Kliniken & Institute ... Kliniken Chirurgische Klinik... Urologische Klinik ... Behandlungsspektrum ... Spektrum Angeborene...

Angeborene Missbildungen der Nieren und des Harnleiters II

Ektoper Harnleiter
Normalerweise hat jede Niere einen Harnleiter, der den Urin in die Blase ableitet. Der Urin wird dann in der Blase gespeichert, bis er willkürlich ausgeschieden wird. Manchmal kann es aber 2 Harnleiter geben, die den Harn aus derselben Niere ableiten. Ein Harnleiter drainiert den Urin aus dem oberen Anteil und der zweite Harnleiter aus dem unteren Anteil der Niere. Solange beide normal in die Blase münden, was man als „doppelten“ Harnleiter bezeichnet, entstehen keine Probleme.

 

Es kommen nur selten Kinder mit einem ektopen Harnleiter auf die Welt. Dies ist ein Harnleiter, der nicht korrekt in die Blase mündet, sondern außerhalb der Blase den Urin ableitet. Bei Mädchen drainiert dieser Harnleiter den Urin üblicherweise in die Harnröhre oder sogar in die Vagina.
Bei Jungen ist dieser Harnleiter in der Nähe der Prostata, oder im Bereich des Samenleiters angeschlossen.
Ein ektoper Harnleiter kann auch bei einem „nicht doppelten“ System vorkommen. Dies ist in der Regel aber äußerst selten.

 

Abbildung: Kernspinbild eines ektop mündenden Harnleiters
Abbildung: Kernspinbild eines ektop mündenden Harnleiters
Abbildung:Der ektope Harnleiter mündet in die
Abbildung:Der ektope Harnleiter mündet in die

Symptome des ektopen Harnleiters

Ein Harnaufstau oder die Unmöglichkeit den Urin zu kontrollieren (Inkontinenz), können die Symptome eines ektopen Harnleiters sein. Ein schlechter Harntransport, verbunden mit der Erhöhung des Druckes im Harnleiter und dem entsprechenden Anteil der Niere, den dieser ableitet, können zum sogenannten Harnaufstau führen.
Diese Harntransportstörung lässt sich in der Regel mit dem Ultraschall feststellen. Aus diesem Grund wird bei vielen Kindern mit ektopen Harnleiter die Erweiterung des ableitenden Harntrakts bereits während der Schwangerschaft durch Ultraschalluntersuchungen festgestellt. Aber nicht alle ektopen Harnleiter führen zu Harntransportstörung. Die schlechte Harnableitung kann bei einigen Kindern auch zu Harnwegsinfekten führen. Zusätzlich zur Harntransportstörung können ektope Harnleiter bei Mädchen zur Inkontinenz führen, da der Harnleiter direkt in die Vagina oder in deren Nähe den Urin ableitet. Dieses Problem wird vor allem bei der Sauberkeitserziehung des Kindes festgestellt. Diese Inkontinenz unterscheidet sich bei den Mädchen von anderen Inkontinenzarten dadurch, dass das Mädchen ständig Harnträufeln hat. Manche Mädchen werden zuvor mit Medikamenten behandelt, bis später die korrekte Diagnose festgestellt wird. Jungen mit ektopem Harnleiter haben in der Regel keine Probleme, da der Harnleiter hinter dem Schließmuskel in das harnableitende System mündet. Aber auch Jungen können Harntransportstörungen oder Harnwegsinfekte haben, vor allem wenn der ektope Harnleiter refluxiv ist.

 

Wie wird ein ektoper Harnleiter diagnostiziert?

Der ektope Harnleiter fällt in der Regel durch die Symptome auf, die er verursacht. Zum Beispiel, wenn eine Harntransportstörung, d. h. eine Erweiterung des ableitenden Nierenhohlsystems, beim pränatalen Ultraschalls entdeckt wird, dann wird üblicherweise die Ultraschalluntersuchung nach der Geburt wiederholt. Ein Miktionscystourethrogramm, eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel, wird dann durchgeführt, um einen vesico-ureteralen Reflux als Grund für die Erweiterung der Niere und des Harnleiters auszuschließen.

 

Üblicherweise kann mit der Miktionscystourethrografie und dem Ultraschall eine Harntransportstörung festgestellt oder ausgeschlossen werden. Die Niere oder der Anteil der Niere, der über den ektopen Harnleiter drainiert wird, hat häufig eine schlechte Funktion. Um die genaue Funktion der Niere oder ihrer Anteile sowie den exakten Harnabfluss aus der Niere festzustellen, benötigt man eine weitere Untersuchung, die Nierenfunktionsszintigrafie. Diese Funktionsprüfung ist wichtig, um später eine korrekte Therapie einzuleiten. Als Abschluss ist eine Blasenspiegelung notwendig, durch die in einigen Fällen der ektope Harnleiter direkt gesehen werden kann. Bei dieser Untersuchung, die in der Regel unter Narkose durchgeführt wird, wird ein kleines Teleskop in die Harnröhre bzw. in die Vagina eingeführt, um die Öffnung des ektopen Harnleiters zu identifizieren. Leider gelingt es nicht immer, diese Öffnung darzustellen. Zeigt ein Kind die Symptome einer Harninkontinenz, ist üblicherweise die oben genannte Diagnostik erforderlich. Ist jedoch der Harnleiter nicht erweitert und nicht mit einem Reflux verbunden, so können die Ultraschalluntersuchung und die Miktionscysturethrografie unauffällig ausfallen. Entsprechen die Symptome aber einem ektopen Harnleiter, kann es auch erforderlich sein, eine Kernspintomografie durchzuführen, um den ektopen Harnleiter darzustellen.

 

Behandlung des ektopen Harnleiters

Die Operation des ektopen Harnleiters ist die Therapie der Wahl. In der Regel kommen zwei operative Verfahren zur Anwendung.

 

Heminephrektomie

Dabei wird der Teil der Niere entfernt, aus dem der ektope Harnleiter entspringt.

 

Heminephroureterektomie

Besteht gleichzeitig ein vesicoureterorenaler Reflux, kann es auch notwendig sein, den dazugehörigen Harnleiter zu entfernen. Diese Operation kommt dann zur Anwendung, wenn der entsprechende Anteil der Niere, aus dem der ektope Harnleiter entspringt, eine schlechte Funktion hat, kann aber auch dann in Betracht gezogen werden, wenn die Funktion der betroffenen Restniere und die der Gegenniere normal ist. Harnleiterneueinpflanzung (= Reimplantation) Bei dieser Operation wird der ektope Harnleiter nahe der Stelle, an welcher der Harnleiter in die Blase eintritt, oder wenn er nicht in die Blase mündet, dann in seinem unteren Verlauf abgesetzt und in die Blase neu eingepflanzt. Diese Operation erfolgt über einen Leistenschnitt, der etwas größer ist als der Schnitt für den Bruchsackverschluss beim Leistenbruch. Häufig ist es notwendig, nicht nur den ektopen Harnleiter, sondern auch den normal mündenden Harnleiter neu einzupflanzen, da diese beiden Harnleiter in einer gemeinsamen Scheide verlaufen.

 

Die Kinder erholen sich in der Regel sehr schnell nach beiden Eingriffen, so dass der Krankenhausaufenthalt etwa 5-7 Tage beträgt. Manchmal ist es notwendig, einen kleinen Katheter in den neueingepflanzten Harnleiter einzulegen. Später wird dieser entfernt. Dies geschieht in einer kleinen Narkose mit einer Blasenspiegelung, da der Katheter von außen nicht zu sehen ist.