Innovatives Forschungsprojekt testet Schwerionen-Bestrahlung kombiniert mit Chemotherapie

23.07.2009
Höhere Strahlensensibilität von bösartigen Hirntumoren / Laborversuche werden von Dietmar Hopp Stiftung mit 255.000 Euro gefördert

Sehr bösartige Hirntumore, so genannte Glioblastome, haben nach wie vor eine sehr schlechte Prognose, da sie gegenüber Bestrahlung und Chemotherapie nicht sensibel sind. Einen innovativen Therapieansatz – die Kombination von Chemotherapie mit einer Schwerionenbestrahlung – erforschen jetzt Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Das Forschungsprojekt wird von der Dietmar Hopp Stiftung mit 255.000 Euro unterstützt.

 

Lebenserwartung von eins bis zwei Jahren

 

Glioblastome sind die häufigsten und bösartigsten Hirntumore von Erwachsenen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten beträgt nur ein bis zwei Jahre. Standardtherapie ist derzeit die möglichst vollständige Entfernung des Tumors durch einen Neurochirurgen gefolgt von einer herkömmlichen Strahlentherapie mit Photonen,  meist in Kombination mit  Chemotherapie. Für die Chemotherapie wird seit wenigen Jahren das Medikament Temozolomid verwendet, mit dessen Hilfe die Behandlungsergebnisse verbessert werden konnten.

 

Dennoch sind die Therapieresultate noch unbefriedigend. Ein frühzeitiges erneutes Wachsen des Tumors schränkt weiterhin die Prognose der Patienten erheblich ein. Hauptursache für das rasche erneute Wachstum ist die hohe Widerstandskraft der Tumorzellen gegen herkömmliche Therapien. Neue Behandlungsansätze werden daher dringend gesucht.

 

Gemeinschaftsprojekt von Strahlentherapeuten und Tumorpathologen

 

„Durch die Kombination von Chemotherapie mit einer Schwerionenbestrahlung erhoffen wir uns, dass wir in der Behandlung von Glioblastomen einen großen Schritt weiter kommen“, erklärt Dr. Stephanie Combs, Wissenschaftlerin in der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, die gemeinsam mit Privatdozent Dr. Wilfried Roth, der am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg und am DKFZ tätig ist, das neue Forschungsprojekt leitet. 

 

Schwerionen sind hochgeladene Ionen, die eine sehr effektive und präzise Abtötung des Tumorgewebes ermöglichen, bei gleichzeitiger Schonung des umgebenden Gewebes. Die Anwendung dieser innovativen Strahlentherapie wird derzeit am Universitätsklinikum Heidelberg in einer weltweit einzigartigen Anlage, dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT,  vorbereitet.

 

Die Wissenschaftler wollen zunächst in Laborversuchen – die zum Teil in der Beschleunigeranlage der Gesellschaft für Schwerionenforschung GSI in Darmstadt durchgeführt werden – testen, ob die kombinierte Behandlung Vorteile hat. 

 

Ansprechpartner:

Dr. med. Stephanie E. Combs

Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie

Universitätsklinikum Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 400

69120 Heidelberg

Tel: 06221 / 56-82 01

Fax: 06221 / 56-53 53

E-Mail: Stephanie.Combs@med.uni-heidelberg.de

 

 

PD Dr. med. Wilfried Roth

Molekulare Neuro-Onkologie

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)

Im Neuenheimer Feld 280

69120 Heidelberg

Tel: 06221 / 56-26 47

Fax: 06221 / 42 36 30

E-Mail: W.Roth@dkfz.de

 

 

Katrin Tönshoff

Dietmar-Hopp-Stiftung GmbH

Raiffeisenring 51

68789 St. Leon-Rot

Tel.: 06227 / 86 08 570

E-Mail: dhskt@web.de

 

Dietmar Hopp Stiftung

Die Dietmar Hopp Stiftung wurde 1995 gegründet, um die Umsetzung gemeinnütziger Projekte in den Bereichen Sport, Bildung, Soziales und Medizin zu ermöglichen. Ihr Vermögen besteht aus SAP-Aktien, die Dietmar Hopp aus seinem privaten Besitz eingebracht hat. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung, die zu den größten Europas zählt, fast 200 Millionen Euro ausgeschüttet (Stand Dez 2008). Der Schwerpunkt des Förderprogramms liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, mit der sich der Stifter besonders verbunden fühlt. Die Dietmar Hopp Stiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen und in der Sportregion Rhein-Neckar e.V. Anträge aus den jeweiligen Bereichen nimmt die Geschäftsstelle in St. Leon-Rot entgegen. Die Förderkriterien können auf den Internetseiten der Stiftung heruntergeladen werden. www.dietmar-hopp-stiftung.de

 

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Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 45 36

Fax:  06221 / 56 45 44

E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

115/2009