Kreuzbandriss

Bereich Sportorthopädie und Sporttraumatologie

Definition der Erkrankung

In der Mitte des Kniegelenkes verlaufen zwei sich überkreuzende Bänder, das vordere und das hintere Kreuzband. Beide Kreuzbänder sorgen neben der Gelenkkapsel und anderen Bändern für die Stabilität des Kniegelenkes. Außerdem verhindern sie, dass sich der Oberschenkel im Knie nach vorn und hinten verschiebt.

Bei plötzlichem und kräftigem Verdrehen des Kniegelenkes kann das vorderes Kreuzband reißen. Typisch sind solche Verletzungen beim Fußball, Skifahren oder in Kampfsportarten. Bei einem solchen Riss können auch andere Strukturen des Knies mit beschädigt werden. Eine häufige Kombinationsverletzung ist die "unhappy triad" (unglücklichen Drei), der gleichzeitige Riss von Innenmeniskus, Innenseitenband und vorderem Kreuzband.

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Symptome

Bei einem Kreuzbandriss ist das verletzte Kniegelenk stark angeschwollen, schmerzt und kann nicht vollständig gestreckt und gebeugt werden. Diese Symptome erschweren aber oftmals die manuelle Untersuchung des Knies durch den Arzt. Umso wichtiger ist deshalb die genaue Schilderung des Unfallhergangs. Weitere Hinweise kann auch eine Punktion des mit Flüssigkeit gefüllten Kniegelenkes liefern.

Wenn die akuten Beschwerden abgeklungen sind, kann eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Instabilität bestehen bleiben. Diese äußert sich in einem "Wegknicken" des Kniegelenkes bei bestimmten Bewegungen. Das können alltägliche Bewegungen wie Treppensteigen sein oder die Beschwerden sind auf starke körperliche Aktivitäten wie beim Sport beschränkt. Im Laufe der Zeit führt die Instabilität im Knie aber häufig zu Schädigungen von Menisken und Knorpel bis hin zum vorzeitigen Gelenkverschleiß.

Für eine genaue Diagnose führt Ihr Arzt eine Reihe manueller Untersuchungen zur Beurteilung der Kreuzbänder, aber auch der Menisken und anderer wichtiger Strukturen des Kniegelenks durch. Für die bildhafte Darstellung der Verletzungen an Weichteilgeweben (Gelenkknorpel, Menisken, Bänder) eignet sich besonders die Kernspintomographie (MRT).

Ursachen

Ursachen für den Riss des hinteren Kreuzbandes sind ein direkter Schlag von vorne gegen den Unterschenkel oder eine ungewollte Überstreckung des Knies. Auch bei dieser Verletzung ist die kombinierte Schädigung weiterer Kniegelenksstrukturen möglich.
Insbesondere bei Kindern kann es statt des Risses auch zum Ausriss des Kreuzbandes aus seiner knöchernen Verankerung kommen.

Ablauf der Behandlung

Manuelle Therapie

Die gute Nachricht vorweg: Nach einer Kreuzbandverletzung muss in den meisten Fällen nicht sofort operiert werden! Zunächst geht es darum, Schmerzen und Schwellung zum Abklingen zu bringen und die Beweglichkeit des Gelenkes teilweise wiederherzustellen. Dazu wird das verletzte Bein mit Gehstöcken entlastet. Schmerzlindernde und abschwellende Medikamente, Hochlagerung und Kühlung unterstützen diesen Prozess. Mit manueller Lymphdrainage kann außerdem auch der Abfluss der Schwellung beschleunigt werden.

Nach ca. zwei Wochen kann mit der Physiotherapie begonnen werden, um die Muskulatur des Kniegelenkes wieder zu kräftigen. Drei bis vier Wochen nach dem Verletzungsereignis sollte das Kniegelenk nochmals untersucht werden. Zusammen mit Ihrem Orthopäden wird dann das weitere Vorgehen besprochen.

Operative Therapie

Bei subjektiv störender Instabilität und körperlichen Belastungen empfehlen wir den operativen Ersatz des vorderen Kreuzbandes. Dafür stehen an unserem Hause verschiedene Methoden zur Verfügung: die klassische Vorgehensweise, die Mehrbündeltechnik oder innovative Maßnahmen. Die Rekonstruktion des Kreuzbandes erfolgt immer arthroskopisch, d. h. minimalinvasiv ohne große Schnitte am Knie. Lediglich zur Entnahme der Spendersehne ist ein ca. 3 bis 4 cm langer Schnitt nötig.

Bei der klassischen Vorgehensweise wird als Kreuzbandersatz meist eine Sehne der Oberschenkelinnenseite (Musculus semitendinosus) verwendet, seltener ein Teil der Kniescheibensehne (Patellasehne). In beiden Fällen wird die Sehne über Bohrkanäle in Oberschenkel und Schienbein exakt an der Stelle platziert, an der sich das intakte Kreuzband befunden hat. Im Laufe der Zeit heilt die Sehne fest in den Knochen ein. Um nach der Operation Blut und Wundsekret ableiten zu können, wird ein Drainageschlauch in das Kniegelenk eingelegt, der in aller Regel nach einem Tag wieder entfernt wird. Der stationäre Aufenthalt beträgt etwa zwei bis drei Tage. Details und Risiken der Operation besprechen wir mit Ihnen am Tag vor der Operation (OP- und Narkoseaufklärung).

Nachsorge

Nach dem Entfernen des Drainageschlauches beginnen die physiotherapeutische Behandlung und die Mobilisation des Kniegelenkes. Das operierte Gelenk sollte bis vier Wochen nach der Operation nicht voll belastet und nicht weiter als 90° gebeugt werden. Ca. 20 kg Belastung an Gehstöcken (Fußsohlenkontakt) sind erlaubt. Am Ende Ihres stationären Aufenthaltes erhalten Sie ein detailliertes Nachbehandlungsschema, in welchem die weiteren Schritte der Rehabilitation erklärt und im zeitlichen Ablauf dargestellt sind.

Je nach individuellem Heilungsverlauf kann nach drei bis vier Monate nach der Operation - und nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt - mit einem leichten Lauftraining begonnen werden. Über die volle Sportfähigkeit verfügen Sie im Allgemeinen frühestens nach acht bis neun Monaten. Voraussetzung dafür ist eine gut trainierte Muskulatur und ein ausreichend geschultes Bewegungsgefühl.

In Abhängigkeit von der körperlichen Belastung in Ihrem Berufsalltag kann die Rückkehr in den Beruf in aller Regel nach wenigen Wochen erfolgen. Nach ca. zwei Wochen kann mit der Physiotherapie begonnen werden, um die Muskulatur des Kniegelenkes wieder zu kräftigen. Drei bis vier Wochen nach dem Verletzungsereignis sollte das Kniegelenk nochmals untersucht werden. Zusammen mit Ihrem Orthopäden wird dann über das weitere Vorgehen besprochen.