Unterrichtsthema: Gewalt

09.07.2009
Abschlussveranstaltung des Schulprojekts „Menschenwürde und Gewalt“ der Universität Heidelberg vom 16. bis 17. Juli 2009 im Bistumshaus St. Ludwig in Speyer

Welche Hilfe brauchen Folteropfer? Was hat eine Frau durchgemacht, die in einem Frauenhaus Zuflucht sucht? Gibt es eine Kultur des Wegsehens bei Gewalttaten in der Öffentlichkeit? Und haben wir uns an Gewaltdarstellungen in den Massenmedien gewöhnt?

 

Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich 116 Schülerinnen und Schüler des Schulprojekts „Menschenwürde“ der Universität Heidelberg, das mit dem Thema „Menschenwürde und Gewalt“ in seine dritte Phase eingetreten ist. Das Projekt wird vom Interdisziplinären Forum für Biomedizin und Kulturwissenschaften (IFBK) der Universität Heidelberg koordiniert. Es verfolgt das Ziel, die Auseinandersetzung von Schülern mit der gesellschaftlich äußerst wichtigen Thematik der Menschenwürde auf einem hohen Niveau zu fördern und gleichzeitig die Kooperation zwischen Schule und Universität zu verbessern.

 

Leiter des Behandlungszentrums für Folteropfer zu Gast

 

Auf der Abschlussveranstaltung am 16. und 17. Juli 2009 in Speyer werden die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Arbeit auf kreative Weise darbieten und diskutieren. Dabei geht es um einen menschenwürdigen Umgang mit Gewalt, wie sie im Alltag immer wieder vorkommt oder von den Massenmedien präsentiert wird. Das Spektrum der Präsentationen reicht von Gewalt in der Familie über die Kultur des Wegsehens bei Gewaltübergriffen in der Öffentlichkeit sowie Gewalt in der Bildsprache der Massenmedien bis hin zu konkreter Terrorabwehr am Beispiel einer Flugzeugentführung und Wegen gewaltfreier Kommunikation. Der Leiter einer AG Psychotraumatologie-Forschung am Behandlungszentrum für Folteropfer in Berlin, Professor Dr. Christian Pross, ist Gastreferent bei der Tagung.

 

Die dreijährige Pilotphase des Projekts startete mit dem Schuljahr 2006/07. Seitdem werden in Zusammenarbeit mit vier Wissenschaftlern an vier Gymnasien (Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg, Lessing-Gymnasium Mannheim, Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium Mannheim, Bismarck-Gymnasium Karlsruhe) Seminarkurse angeboten, in denen die beteiligten Schüler der Jahrgangsstufe 12 wissenschaftliches Arbeiten anhand der Menschenwürdethematik kennenlernen. Begonnen wurde mit dem Oberthema „Menschenwürdig leben bis zuletzt“. Im folgenden Schuljahr ging es um „Menschenwürde am Lebensanfang“.

 

Psychiatrische Folgen der Traumatisierung

 

Ein Team von neun Lehrern, unterstützt von Prof. Dr. Wolfgang Eckart (Geschichte der Medizin), Prof. Dr. Wilfried Härle (Theologie), Prof. Dr. Michael Anderheiden (Jura) und Dr. Brigitta-Sophie von Wolff-Metternich (Philosophie) sowie 20 studentischen Mentoren, gestaltete den Unterricht der Schülerinnen und Schüler in ihren Seminarkursen. In den Kursen bekommen die Schüler Einblicke  u.a. in psychiatrische und psychologische Fragen zur Traumatisierung in Folge von Gewalterfahrungen, in rechtsphilosophische Grundlagen des staatlichen Gewaltmonopols und aktuelle Rechtsfragen, in verschiedene Konzepte menschlicher Identität und Würde von der Antike über Kant bis zur Gegenwart, in die Legitimierung zulässiger Gewalt und die theologische Beurteilung von Gewalt. So haben die Schülerinnen und Schüler sich verschiedene Lebensbezüge erarbeitet, in denen Gewalt eine Rolle spielt und Gewalterfahrungen gemacht werden.

 

Initiiert wurde das Schulprojekt „Menschenwürde“ von Dr. Peter Gilbert, Direktor des Bismarck-Gymnasiums Karlsruhe, Prof. Dr. Wilfried Härle, emeritierter Theologe der Universität Heidelberg und der Robert Bosch Stiftung Stuttgart.

 

Programm (PDF)

 

Weitere Informationen:

www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/interdisziplinaer/ifbk/ifbk.html

 

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg

Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

 

www.klinikum.uni-heidelberg.de

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

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106/2009