Schwangerschaft und Geburtshilfe
Die Forschung in der Schwangerschaft und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Heidelberg verfolgt das Ziel, die Gesundheit von Mutter und Kind durch innovative wissenschaftliche Erkenntnisse nachhaltig zu verbessern. Als Teil eines universitären Spitzenzentrums verbinden unsere Arbeitsgruppe klinische Exzellenz mit translationaler und grundlagenwissenschaftlicher Forschung, um neue diagnostische und therapeutische Ansätze für Schwangerschaftskomplikationen zu entwickeln.
Ein zentraler Forschungsschwerpunkt ist die Präeklampsie – eine der bedeutendsten schwangerschaftsassoziierten Erkrankungen mit potenziell schwerwiegenden Folgen für Mutter und Kind. Unsere Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die frühzeitige Erkennung, die Identifikation neuer Biomarker sowie das bessere Verständnis der zugrunde liegenden plazentaren und immunologischen Mechanismen.
Darüber hinaus ist das Heidelberger Zentrum für Placenta Accreta Spectrum (PAS) ein wichtiger Fokus unserer klinischen und wissenschaftlichen Arbeit. Als spezialisiertes Referenzzentrum widmen wir uns der Verbesserung von Diagnostik, Risikostratifizierung und operativen Behandlungskonzepten bei komplexen Plazentationsstörungen. Die enge Verzahnung von klinischer Versorgung und Forschung ermöglicht es, neue Erkenntnisse unmittelbar in die Patientenversorgung zu übertragen. Das Universitätsklinikum Heidelberg ist als spezialisiertes Zentrum für die Betreuung von Patientinnen mit Placenta-Accreta-Spektrum-Erkrankungen etabliert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Grundlagenforschung zur Immunbalance während der Schwangerschaft. Die erfolgreiche Schwangerschaft erfordert ein fein abgestimmtes Gleichgewicht zwischen mütterlicher Immunabwehr und immunologischer Toleranz gegenüber dem Fetus. Unsere Forschungsgruppe untersuchen die zugrunde liegenden zellulären und molekularen Mechanismen dieser Immunregulation sowie deren Bedeutung für Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, fetale Wachstumsstörungen und Frühgeburtlichkeit. Ziel ist es, neue therapeutische Strategien zu entwickeln, die eine gesunde Schwangerschaft fördern und Risiken frühzeitig erkennen lassen.
Durch die enge Zusammenarbeit von klinischer Forschung, translationalen Projekten und experimenteller Grundlagenwissenschaft leistet die Geburtshilfe Heidelberg einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der modernen Perinatalmedizin – mit dem Anspruch, wissenschaftliche Innovationen direkt zum Nutzen unserer Patientinnen und ihrer Kinder einzusetzen.
Immunbalance in der Schwangerschaft
Wie das Immunsystem eine Schwangerschaft schützt
Ein Forschungsprojekt zur feto‑maternalen Immuntoleranz:
- Rolle der ICOS⁺/ICOS⁻ Treg- und Tresp-Zell-Differenzierung für Toleranz, Geburtsbeginn und Komplikationen
Damit eine Schwangerschaft gelingt, muss das Immunsystem der Mutter eine außergewöhnliche Balance schaffen: Es soll die Mutter weiterhin vor Infektionen schützen, gleichzeitig aber den Fetus tolerieren – obwohl dieser zur Hälfte genetisch „fremd“ ist. Diese besondere Form der Immuntoleranz ist einer der faszinierendsten biologischen Prozesse überhaupt.
Dabei spielen nicht nur T-Zellen eine zentrale Rolle die das Immunsystem unterdrücken, sogenannte regulatorische T‑Zellen (Treg), sondern auch Effektor‑T‑Zellen, die das Immunsystem aktivieren und als Responder‑T‑Zellen (Tresp) bezeichnet werden. Treg verhindern, dass das Immunsystem überreagiert, während Tresp notwendige Abwehrreaktionen unterstützen. Gerät dieses fein abgestimmte Gleichgewicht aus der Balance, können schwerwiegende Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, HELLP‑Syndrom oder vorzeitige Wehentätigkeit entstehen.
Was wir erforschen
Unsere Arbeitsgruppe untersucht, wie sich bestimmte Treg und Tresp Zell‑Subpopulationen während der Schwangerschaft entwickeln und wie Hormone, Alter und andere Faktoren diese Prozesse beeinflussen. Besonders interessieren uns T‑Zellen, die das Molekül ICOS (Inducible T- cell CO Stimulator) tragen – ein wichtiger Schalter für ihre Aktivierung und Funktion.
