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AZF-Bruch und Gen-Diagnostik

In der Sektion wird auf der männlichen Seite bei:

  • Patienten mit nicht-obstruktiver Azoospermie und SCO Syndrom oder
  • Idiopathischer Oligozoospermie (5-10 Millionen Spermien pro Ejakulat), oder mit
  • OAT-Syndrom

die molekulare Diagnostik der AZFa, b, c Bruchpunkte in Yq11 und der 16 Gene in AZFa, b, c angeboten. Durch die generelle Verwendung von PCR-Multiplex-Systemen wird dabei ein kostengünstiges molekulargenetisches Diagnostik-System mit Europäischem Qualitätsstandard angeboten, was dennoch eine komplexe Gen-Deletions Diagnostik erlaubt. Positive und negative Kontrollexperimente im Parallelansatz sorgen für eine transparente und damit rasche Analyse potentieller Fehlerdaten. Mit diesem System dienen wir auch dem europäisch koordinierten Qualitätsmanagement (http://www.emqn.org/bp.php) für die Analyse von Yq11-Mikrodeletionen als Referenzlabor.

Erste Richtlinien für eine einfache AZF-Deletionsdiagnostik mit 6 PCR-Duplex-Ansätzen wurden publiziert Simoni et al. 1999. Für die für die Klinik wichtigste Diagnostik kompletter AZF-deletionen muß diese aber in der Regel durch minimal 2, maximal 6 weitere PCR-Duplex oder Simplex-Ansätze erweitert werden.

Da nun die humane Y-DNA Sequenz komplett bekannt ist , kann diese 2-stufige genomische AZF-Deletionsdiagnostik durch eine gezielte AZF-Bruchpunkt und AZF-Gendiagnostik wesentlich verbessert werden.

Für die Klinik ist insbesondere die Differentialdiagnostik kompletter und partieller AZFa und AZFb Deletionen wichtig. (Vogt, 2005).

Nur komplette Deletionen lassen eine Prognose auf die zu erwartende testikuläre Pathologie im Hodenepithel des Patienten zu.

Komplette AZFa Deletionen führen in der Regel zu einer kompletten Keimzell-Aplasie, auch Sertoli-Cell-Only-Syndrom genannt, komplette AZFb Deletionen zu einem meiotischen Arrest. Postmeiotische Keimzellen werden in beiden Fällen nicht im Hodenepithel dieser Patienten gefunden. Partielle AZFa und AZFb Deletionen mit variablen histologischen Bildern in Hodenschnitt-Präparaten der betroffenen Patienten weisen darauf hin, daß diese Deletionen u.U. kausal nicht für die Infertiliät des Patienten verantwortlich sind.

Komplette AZFc Deletionen führen in der Regel zu einer Reduktion der Spermienzahl des Patienten unter 5 Millionen (Krausz et al. 2003). Aber nicht alle Männer mit AZFc Deletion sind infertil. In der Literatur wird mehrfach die Transmission einer kompletten AZFc Deletion vom Vater auf die Söhne beschrieben. Die positive Diagnostik von partiellen oder kompletten AZFc-Deletionen gibt in der Klinik in der Regel eine gute Prognose für das Auffinden von reifen Spermien im Hodengewebe nach TESE (Choi et al. 2004).

AZFc-Deletionen, die kausal zu einer hochgradigen Oligozoospermie, oder sogar Azoospermie beim Mann führen können zu 100% auf die männliche Nachkommenschaft übertragen werden, d.h. die Söhne dieser Väter sind von Geburt an steril. Daß diese AZF-Deletionen dann auch zu einem vollständigen Verlust des Y Chromosoms und damit zu X0 Zellen in der frühen Embryogenese führen können, lässt sich zur Zeit nicht ausschließen (Vogt, 2004). Die entstehenden Mosaik-Karyotypen: 45,X0/46,XY werden in der Fachliteratur kausal für das Erscheinen von dysgenetischen Gonaden, für das Turner Syndrom, und für weitere somatische Pathologien verantwortlich gemacht (Chang et al.1990). Vor der Anwendung klinischer Befruchtungsverfahren sollten deshalb Männer mit AZFc-Deletionen bei Kinderwunsch auf diese generelle strukturelle Instabilität des Y-Chromosoms hingewiesen werden.