Heidelberg,
30
April
2021
|
15:10
Europe/Amsterdam

Erfreuliche Entwicklung der Lions Hornhautbank Heidelberg

Zusammenfassung

Erfolgreiche Patenschaft: Lions Clubs unterstützen seit sechs Jahren Hornhauttransplantationen an der Universitäts-Augenklinik Heidelberg / Jährlich erhalten rund 200 Patienten, die von Erblindung bedroht sind, eine neue Augenhornhaut / Lions Clubs finanzieren Projekte und Ausrüstung für eine bessere Versorgung mit Hornhauttransplantaten in Nordbaden

Rund 200 Patientinnen und Patienten, die akut von Erblindung bedroht sind, erhalten jährlich an der Universitäts-Augenklinik Heidelberg eine Hornhauttransplantation, Tendenz steigend. Voraussetzung für diese positive Entwicklung ist die gut aufgestellte Gewebebank für Augenhornhäute an der Klinik, die nun schon seit sechs Jahren von den 58 Lions Clubs der Region gefördert wird. In ihr werden die Gewebespenden Verstorbener aufbereitet und anschließend in speziellen Brutschränken gelagert. Die ursprünglich geplante Feier zum fünfjährigen Jubiläum dieser „Patenschaft“ fiel 2020 vor dem Hintergrund der ersten Pandemiewelle aus. Gewissermaßen nachträglich ziehen das Team der „Lions Hornhautbank Heidelberg“ um Professor Dr. Gerd Auffarth, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik und Dr. Patrick Merz, Leiter der Lions Hornhautbank, sowie Werner H. Schwenk, Distrikt-Governor der Lions Clubs in Nordbaden (Distrikt 111-Süd-Nord) und Dr. Sybille Scholtz, Kabinettsbeauftragte Lions Hornhautbank und Sight First, daher bei einer virtuellen Feierstunde am 1. Mai 2021 nun eine Bilanz der fruchtbaren Partnerschaft und blicken auf zukünftige Projekte.

„In den sechs Jahren der Lions-Patenschaft haben wir die Anzahl der Transplantationen und der aufbereiteten Gewebespenden fast verdoppelt. Auch unsere Forschung auf dem Gebiet der Hornhauttransplantation macht große Fortschritte“, freut sich Prof. Auffarth, der die Lions Hornhautbank leitet. „Diese Erfolge sind nicht zuletzt der kontinuierlichen Unterstützung der Lions zu verdanken, die in dieser Zeit nicht nur einen Kleinwagen für die nötige Mobilität bei der Spendenakquise, ein Spezialmikroskop sowie einen Spezial-Brustschrank spendeten, sondern auch die Fort- und Weiterbildung des Teams auf Kursen und Kongressen regelmäßig mittragen.“

Das Engagement der Lions Clubs im Kampf gegen vermeidbare Blindheit habe eine beinahe 100-jährige Tradition, insbesondere die Zusammenarbeit mit Hornhautbänken weltweit, wie Distrikt Governor Werner H. Schwenk in der aktuell erschienenen Festschrift ausführt: Bereits die erste, in New York gegründete Hornhautbank wurde seit 1952 von den Lions unterstützt. Inzwischen sind es weltweit 54, 5 in Deutschland. „In dieser Tradition haben wir im März 2015 die Patenschaft für „unsere“ Hornhautbank in Heidelberg übernommen“, sagt er. „Veränderungen der Hornhaut des Auges zählen zu den weltweit häufigsten Ursachen für Blindheit bzw. schwere Sehbehinderung. Durch die Förderung von Hornhautbanken tragen wir unseren Teil dazu bei, möglichst vielen Menschen mit Erkrankungen oder Verletzungen der Augenhornhaut ein Leben in Blindheit zu ersparen.“

Verletzungen, Infektionen und verschiedene Erkrankungen können die Hornhaut trüben

