Zentrum für Echinokokkose und seltene Tropenerkrankungen

Die Zuordnung viraler, bakterieller und parasitärer Erkrankungen zu den "Tropen" und "Subtropen" ist in unserer globalisierten Welt nicht mehr einfach. 2012 wurde die eine Milliarde-Grenze der international mit dem Flugzeug ankommenden Touristen überschritten; Asien und die Pazifikregion zählten 216 Millionen ankommende internationale Touristen, Afrika 50 Millionen. Patienten, die an "tropischen" Infektionserkrankungen leiden, suchen Hilfe weit außerhalb der "Tropen" und "Subtropen": Reiserückkehrer und Menschen, die in den "Tropen" und "Subtropen" geboren und aufgewachsen sind und ihren neuen Lebensmittelpunkt in unseren Breiten gefunden haben. Sie sind darauf angewiesen, dass wir ihre Probleme kennen, diagnostizieren und therapieren können. Dabei kann der Infektionszeitpunkt weit zurück liegen.

Krankheitsbilder

Die Tropenmedizin umfasst sämtliche seltene in unsere Regionen importierte Infektions- und Tropenerkrankungen.

In der Spezialsprechstunde für ‚Echinokokkose’ diagnostizieren und behandeln wir Patienten mit Fuchsbandwurm- und Hundebandwurminfektionen. Die Fuchsbandwurminfektion kommt auch in Deutschland vor und breitet sich aus. Die Hundebandwurminfektion dagegen wird heute fast ausschließlich importiert.

Wir bieten das gesamte Spektrum der Diagnostik und Therapie der Tropenerkrankungen an. In der Tropenmedizinischen Ambulanz und der Spezialsprechstunde Echinokokkose werden jährlich ca. 2500 Patienten aus einem überregionalen Einzugsgebiet untersucht.


Nachfolgend sind die „häufigsten“ Krankheitsbilder aufgelistet:

Parasitäre Erkrankungen

Bakterielle Erkrankungen einschließlich Rickettsiosen

Mykobakterielle Erkrankungen

Virale Erkrankungen

Leistungsspektrum

Die Tropenmedizinische Ambulanz bietet einen 24-Stunden Notfalldienst für importierte Infektionserkrankungen im Klinikum Heidelberg und überregional (telefonisch) an.

Ein nationaler Konsiliardienst für die Diagnostik und Therapie der Echinokokkose ist etabliert.

Alle gängigen Methoden der Diagnostik sind verfügbar in den Laboren der Sektion Klinische Tropenmedizin und der Abteilung Parasitologie. Die beiden Labore bilden funktionell eine Einheit und werden fachärztlich von der Tropenmedizinischen Ambulanz supervidiert. Sie sind akkreditiert nach ZLG-P 655-03.01.

Die Ambulanz ist eingebunden in das Netzwerk

(1) der deutschen tropenmedizinischen Einrichtungen
(M. Stojkovic ist Mitglied der Leitlinienkommission der DTG)

(2) der Deutschen Fachgesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG)
(T. Junghanss ist Mitglied der Leitlinienkommission der DTG)

(3) der Föderation der Europäischen Fachgesellschaften für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (FESTMIH)
(T. Junghanss ist Delegierter der DTG bei FESTMIH)

(4) der WHO Informal Working Group Echinococcosis (WHO-IWGE)
(T. Junghanss ist Chair der WHO-IWGE von 2016 - 2018 und damit an den Überarbeitungen der internationalen Diagnostik- und Therapierichtlinien beteiligt, M. Stojkovic ist Mitglied des WHO-IWGE steering committees 2016 - 2018.)

(5) tropenmedizinischer Einrichtungen in SO Asien, Nord- und Sub-Sahara Afrika und Lateinamerika, insbesondere durch die langjährige Koordinationstätigkeit in Projekten zu den Themen Malaria, Echinokokkose, Dengue Fieber und epidemische bakterielle Meningitis.


Mitarbeiter

Die Tropenmedizinische Ambulanz- und die Spezialsprechstunde Echinokokkose finden täglich in der Sektion 'Klinische Tropenmedizin' statt.

Interdisziplinäre Patientenbesprechungen zur Diagnostik und Therapie finden mit den Abteilungen für Radiodiagnostik (wöchentliche radiologische Konferenz mit Priv.-Doz. Dr. Tim Weber), der Chirurgischen Klinik und Thoraxklinik, der interdisziplinären Endoskopie, der Abteilung Gastroenterologie (Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit komplizierter Malaria) und je nach Organbeteiligung und Alter mit der Kinderklinik bzw. mit den entsprechenden organspezifischen Fachkliniken statt.


Kooperationen


Forschung

Die Sektion 'Klinische Tropenmedizin' ist seit vielen Jahren an Studien beteiligt und koordiniert GCP-konforme klinische Studien zu Buruli Ulkus (Kamerun), Dengue Fieber (SE Asien und Lateinamerika) und zystischer Echinokokkose.

Forschungsschwerpunkte sind

Die Sektion 'Klinische Tropenmedizin' koordiniert das interdisziplinäre EU-geförderte (7. Rahmenprogramm) Forschungskonsortium IDAMS (http://www.idams.eu/) mit Partnern in Südostasien, Lateinamerika, Sub-Sahara Afrika und Europa, einschließlich WHO/TDR. IDAMS ist das Nachfolgeprojekt des ebenfalls EU-geförderten (6. Rahmenprogramm) Dengue Fieber Forschungskonsortiums DENCO. Koordinator der Dengue Fieber Arbeitsgruppe und des Forschungskonsortiums IDAMS ist Dr. med. Thomas Jänisch.

Im Bereich Buruli Ulkus arbeiten wir seit vielen Jahren mit Partnern in Ghana, Kamerun und der Schweiz zusammen. Das Forschungsprojekt ist durch die Volkswagen Stiftung gefördert. Das KKS Heidelberg monitorisiert unsere klinische Therapiestudie in Kamerun. Koordinator der Buruli Ulkus Arbeitsgruppe ist Prof. Dr. med. T. Junghanss.

Im Bereich Epidemische Meningitis sind unsere Partner in Burkina Faso (CRSN in Nouna), Ghana (NHRC in Navrongo) und in der Schweiz (SwissTPH).

Wir haben über einige Jahre ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt zur zystischen Echinokokkose koordiniert (EchinoNet) mit Partnern in den Hauptendemiegebieten des Mittelmeerraums (Italien, Spanien, Portugal, Marokko, Tunesien, Ägypten, Jordanien und Türkei). Ein weiteres Projekt verbindet uns mit einem Behandlungszentrum in Lima / Peru, einem weiteren Hochendemiegebiet der zystischen Echinokokkose. Unser wissenschaftliches Hauptarbeitsgebiet ist die Zysten-Stadieneinteilung und die Zystenstadien-gerechte Therapie von Patienten mit zystischer Echinokokkose. Koordinatorin der Echinokokkose-Arbeitsgruppe ist Dr. med. Marija Stojkovic.


Sprecher

Dr. med. Marija Stojkovic, Sektion 'Klinische Tropenmedizin'

Prof. Dr. med. Thomas Junghanss, Leiter der Sektion 'Klinische Tropenmedizin' (stellv. Sprecher)


Kontakt

Sie haben Fragen oder wollen einen Termin vereinbaren?

Bitte wenden Sie sich an die Anmeldung der Sektion 'Klinische Tropenmedizin'.

Link

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