Integrierte Psychosomatik
Psychosomatische Erkrankungen sind durch das Zusammenwirken neurobiologischer, physiologischer und psychologischer Prozesse gekennzeichnet. Krankheitsverläufe und Genesungsprozesse lassen sich daher nur dann hinreichend verstehen, wenn diese Ebenen nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammenspiel untersucht werden. Die Sektion widmet sich der Erforschung dieses Zusammenspiels mit dem Ziel, Faktoren zu identifizieren, die den Verlauf psychosomatischer Erkrankungen bestimmen und mit einer Genesung in Zusammenhang stehen.
Hierzu werden in prospektiven und retrospektiven Studien multimodale Daten erhoben und integriert, darunter neurobiologische Marker aus funktioneller Bildgebung, immunologische und metabolische Parameter, peripherphysiologische Messungen sowie klinische und psychometrische Verlaufsdaten aus psychotherapeutischen Behandlungen. Untersucht wird, welche Veränderungen den Krankheitsverlauf kennzeichnen, welche sich im Rahmen einer erfolgreichen Behandlung normalisieren und welche als Vulnerabilitätsmerkmale fortbestehen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der datengestützten Modellierung von Krankheits- und Genesungsverläufen, einschließlich der Analyse großer klinischer Datensätze. Ergänzend werden psychotherapeutische Behandlungsverläufe unter Einsatz großer Sprachmodelle und automatisierter Verfahren ausgewertet, wobei sprachliche, nonverbale und physiologische Merkmale herangezogen werden, um therapeutische Prozesse zu quantifizieren und in Beziehung zu klinischen Outcomes zu setzen.
Erkenntnisse aus der biologischen Forschung werfen dabei unmittelbar klinische Fragen auf: Wenn sich bestimmte neuronale oder immunologische Veränderungen früh im Behandlungsverlauf normalisieren, geht dies mit einem besseren Therapieergebnis einher? Zugleich eröffnet die gemeinsame Erhebung biologischer und psychologischer Daten die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen den Ebenen zu identifizieren, die bei getrennter Betrachtung nicht sichtbar wären. Diese Verbindung der Forschungsebenen bildet den Kern des Forschungsansatzes der Sektion. Die Sektion forscht schwerpunktmäßig zu Essstörungen, Adipositas und stressbedingten Erkrankungen und arbeitet dabei eng mit klinischen und grundlagenwissenschaftlichen Partnern innerhalb und außerhalb des Universitätsklinikums zusammen.
Schwerpunkt:
Funktionelle Neuroimaging-Methoden in der Psychosomatik, Automatisierte Analyse von Psychotherapieprozessen, NLP- und KI-basierte Auswertung klinischer Verlaufsdaten, Prädiktoren von Krankheitsverlauf und Therapieerfolg, Multimodale Quantifizierung therapeutischer Prozesse, Autonome Regulation bei psychosomatischen Erkrankungen, Immunologische und metabolische Marker psychosomatischer Erkrankungen.