Die Hornhaut ist gewissermaßen die Windschutzscheibe des Auges. Sie überdeckt wie ein gewölbtes Uhrglas Pupille und Iris. Gemeinsam mit der Augenlinse bündelt sie das einfallende Licht und hat einen erheblichen Anteil am scharfen Sehen. Darüber hinaus schützt sie das Auge vor Fremdkörpern und Krankheitserregern. In Folge von Verletzungen, Infektionen, Entzündungen oder angeborenen Erkrankungen kann sie sich teilweise oder vollständig eintrüben. Betroffene können dann trotz eines ansonsten gesunden Auges sogar erblinden. Diese Form der Erblindung lässt sich durch die Transplantation der Augenhornhaut eines Verstorbenen verhindern bzw. rückgängig machen. Die Hornhautübertragung ist heute in Europa ein Routineeingriff in der Augenchirurgie.

Die Einrichtung einer Hornhautbank startete am Universitätsklinikum Heidelberg 1999. Vor der Umwandlung in eine Lions Hornhautbank 2015 mussten die in der Universitäts-Augenklinik benötigten Hornhäute größtenteils von anderen Gewebebanken zugekauft werden. „Das hat sich dank der Unterstützung der Lions, aber auch durch die Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG), inzwischen geändert“, sagt Prof. Auffarth. Durch die kontinuierliche Schulung des Teams können die Gewebeentnahmen in den Kliniken der Region selbst durchgeführt und so mehr Hornhautspenden akquiriert werden. Die moderne technische Ausstattung ermöglicht es, aktuelle Entwicklungen der Transplantationstechnik umzusetzen und die Operationszahlen kontinuierlich zu steigern. „Damit hat sich in den letzten sechs Jahren nicht nur die Versorgung verbessert, sondern auch die Wartezeiten der einzelnen Patienten von maximal zwei Jahren auf durchschnittlich rund ein bis zwei Monate verkürzt“, so der Augenchirurg. In Heidelberg stehen derzeit um die 50 Patienten auf der Warteliste für eine Hornhauttransplantation, deutschlandweit sind es rund 7.000 bei gleichzeitig etwa 9.000 Transplantationen pro Jahr.

Ähnlich wie auch bei Organtransplantationen müssen die Gewebemerkmale der Hornhaut möglichst genau zu denen des Empfängers passen. Die Zusammenarbeit mit Deutschlands größtem Netzwerk für Gewebemedizin, der DGFG, erleichtert seit 2018 die Vermittlung passender Hornhäute „Ist eine passende Hornhaut bei uns nicht auf Lager, dann vermittelt die DGFG ein Gewebetransplantat aus einer der anderen Hornhautbanken des Netzwerks“, sagt Dr. Patrick Merz, wissenschaftlicher Leiter und Qualitätsmanagementbeauftragter der Lions Hornhautbank Heidelberg. Ebenso stellt die Heidelberger Gewebebank aufbereitete Hornhäute für Patienten der kooperierenden Kliniken zur Verfügung.

Anders als bei Organen können die Spenderhornhäute durch eine anspruchsvolle Aufbereitung und in speziellen Brustschränken noch mehrere Wochen funktionsfähig erhalten werden. Nach eingehender Untersuchung unter anderem auf Schäden, Lebensfähigkeit und übertragbare Krankheiten lagern sie bis zur Transplantation in einer speziellen Nährlösung bei einer Temperatur von 31 Grad Celsius für maximal 34 Tage.

 

Weitere Informationen im Internet
 

Universitätsklinikum Heidelberg: Augenklinik

Universitätsklinikum Heidelberg: Hornhauttransplantationen

Lions gegen Corona

 

Kontakt 

Prof. Dr. Gerd U. Auffarth, FEBO
Ärztlicher DirektorUniversitäts-Augenklinik Heidelberg
Tel.: 06221 56-6999
E-Mail 

Dr. Sibylle Scholtz 
Kabinettsbeauftragte Lions Hornhautbank Heidelberg und Sight First
E-Mail