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Heicudent - Entwicklung

Nach Verabschiedung der Approbationsordnung für Ärzte im Juni 2002 (ÄAppO) und der Einführung des Heidelberger Curriculum Medicinale – HEICUMED – an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg wurden erstmals alle traditionellen Elemente der medizinischen Wissensvermittlung, die zu einem sehr theoretischen Studium führten, auf den Prüfstand gehoben und zu großen Teilen durch praxisnahes und interdisziplinäres Arbeiten ersetzt. Die künftigen Mediziner erwerben ihr Wissen ausgehend von Beschwerdebildern der Patienten, anstatt zu versuchen, ihr Faktenwissen auf die Kranken zu übertragen. Das heißt, dass die Ausbildung nach dem neuen Curriculum dem Alltag eines klinisch tätigen Arztes, der von Symptomen auf die zugrunde liegende Krankheit schließt, deutlich näher kommt.

Zunächst üben die Studenten innerhalb gegenseitiger Maßnahmen oder an Simulationsmodellen. Erst nach diesem Training im geschützten Rahmen kommt es zum Patientenkontakt, was nicht zuletzt der Sicherheit der Patienten zugute kommt. Die Studierenden haben die Möglichkeit, immer wieder das Erstellen von Anamnesen zu üben und mit Laienschauspielern als Standardisierte Patienten ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.

Mit Hilfe  solcher neuen Lehrmethoden und neuen Prüfungsformen sowie der Ausbildung und des Trainings der verantwortlichen Dozenten steht zu erwarten, dass die Patienten in Zukunft von besser ausgebildeten Studenten und Ärzten behandelt werden. 

 

Dieser Entwicklung im Bereich des Humanmedizinischen Studiums muss die Reformierung des Studiums der Zahnmedizin dringend folgen.

Die Approbationsordnung für Zahnärzte (AOZ) besteht seit dem Jahr 1955.  Im Gegensatz zum humanmedizinischen Studium vor Änderung der ÄAppO sind seitdem im zahnmedizinischen Studiengang bereits praktische Lehrinhalte und praxisnahe Lehrformen integriert, die vorklinische Ausbildung beinhaltet Patientensimulationskurse bzw. die Simulationen elementarer Behandlungsschritte, die dem klinischen Studienabschnitt  und den dort integrierten Patienten-Behandlungskursen als Vorbereitung dienen. Auch die Prüfungsformen mit ihren praktischen Themenkomplexen und der selbständigen Therapie und Behandlung von Patienten entsprechen größtenteils den Prüfungsmethoden, die zukünftig als obligat einzuordnen sind.

Selbständiges, problemorientiertes und medienunterstütztes  Lernen sowie die Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit wurden allerdings vernachlässigt. Während bisher in extenso hochspezifische Fachkenntnisse vermittelt werden, sind soziale und kommunikative Kompetenzen sowie die Eigenverantwortung und Motivationssteigerung für das eigene Lernen oder die Sensitivität für die Sicht der Patienten in den Hintergrund gerückt. Doch gerade auch diese sowie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und Weiterbilden müssen ebenso vermittelt werden. Ebenso elementar ist die Integration der wissenschaftlichen Komponente. Auch der niedergelassene  Praktiker benötigt eine wissenschaftliche Kompetenz im Bezug auf kritisches Denken und den Umgang sowie die Einschätzung von Informationen. Er benötigt ein kritisches Grundlagenwissen bzgl.  der Mechanismen der Wissensaneignung sowie der wissenschaftlichen Methoden und Beweisführung um evidenz-basiert umfassende Zahnheilkunde in der Praxis durchführen zu können.

Zusammenfassend sollte aus einem neuen Curriculum der Zahnmedizin mit neuen Lehrmethoden und einer neuen Approbationsordnung auch eine bessere und kompetentere Versorgung der Patienten resultieren.

 

Ein Entwurf einer neuen zahnärztlichen Approbationsordnung wurde am 15.03. 2005 der Regierungskommission vorgelegt. Diese beinhaltet wesentliche Veränderungen:

Das Studium der Zahnheilkunde wurde in drei Anteile gegliedert, in den Semestern 1 bis 4 sollen die Lehrinhalte und Stundenkontingente der Humanmedizin entsprechen, d. h. es werden keine inhaltlich reduzierten Lehrveranstaltungen für Zahnmediziner angeboten. Allerdings müssen zusätzlich 2 Kurse Zahnmedizinischer Propädeutik, also Behandlungssimulationskurse, sowie 2 Praktika absolviert werden. Diese werden zukünftig durch die Fachbereiche Zahnerhaltungskunde und Zahnersatzkunde mit Inhalten gefüllt. Hinzu kommen ein Krankenpflegedienst und die Ausbildung in erster Hilfe.

Dieser vorklinisch propädeutische Block wird simultan zur Humanmedizin mit der ersten zahnärztlichen Prüfung  abgeschlossen, die der ersten ärztlichen Prüfung entsprechen soll.

In den Fachsemestern 5 und 6 werden im zweiten Studienabschnitt die allgemeinmedizinischen Grundlagen geschaffen und vertieft. Hinzu kommen Simulationskurse aller zahnmedizinischer Fachbereiche, die die Studenten intensiver auf den Patientenkontakt und die Behandlungskurse vorbereiten.

Abgeschlossen wird der zweite Studienabschnitt mit einer neuen zweiten zahnärztlichen Prüfung, die neben den humanmedizinischen Fachbereichen auch die zahnmedizinischen Fächer prüft.

Der klinische Studienabschnitt der Semester 7 bis 10 beinhaltet die integrierten Patientenbehandlungskurse, die Studenten werden in allen Fachdisziplinen praxisorientiert selbständig therapeutisch tätig.

