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POF Syndrom

Sektion Reproduktionsgenetik

Das POF-Syndrom bezeichnet den verfrühten Abbruch der weiblichen Eizellreifung und damit eine Menopause, die bereits vor dem 40 sten Lebenjahr klinisch erkennbar wird. POF kommt mit 1% sehr häufig bei Frauen vor. Etwa 30% der Fälle gelten als genetisch bedingt. Am bekanntesten, da bereits im Chromosomenbild erkennbar, ist das Turner-Syndrom (45,X0 Chromosomensatz).

Das durchschnittliche Menopausenalter in Deutschland liegt -mit großer Bandbreite- bei 51 Jahren. Tritt die Menopause vor dem 40. Lebensjahr ein, so spricht man allgemein von einer verfrühten Menopause, dem POF-Syndrom. Neben genetischen Ursachen sind als Ursachen für das POF-Syndrom vor allem alle Arten von Autoimmunkrankheiten, daneben die Galaktosämie, Tumore, virale Infektionen oder die Myasthenia gravis anzuführen. Nach Strahlen- oder Chemotherapie, nach Drogenkonsum oder nach Stress tritt ebenfalls oft sekundär ein POF-Syndrom auf.

Die bisherige, eher nicht genetisch orientierte, POF-Diagnostik zu ergänzen durch eine molekulare Funktionsdiagnostik potentieller Kandidatengene für das POF-Syndrom, verbessert somit deutlich die bisherige Routine der klinischen Diagnostik und wird helfen, diese grosse und heterogene Patientengruppe in homogene Subgruppen aufzuteilen.

Was sind POF-Kandidatengene?

 Es sind gewissermassen die Schaltzentralen der weiblichen Keimzellreifung. Es ist zu erwarten, dass ein POF-Syndrom durch Mutationen in jedem dieser Gene verursacht werden kann. Wie hoch aber die zu erwartende Häufigkeit einer bestimmten Gen-Mutation ist, lässt sich schwer vorhersagen?

Ganz allgemein kann man feststellen, dass die Häufigkeit von funktionell störenden Gen-Mutationen in der weiblichen Bevölkerung mit 1:100.000 oder 1:1.000000 eher gering ist. Wichtig ist es deshalb klinisch definierte Patienten-Subgruppen zu bilden, wodurch z. B. die mögliche Unterbrechungsphase(n) der Keimzellreifung bereits über Ultraschall, oder noch besser über eine Laparoskopie diagnostisch bekannt ist. In einer entsprechenden Eigen- und Familienanamnese durch den behandelnden Arzt wird deshalb zuerst die Möglichkeit einer nicht genetisch bedingten Ursache für das bei der Patientin erkannte POF-Syndrom so gut wie möglich ausgeschlossen. Auch als Bestandteil der Routinediagnostik wird dann eine Chromosomendiagnostik durchgeführt, um vor allem X-chromosomale Aberrationen bereits im Mikroskop zu erfassen.

Haben die Patientinnen einen normalen Chromosomensatz (46,XX), wird Ihnen in unserem molekulargenetischen Labor die kostenfreie Teilnahme an einer Studie zur Etablierung einer molekularen POF-Gendiagnostik angeboten. Dazu werden aus einer EDTA-Blutprobe der Patientinnen DNA und RNA aus den Leukozyten gewonnen. Ist klinisch eine histologische Diagnostik notwendig mittels Laparoskopie kann –das Einverständnis der Patientin vorausgesetzt- mit einem Teil des Gewebes die Abbruchphase der Eizellreifung noch wesentlich genauer bestimmt werden.

Ein- und Ausschlusskriterien

Die POF-Gendiagnostik wird in der Hormonambulanz oder Kinderwunschambulanz  allen Patientinnen empfohlen, die sich in der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen mit dem klinischen und endokrinologischen Bild eines idiopathischen POF-Syndroms vorstellen. Kriterien sind eine primäre oder sekundäre hypergonadotrope, hypöstrogene Amenorrhoe mit FSH-Spiegeln > 20 mE/ml. Die Patientinnen müssen zudem jünger als 40 Jahre sein. Andere Ursachen des POF-Syndroms sind vorher auszuschliessen.

Die molekular- und cyto-genetische Diagnostik im Labor beginnt in der Regel mit der Gewinnung von DNA und RNA, bezw. den Chromosomen aus den Leukozyten. Sie sind über das Spenden einer Blutprobe des Patienten wesentlich leichter zugänglich als die Keimzellen. Für die DNA/RNA-Diagnostik müssen dazu 20 ml Vollblut in einem EDTA-Röhrchen ins Labor geschickt werden. Die Einsendung dieser Blutprobe schliesst ebenfalls die Beilage des zur angefragten Diagnostik zugehörigen Anamnese-Fragebogens (POF) mit ein, natürlich ausgefüllt mit allen klinischen Daten und eventuell Kopien bereits erhobener Befunde. Aus dem Restmaterial der Ovarbiopsie –falls vorhanden- werden Paraffinschnitte für die immunohistochemische Diagnostik hergestellt.

Die Befunde der molekularen POF-Gendiagnostik werden über den behandelnden Arzt auf Wunsch mitgeteilt, und der klinischen Akte des Patienten beigefügt. Sie liegen frühestens etwa 2 Monate nach Entnahme der Blut und Gewebeprobe vor. Mit dieser Untersuchung sind keine weiteren Risiken für die Patientin verbunden. Sowohl Blutentnahmen als auch die Ovarbiopsie im Rahmen der notwendigen diagnostischen Laparoskopie sind Bestandteil der klinischen Routine-Diagnostik.

Die Patientinnen werden vor Studienbeginn schriftlich und mündlich über Wesen und Tragweite der geplanten Untersuchung, insbesondere über den möglichen Nutzen für ihre Gesundheit und eventuelle Risiken aufgeklärt. Die Namen der Patientinnen und alle anderen vertraulichen Informationen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und den Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG). Die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes werden eingehalten. Dritte erhalten keinen Einblick in die Originalkrankenunterlagen.