Kavernoms mit einem unserer Experten erörtert werden.
Selten sind Kavernome mit einem vererbbaren Gendefekt (CCM) assoziiert. In solchen Fällen finden sich multiple Kavernome im Gehirn und Rückenmark. Sollte sich ein solcher Fall zeigen, bieten wir die interdisziplinäre genetische Beratung mit den Kolleginnen der Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg an.
Da ein Kavernom keine arteriellen Zuflüsse hat, stehen endovaskuläre Behandlungsoptionen (Embolisation, Coiling) nicht zur Verfügung; ebenso zeigen strahlentherapeutische Behandlungen nur einen geringe Verschlussrate, sodass die Therapie der Wahl die mikrochirurgische Resektion ist.
Durch unsere hohe Expertise in der operativen Behandlung von Läsionen im Gehirn, können wir hier auf ein breites Portfolio von Operationstechniken zurückgreifen, um ein Kavernom des Gehirns sicher und schonend zu entfernen.
Ein Großteil der Kavernome kann auf sicheren Zugangswegen erreicht und schonend operativ entfernt werden. Liegt ein Kavernom in kritischen, funktionstragenden Arealen oder gar im Hirnstamm oder dem Rückenmark, kann mit speziellen präoperativen Mapping-Verfahren (TMS-Mapping, MRT-basierter Faserbahntraktographie), sowie mit intraoperativem elektrophysiologischen Monitoring in Maas gestaltetes operatives Behandlungskonzept erarbeitet werden, was eine operative Behandlung unter minimierten Risiko erlaubt.
Das zeichnet uns in der Kavernombehandlung aus
Jahrzehntelange Erfahrung und höchste Expertise bei der neurochirurgischen und intensivmedizinischen Behandlung von Patienten mit Missbildungen der Blutgefäße des Gehirns und Rückenmarks
Umfassende medizintechnische Ausstattung von der Diagnostik über OP-Verfahren bis hin zur intensivmedizinischen Versorgung: ICG-Angiografie, Intraoperative Mikro-Dopplersonografie, intraoperatives CT und MRT, OP-Navigation, Intraoperatives Neuromonitoring, intraoprative Bildbearbeitung (Buzz on wall), spezielle Ausstattung für Kernspinaufnahmen beatmeter Intensiv-Patienten, präoperative TMS-Diagnostik, Faserbahntraktographie.
Enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den benachbarten Fachkliniken des Universitätsklinikums Heidelberg sowie weiteren Fachkliniken für Frührehabilitation