Diese Zellpopulationen (ICOS+ und ICOS- Treg/Tresp) sind nicht nur in der Schwangerschaft von besonderer Bedeutung. In enger Zusammenarbeit mit den Abteilungen Nephrologie und Rheumatologie der Universität Heidelberg konnten wir bereits zeigen, dass die alters‑ und hormonabhängige Differenzierung dieser Zell-Populationen einen empfindlichen immunologischen Knotenpunkt bei Autoimmunerkrankungen, terminalem Nierenversagen, und Nierenersatzverfahren (Dialyse, Transplantation) darstellt. Zudem sind sie in geschlechtsspezifische Abstoßungsreaktionen nach Nierentransplantation involviert.
Warum das wichtig ist
Viele schwangerschaftsbedingte Erkrankungen entstehen, weil das Immunsystem aus dem Gleichgewicht gerät. Dennoch wissen wir bis heute erstaunlich wenig darüber, wie genau die Immunzellen zu Beginn der Schwangerschaft „umprogrammiert“ werden und was passiert, wenn dieser Prozess gestört ist.
Ein besseres Verständnis dieser Mechanismen könnte langfristig dazu beitragen,
- Risikopatientinnen frühzeitig zu identifizieren,
- neue diagnostische Marker zu entwickeln,
- und gezielte immunmodulierende Therapien zu ermöglichen.
Unser Ziel
Um besser zu verstehen, wie das Immunsystem eine gesunde Schwangerschaft ermöglicht, untersucht unser Projekt mehrere zentrale Aspekte der T‑Zell‑Differenzierung. Besonders interessieren uns Veränderungen, die ganz zu Beginn der Schwangerschaft auftreten und den weiteren Verlauf entscheidend prägen.
Was wir im Detail erforschen
- Veränderungen zu Beginn der Schwangerschaft: Wir analysieren, wie sich die Differenzierung von frisch aus dem Thymus ausgeschütteten, als „Recent-Thymic-Emigrant bezeichnete Zellen von regulatorischen und Responder-T-Zellen (ICOS⁺ und ICOS⁻ RTE‑Treg und RTE‑Tresp) unmittelbar nach Eintritt der Schwangerschaft verändert und welche Signale diese Prozesse steuern.
- Aufrechterhaltung der Immuntoleranz: Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf zu verstehen, wie hormonelle Einflüsse die toleranzfördernde Differenzierung dieser Zellen während der gesamten Schwangerschaft stabilisieren.
- Rückkehr in den nicht‑schwangeren Zustand: Wir untersuchen, wie sich diese immunologischen Anpassungen während der spontanen Geburt wieder zurückbilden und das Immunsystem in seinen Ausgangszustand übergeht.
- Störungen bei Schwangerschaftserkrankungen: Darüber hinaus wollen wir herausfinden, welche Abweichungen in diesen Prozessen bei schwangerschaftsspezifischen Erkrankungen auftreten – etwa bei Präeklampsie, HELLP‑Syndrom oder Formen der vorzeitigen intrauterinen Aktivierung (z. B. Frühgeburt, vorzeitigem Blasensprung oder vorzeitiger Zervixverkürzung).
Mitarbeiter:
Helmut Simon (MTA)
Elodie Salmim Bauer (Doktorandin)
Ida Carlotta Teutsch (Doktorandin)
Lisa Wu (Doktorandin)
Kooperationspartner:
Prof. Dr. med. J. Weinmann-Menke,
Prof. (apl) Dr. med. M. Schaier
Innere Medizin - Nephrologie, Universitätsklinik Heidelberg
Prof. Dr. med. Hanns-Martin Lorenz
Innere Medizin - Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie
Universitätsklinik Heidelberg
PAS
PAS - Systematische Evaluation der Diagnostik, Therapie und des klinischen Outcomes bei Frauen mit Plazentationsstörungen – retrospektive Analyse zu maternaler Morbidität und intraoperativem Management bei Placenta praevia-Patientinnen mit beziehungsweise ohne Placenta accreta Spektrum (PAS).
Präeklampsie
Systematische Evaluation des EASIX-Quotienten für die Vorhersage maternaler und neonataler Komplikationen bei Frauen mit hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen
Zervixinsuffizienz/Pessartherapie
Retrospektive Datenanalyse der letzten 10 Jahre, welche den Nutzen der Pessartherapie zur Prävention der Frühgeburt insbesondere bei spät aufgetretener Zervixinsuffizienz >24+0 SSW untersucht. Ebenso wird untersucht, ob das Legen von Pessaren mit einer erhöhten Morbidität oder Mortalität des Ungeborenen einhergeht.
