Vulvakarzinom / Vaginalkarzinom
Gut behandelbare, aber seltene Erkrankungen
Das Vulvakarzinom und das Vaginalkarzinom gehören zu den selteneren gynäkologischen Krebserkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 300 bis 400 Frauen an einem Vulvakarzinom, während das Vaginalkarzinom noch seltener ist. Meist betrifft die Erkrankung Frauen nach den Wechseljahren, doch auch jüngere Patientinnen können betroffen sein.
Beide Erkrankungen entwickeln sich häufig schleichend und verursachen zunächst nur unspezifische Beschwerden. Dank moderner Diagnostik, schonender chirurgischer Verfahren und interdisziplinärer Zusammenarbeit bestehen heute sehr gute Heilungschancen. An der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg werden Patientinnen durch ein erfahrenes Team aus gynäkologischen Onkologinnen und Onkologen betreut – mit hoher medizinischer Expertise und persönlicher Zuwendung.
Vulvakarzinom
Krebserkrankung der äußeren Genitalregion
Ursachen und Formen
Das Vulvakarzinom betrifft die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane – also Schamlippen, Klitoris und Scheidenvorhof. Die häufigste Form ist das Plattenepithelkarzinom, das etwa 90 % der Fälle ausmacht. Seltener treten Melanome, Basalzellkarzinome, Adenokarzinome oder Sarkome auf. Ein Teil der Erkrankungen wird – ähnlich wie beim Gebärmutterhalskrebs – durch eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) verursacht. Andere Formen entstehen auf dem Boden chronisch entzündlicher Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus.
Symptome
Typische Beschwerden sind anhaltender Juckreiz, Brennen oder Schmerzen im Genitalbereich, Knoten, Verhärtungen oder Hautveränderungen, offene Stellen oder Blutungen sowie Ausfluss oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Sitzen. Solche Veränderungen sollten immer gynäkologisch abgeklärt werden – insbesondere, wenn sie über längere Zeit bestehen oder sich verändern.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst eine gründliche Untersuchung der Vulva, häufig mit einer Kolposkopie (Betrachtung unter Vergrößerung). Verdächtige Haut- oder Schleimhautareale werden durch eine Biopsie (Gewebeprobe) untersucht. Zur Beurteilung der Tumorausdehnung und möglicher Metastasen kommen Ultraschall, MRT oder CT zum Einsatz. Ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist außerdem die Bestimmung des Lymphknotenstatus in der Leiste, um eine mögliche Ausbreitung der Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Alle Befunde werden im interdisziplinären Tumorboard besprochen, um ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept zu erstellen.
Therapie
Die wichtigste Behandlung ist die operative Entfernung des Tumors. Ziel ist, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen und gleichzeitig Funktion und Lebensqualität zu erhalten. In frühen Stadien kann häufig eine organerhaltende, lokal begrenzte Operation durchgeführt werden.
Bei größeren Tumoren kann eine weitergehende Operation notwendig sein. In solchen Fällen können rekonstruktive Eingriffe mit Lappenplastiken (V-Y-Lappenplastiken, Lotus-Petal-Lappen) erforderlich werden, um Form und Funktion der Vulva wiederherzustellen. Diese Eingriffe erfolgen in enger Kooperation mit der Abteilung für Plastische Chirurgie.
Neben der Entfernung des Tumors werden in der Regel auch die Lymphknoten in der Leiste untersucht, um festzustellen, ob sich Tumorzellen bereits ausgebreitet haben. Dabei setzen wir häufig die Wächterlymphknoten-Technik (Sentinel-Lymphknoten) ein – ein schonendes Verfahren, bei dem gezielt nur die ersten Lymphknoten geprüft werden, in die die Lymphflüssigkeit aus dem Tumorgebiet abfließt. So kann das Risiko einer Ausbreitung sicher beurteilt und gleichzeitig unnötige Eingriffe vermieden werden.
Wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden kann oder Lymphknoten befallen sind, erfolgt ergänzend eine Strahlen- oder kombinierte Radiochemotherapie.
In fortgeschrittenen Stadien oder bei einem Rückfall wird die Therapie individuell abgestimmt. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung kann bei speziellen Behandlungsformen ein individuell begründeter Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse notwendig werden, den wir gemeinsam mit unseren Patientinnen vorbereiten und begleiten.
Vaginalkarzinom
Krebserkrankung der Scheide
Ursachen und Häufigkeit
Das Vaginalkarzinom ist eine sehr seltene Krebserkrankung, die überwiegend Frauen nach den Wechseljahren betrifft. Die häufigste Form ist das Plattenepithelkarzinom; seltener treten Adenokarzinome, Melanome oder Sarkome auf. Risikofaktoren sind persistierende HPV-Infektionen, frühere Zervixkarzinome, vaginale intraepitheliale Neoplasien (VAIN) oder vorangegangene Bestrahlungen im Beckenbereich.
Symptome
Typische Anzeichen können Juckreiz, Blutungen oder Ausfluss, insbesondere nach dem Geschlechtsverkehr, ein Druckgefühl im Becken, Unterbauchschmerzen oder Veränderungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang sein. Da diese Beschwerden unspezifisch sind, ist eine frühzeitige gynäkologische Abklärung wichtig.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt durch eine gynäkologische Untersuchung mit Kolposkopie und gezielter Gewebeentnahme (Biopsie). Zur Bestimmung der Tumorausbreitung dienen bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Alle Fälle werden im interdisziplinären Tumorboard gemeinsam mit Radiologie, Strahlentherapie und Onkologie besprochen.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach Tumorgröße, Lokalisation und Krankheitsstadium. In frühen Stadien kann eine operative Entfernung des Tumors möglich sein – wenn immer machbar unter Erhalt der Scheidenfunktion. Häufig wird das Vaginalkarzinom primär mit einer Strahlentherapie behandelt, mit dem Ziel einer vollständigen Heilung. Dabei kommen moderne Techniken wie die 3D-konformale Strahlentherapie oder die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) zum Einsatz, die eine präzise Bestrahlung bei gleichzeitiger Schonung der Nachbarorgane ermöglichen.
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg – Expertise und Menschlichkeit
Die Behandlung von Vulva- und Vaginalkarzinomen erfordert hohe fachliche Erfahrung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Einfühlungsvermögen. An der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg werden Patientinnen durch ein spezialisiertes Team betreut, das eng mit den Kolleginnen und Kollegen des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT Heidelberg), der Strahlentherapie und der Plastischen Chirurgie zusammenarbeitet. Unser Ziel ist eine individuelle, leitliniengerechte und empathische Behandlung, die medizinische Exzellenz mit Menschlichkeit verbindet. Patientinnen profitieren von modernsten Therapieverfahren, der Möglichkeit zur Teilnahme an klinischen Studien und einer ganzheitlichen Betreuung.
Ihr Weg zu uns
Wenn bei Ihnen der Verdacht auf ein Vulva- oder Vaginalkarzinom besteht oder Sie eine Zweitmeinung wünschen, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Wir beraten Sie umfassend und begleiten Sie durch alle Phasen der Behandlung – persönlich, kompetent und individuell.
Terminanfrage
Sprechstunde Zentrum für gynäkologische Krebserkrankungen:
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