Spastik / infantile Zerebralparese

Neurochirurgische Klinik

Definition der Erkrankung

Spastik und infantile Zerebralparese – was ist das?

Wird das Gehirn von Babys oder Kindern zeitweise nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, sprechen Mediziner von einer infantilen Zerebralparese. Dies kann wiederum zu einer Spastik führen.

Die Unterversorgung kann bereits unter der Geburt auftreten oder auch später, beispielsweise durch eine Hirnblutung, Ertrinkungsunfälle oder Sauerstoffunterversorgung während der Geburt. 

Weitere Informationen

Symptome

Symptome einer infantilen Zerebralparese: Spastik, Muskelkrämpfe

Betroffene Kinder entwickeln bedingt durch die eingetretenen Schäden im Gehirn eine andauernde Verkrampfung der Muskulatur, eine sogenannte Spastik. Diese Spastik zeigt sich vor allem in Armen und Beinen, was die kleinen Patienten später häufig an den Rollstuhl bindet. 

Auch sind die Kinder durch ihre Behinderung dauerhaft auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Doch neueste medizinische Erkenntnisse und die Entwicklung von Medikamentenpumpen und operativen Methoden versprechen eine dauerhafte Besserung der spastischen Muskelkrämpfe.

Ursachen

Ursachen einer Spastik bzw. infantilen Zerebralparese

Die Unterversorgung des Gehirns mit zu wenig Sauerstoff kann bei Säuglingen bereits unter der Geburt auftreten. Aber auch Unfälle im Kindesalter wie  Ertrinkungsunfälle oder Unfälle die zu einer Hirnblutung führen, können eine infantile Zerebralparese auslösen.

Ablauf der Behandlung

So behandeln wir Spastiken bei Kindern mit Zerebralparese

Als eines der ersten Zentren deutschlandweit können unsere Neurochirurgen an der Universitätsklinik Heidelberg Kindern mit Spastik infolge einer infantilen Zerebralparese mit der sogenannten selektiven dorsalen Rhizotomie ein neuartiges chirurgisches Verfahren anbieten. Die Wirksamkeit dieser Operation liegt weit über den Möglichkeiten der bisher durchgeführten Kombination aus konservativer Behandlung und orthopädischen Eingriffen. Besonders Kinder, bei denen hauptsächlich beide Beine stark von der Spastik betroffen sind, profitieren von dieser operativen Therapie.

Ein Plus an Beweglichkeit und Lebensqualität dank innovativer OP-Methode

Der neuartige mikrochirurgische Eingriff wird derzeit nur in vier deutschen Kliniken durchgeführt. Dabei suchen und durchtrennen unsere Chirurgen gezielt die Nervenfasern, die die spastischen Muskelverkrampfungen in den Beinen verursachen. Indem mit Hilfe unseres Neuromonitorings die Funktionen benachbarter Nervenfasern überwacht werden können, kann die Operation ohne Funktionsverlust gesunder Nerven durchgeführt werden. Das Ergebnis des Eingriffs bedeutet für die Kinder in der Regel ein deutlich verbessertes Steh- und Gehvermögen. Auch fallen durch die Reduktion der Spastik spätere orthopädische Korrekturoperationen häufig geringer aus oder können sogar ganz vermieden werden. Selbst Verbesserungen des Sprachvermögens und der Beweglichkeit der Arme und Hände sind möglich.
Das beste Alter der Kinder für diese Operation liegt zwischen 5 und 8 Jahren, aber auch ältere Kinder und Jugendliche profitieren von diesem Verfahren. Grundvoraussetzung ist eine ausreichende Muskelkraft in den Beinen und Motivation zur Physiotherapie, da die Beine nach der Operation schwach sind und die Muskelkraft erst wieder trainiert werden muss. Die Auswahl und Betreuung der für den Eingriff geeigneten Kinder übernimmt in unserer Klinik ein interdisziplinäres Team aus Neuropädiatern, Neuroorthopäden und pädiatrischen Neurochirurgen.

Medikamentenpumpe – eine wirksame Behandlungsoption bereits ab dem Säuglingsalter

Ebenfalls bieten wir in Heidelberg eine erweiterte medikamentöse Therapie an. Diese umfasst neben der bekannten Tablettengabe oder Botox-Injektionen zur Muskelentspannung auch die Implantation spezieller Medikamentenpumpen (Lioresalpumpen). Denn je früher eine wirksame Behandlung der Spastik beginnt, desto eher können Folgen wie Gelenkversteifungen, Verkrümmungen der Wirbelsäule und korrigierende orthopädische Eingriffe vermieden werden. So behandeln wir bereits Kinder im Säuglingsalter durch die Implantation einer Medikamentenpumpe.

Die Pumpe gibt dabei über einen feinen Schlauch ein muskelentspannendes Medikament direkt in die Rückenmarksflüssigkeit ab. Da das Medikament hierdurch unmittelbar an den Ort der Entstehung der Spastik gelangt, kann es sehr niedrig dosiert werden. In der Regel verwenden wir dabei programmierbare Pumpen, die sich an die alltäglichen Bedürfnisse des Kindes anpassen lassen.

Bestehen nach eingehender fachärztlicher Untersuchung noch Unsicherheit oder Zweifel bezüglich der Wirksamkeit des Eingriffs, kann die Pumpe in einer Testphase zunächst außerhalb des Körpers platziert werden. Stellt sich die Behandlung als wirksam heraus, wird die Pumpe nach etwa drei Wochen fest implantiert.

Das zeichnet uns aus

  • Jahrzehntelange Erfahrung und höchste Expertise bei der operativen und intensivmedizinischen Behandlung von Kindern mit neurologischen Erkrankungen
  • Routinierte Anwendung aller etablierten sowie innovativen chirurgischen Behandlungstechniken wie: Implantation programmierbarer Medikamentenpumpen, selektive dorsale Rhizotomie
  • Umfassende medizintechnische Ausstattung von der Diagnostik, über die OP-Technik bis zur intensivmedizinischen Versorgung: neueste Shunt-Technologie (einstellbare, schwerkraftassistierte Ventile, Antibiotika-beschichtete Schläuche, etc.), spezielle Diagnostik mit Liquorflussmessungen, moderne Neuro-Endoskope, intraoperatives CT und MRT, hochspezialisierte Operationsmikroskope, Neuronavigation im Operationssaal, intraoperatives Neuromonitoring, spezielle Ausstattung für Kernspinaufnahmen beatmeter Patienten 
  • Risikoarme Eingriffe dank modernster Narkose-Verfahren und kindgerecht optimierter Operationsabläufe
  • Unterstützung und Miteinbeziehung der Angehörigen in den Behandlungsprozess durch transparente Aufklärung
  • 24h/7d-Angehörigen-Telefon, psychologische Unterstützung

Spezialisten

  • PD Dr. med. Heidi Bächli

    Schwerpunkt

    Neurochirurgische Erkrankungen im Kindesalter, Spastikbehandlung, Hydrocephalus, Entwicklungsstörungen (ZNS), kindliche Hirntumore