Perioperative Schmerztherapie
Interdisziplinäres Projekt von Geburtshilfe und Anästhesie
Retrospektive Analyse zum Effekt des bilateralen Transverse abdominis plane (TAP) Blocks mit 0,5% Ropivacain nach Sectio caesarea auf den postoperativen Analgesiebedarf innerhalb der ersten 24 Stunden.
AoD: Prädiktor für den erfolgreichen Spontanpartus
Prospektive Studie über den Angle of Descent (AoD) als Prädiktor bei der Geburtsplanung zur Vorhersage einer erfolgreichen Spontanpartus. Eine erfolgreiche vaginale Geburt kann zum aktuellen Zeitpunkt nur schwer vorhergesagt werden. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung während der Geburtsplanung möchten wir einen Marker finden, der uns hilft vorherzusagen, ob eine vaginale Geburt gelingen wird.
Prävention Geburtstrauma
Interdisziplinäres Projekt von Geburtshilfe und Psychosomatik
Psychosomatische Evaluation prä- und postpartal
Intensivierte Begleitung der Schwangeren/Wöchnerinnen im stationären Verlauf
Forschende


Wissenschaftliche Karriere fördern – Zukunft gestalten
Exzellente Forschung lebt von engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Deshalb ist die Förderung des akademischen Nachwuchses ein zentraler Bestandteil unserer Forschungsstrategie in der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Heidelberg.
Wir unterstützen Kolleginnen und Kollegen dabei, wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln, eigenständige Forschungsprofile aufzubauen und den Weg zur Habilitation erfolgreich zu gestalten. Durch individuelle Mentoring-Strukturen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Einbindung in innovative Forschungsprojekte schaffen wir optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche akademische Karriere.
Ein besonderes Anliegen ist uns die Förderung von unseren Kolleginnen. Wir möchten mehr Frauen für eine langfristige akademische Laufbahn begeistern, sie auf ihrem Weg zur Habilitation gezielt begleiten und ihre Führungsrolle in der universitären Forschung stärken. Vielfalt und Chancengleichheit verstehen wir dabei als entscheidende Faktoren für wissenschaftliche Exzellenz und Innovation.
Unser Ziel ist es, ein inspirierendes Forschungsumfeld zu schaffen, in dem Talente ihr Potenzial entfalten, neue Ideen entwickeln und die Geburtshilfe von morgen aktiv mitgestalten können.
Spenden
Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere Forschung, Lehre oder Patientenversorgung mit einer Spende unterstützen.
Herzlichen Dank.
Publikationen 2025
- El Damaty, Ahmed et al.: The first experience with 16 open microsurgical fetal surgeries for myelomeningocele in Germany
- Killinger, Kristina et al.: Preuse Acceptance of a Family-Centered, Need-Based, and Interprofessional Perinatal Care Mobile Health Intervention: Exploratory Study
- Kälble, Florian et al.: Exhaustion of CD8pos central memory regulatory T cell differentiation is involved in renal allograft rejection
- Hengst, Clara et al.: Maternal Gestational Diabetes Impairs Fetoplacental Insulin-Induced Vasodilation via AKT/eNOS Pathway and Reduces Placental Efficiency
- Pecks, Ulrich et al.: SARS-CoV-2 infection in pregnant women and incidence of thromboembolic disease: an analysis of the Covid-19-Related Obstetric and Neonatal Outcome Study (CRONOS) in Germany
- Hoffmann, Janine et al.: Canonical and non-canonical PRC1 differentially contribute to regulation of neural stem cell fate
- Carstens, Philine et al.: Characterization of human placental fetal vessels in gestational diabetes mellitus
- Vollart, Bianka et al.: Subjective Birth Experience and Person-Centred Care in Obstetrics: Study Protocol of the Prospective Mixed-Methods Research Project RESPECT
- Porstendorfer-Almeida Froz, Christin et al.: Mistreatment and Discrimination during Childbirth, Associations with Symptoms of Childbirth-Related Posttraumatic Stress Disorder and the Mediating Role of the Subjective Birth Experience
- Epple, Franziska et al.: Early psycho-social support of pregnant women at risk for preeclampsia and fetal intrauterine growth restriction
- Ditzer, Nora et al.: Epigenome profiling identifies H3K27me3 regulation of extracellular matrix composition in human corticogenesis