Die dritte zahnärztliche Prüfung soll das Studium der Zahnheilkunde abschließen.

 

Die Hauptproblematik der aktuellen Curriculumsentwicklung besteht darin, dass einerseits durch Heicumed der zukünftig (Entwurf AOZ) zahnmedizinisch identisch ablaufende vorklinische Studienabschnitt der Semester 1 bis 4 bereits reformiert wurde und die Studentenaufnahme jährlich jeweils zum Wintersemester erfolgt, was gleichermaßen bedeutet, dass auch die Zahnmediziner jährlich mit einer Kohorte von 80 Studenten pro Semester ins Studium starten, andererseits aber noch keine neue Approbationsordnung für Zahnärzte einer Änderung des Gesamtcurriculums zugrunde liegt. Die Kompatibilität der neuen ÄAppO mit der bestehenden AOZ ist zudem stark eingeschränkt, da die Zeitkontingente der Heicumed – Blockunterrichte während der Semester 1 bis 4  keine zusätzlichen zahnmedizinischen Kurse zulassen. De facto rücken die vorgeschriebenen 3 vorklinischen Phantomkurse der Zahnheilkunde (gültige AOZ) zur  Zeit  ans Ende des vierten Fachsemesters bis ins Fachsemester 5.

Aufgrund der aktuellen politischen Situation bleibt zudem abzuwarten, wann mit einer Verabschiedung der neuen AOZ, oder überhaupt einer Bearbeitung, zu rechnen ist.

Die Schwierigkeit der curricularen Veränderung besteht in der Gültigkeit der aktuellen AOZ. Diese sieht 5 Semester Vorklinik, Physikum und darauf folgend 5 klinische Fachsemester vor, was mit dem Entwurf der AOZ vom März diesen Jahres nur schwer kompatibel ist.

Aus diesem Grund erfolgte in diesem Jahr bereits eine Weichenstellungen bzgl. Heicudent, die Studentenzahl pro Semester erhöhte sich durch Heicumed von 40  auf 80 Studenten. Dies mußte zwangsläufig eine Umstrukturierung aller Fachsemester zur Folge haben.

Da die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik bisher den größten Lehranteil am Gesamtstudium der Zahnheilkunde hat, nach gültiger AOZ werden alle 3 vorklinischen und zusätzlich 2 klinische Kurse unsererseits durchgeführt, wurden die propädeutischen Kurse bereits in Inhalt und Form überarbeitet.

Hierbei wurde versucht, einerseits der gültigen AOZ zu genügen, andererseits bereits Elemente, Lehrmethoden und interdisziplinäre Inhalte nach neuem AOZ -Entwurf in die Kurse zu integrieren und unerwünschte Redundanzen auszuräumen.

Grundlage der Überlegungen bildeten die Richtlinien der Association of Dental Education in Europe (ADEE), des Wissenschaftsrates (WR) und der VHZMK (Hochschullehrervereinigung), um die zukünftigen Kompetenzen festzulegen.

Das  „Konsenspapier“ der ADEE (2004), die „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Zahnmedizin an den Universitäten in Deutschland“ des WR (2005) und die Kommissionspapiere verschiedener Fachbereiche der VHZMK (2004) fordern sowohl strukturelle als auch inhaltliche Änderungen. Diese sind größtenteils im Entwurf der AOZ vom März 2005 sowie in unseren Gedanken berücksichtigt.

Leitfrage aller Reformgedanken sollte die Frage „Was soll der Zahnarzt nach einem Studium der Zahnheilkunde an der Universität Heidelberg in seiner Praxis können?“ sein. Gemäß dieser Fragestellung wurden die Grundkompetenzen des künftigen Zahnmediziners neu definiert.

Nach Festlegung dieser Kompetenzen erfolgte die Zusammenstellung dafür notwendiger Lernzielkataloge und die Überlegungen bzgl. der Inhalte und Methoden, diese zu vermitteln. Unser besonderer Dank gilt hier den Kolleginnen und Kollegen, die maßgeblich an der Curriculumsentwicklung Heicumed beteiligt sind und uns mit ihren Erfahrungen und Ideen unterstützen sowie den Verantwortlichen aller an der Curriculumsentwicklung beteiligten Fachbereiche.

 

Es wurden neue Simulationen, OSCE - Prüfungen, interdisziplinäre Themenkomplexe und Problemorientiertes Lernen in die vorklinischen Kurse integriert. Die Fachbereiche Kieferorthopädie und Zahnerhaltung erhielten wesentliche Lehrinhalte und Lehrzeiten innerhalb der prothetischen Simulationskurse, um einen didaktisch sinnvolleren Aufbau und interdisziplinäres Lehren schon vor Verabschiedung einer neuen AOZ in die vorklinischen Semester einzuführen. Als Projektidee soll im nächsten Jahr ein Kommunikationstraining mit Hilfe standardisierter Patientenfälle (Laienschauspieler, Medi – Kit), wie es in Heicumed bereits durchgeführt wird, Inhalt der vorklinischen zahnmedizinischen Ausbildung  sein.

Diesen Überlegungen zum vorklinischen Studienabschnitt muss nun die Umstellung der klinischen Semester folgen. Die Definition der Kompetenzen, die Erstellung der entsprechenden Lernzielkataloge und die abschließende inhaltliche Diskussion über Methoden und Inhalte stellen die nächste Herausforderung dar.

 

Auf Grundlage der noch gültigen AOZ und der entsprechenden Inhalte und Stundenzahlen kann allerdings der letzte große Schritt zu Heicudent zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgen. Jedoch kann durch die schrittweise am Entwurf orientierte Annäherung die Weichenstellung vorangetrieben werden.

 

 

Joachim Beck, Lehrkoordinator

 

 

 

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