„Im Mittelpunkt steht der Mensch“
Ehrensymposium würdigt das Leben und Wirken von Professor Hans-Günther Sonntag
Rund 100 geladene Gäste, darunter Familie, Freunde, wissenschaftliche Wegbegleiter sowie Mitglieder der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und des Universitätsklinikums Heidelberg, nahmen an einem Symposium zu Ehren des verstorbenen Professors Hans-Günther Sonntag teil. Die Veranstaltung stand unter seinem Leitspruch „Im Mittelpunkt steht der Mensch“ und würdigte das außergewöhnliche Lebenswerk eines Hochschullehrers, Forschers und Klinikers, der über Jahrzehnte den Medizincampus Heidelberg geprägt hat.
In seiner Begrüßung würdigte Professor Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg, Professor Sonntag als Hochschullehrer und für seine wissenschaftlichen Leistungen auf seinem Fachgebiet als Lehrstuhlinhaber für Hygiene und Mikrobiologie, das er wesentlich weiterentwickelt und national wie international gestärkt hat. Hans-Günther Sonntag war eine der prägenden Gestalten des Heidelberger Medizinstandorts. Er war maßgeblich an der Zusammenführung der Teilfakultäten zur heutigen Medizinischen Fakultät Heidelberg beteiligt und stand ihr über viele Jahre als Dekan vor. In seine Amtszeit fielen die Initiierung richtungsweisender Projekte wie des Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrums (HIT) und des Comprehensive Cancer Center, des Vorläufers des heutigen Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. Zudem wurde unter seiner Verantwortung das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) eingeführt, das die medizinische Ausbildung grundlegend modernisierte und bis heute prägt.
Der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Professor Jürgen Debus, würdigte das beeindruckende Lebenswerk Hans-Günther Sonntags, das man auch mit Ehrfurcht betrachte. Als Mitglied des Klinikumsvorstands habe Sonntag das Universitätsklinikum Heidelberg über viele Jahre nachhaltig geprägt. Debus erinnerte daran, dass seine eigene Berufungskommission von Sonntag geleitet wurde. Dieser habe sich als entschlossener Verhandler gezeigt, wenn es um die Interessen der Institution ging, zugleich aber als verlässlicher Ratgeber und Mentor. Gerade für ihn als damals jüngsten Ordinarius der Fakultät sei Sonntag ein wichtiger Begleiter gewesen.
Über die gemeinsame Zeit im Klinikumsvorstand berichtete Professor Eike Martin, langjähriger Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg. Er hob die Innovationskraft und Reformbereitschaft hervor, mit der Sonntag die Neugestaltung des Medizinstudiengangs vorangetrieben habe. Eine enge Kooperation mit der Harvard Medical School, zahlreiche Austauschprogramme und die Einführung neuer Lehr- und Prüfmethoden, darunter problemorientiertes Lernen, Simulationstrainings und standardisierte Prüfungen, prägten die Entwicklung des Reformstudiengangs HeiCuMed. Dieser zählt bis heute zu den führenden medizinischen Studiengängen im deutschsprachigen Raum. Der Weitblick und das Handeln von Hans-Günther Sonntag habe entscheidend dazu beigetragen, dass die Medizinische Fakultät Heidelberg heute eine Spitzenstellung einnimmt. Mit seinem Tod verliere Heidelberg einen leidenschaftlichen Hochschullehrer, exzellenten Kliniker, verlässlichen Partner und persönlichen Freund, so Martin.
Einen fachlichen Blick auf Hans-Günther Sonntags wissenschaftliches Werk warf Professor Heinrich Geiss, der erste Heidelberger Doktorand des Verstorbenen. Er beschrieb seinen Mentor als Generalisten im besten Sinne und als jemanden, der nicht nur sein eigenes Fachgebiet weiterentwickelte, sondern immer wieder Verantwortung in angrenzenden Bereichen übernahm. Dazu zählte etwa die Untersuchung des deutschlandweit größten Salmonellen-Ausbruchs 1991.
Professorin Constanze Wendt, die von Professor Hans-Günther Sonntag habilitiert wurde, würdigte ihn als außergewöhnlich evidenzorientierten Wissenschaftler. Besonders hob sie seine Rolle im sogenannten Hygienikerstreit hervor. Inmitten einer teils emotional geführten Debatte über die Notwendigkeit der Desinfektion von Krankenhausoberflächen habe er mit Ruhe, wissenschaftlicher Klarheit und sachlicher Argumentation maßgeblich zur Versachlichung beigetragen. Seine Arbeit bilde bis heute eine Grundlage für etablierte Handbücher und Leitlinien im Bereich der Krankenhaushygiene.
In der zweiten Hälfte des Symposiums, die von Herrn Prof. Dalpke, Ärztlicher Direktor für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene und stellvertretender Sprecher des Zentrums für Infektiologie, moderiert wurde, gaben Expertinnen und Experten Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Fächer, die Hans-Günther Sonntag über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat. Professorin Heike von Baum, Leiterin der Sektion Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Ulm, berichtete über die Entwicklung von Infektionsschutzmaßnahmen und deren Bedeutung für die öffentliche Gesundheit, insbesondere am Beispiel der Legionellen-Erkrankung. Professor Adrian Egli, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Zürich, zeigte auf, wie Künstliche Intelligenz die Verbreitung von Erregern eindämmen kann, indem sie eine frühzeitigere Diagnose von Infektionen ermöglicht. Professor Lars Schaade, Präsident des Robert Koch-Instituts, widmete seinen Vortrag der Frage, warum das Buch der Infektionskrankheiten nicht geschlossen werden kann. Dabei sprach er über die komplexen Hintergründe zur Entstehung einer Pandemie und gab einen Ausblick, mit welchen Erregern sich Forschung und Gesellschaft zukünftig auseinandersetzen müssen.
Den persönlichen Schlussakzent setzten die Kinder von Hans-Günther Sonntag, die vom prägenden Einfluss ihres Vaters auf ihre persönlichen Werdegänge und seinem beständigen Engagement für andere berichteten. Das Symposium zeigte eindrucksvoll, wie umfassend und nachhaltig Hans-Günther Sonntag die medizinische Forschung, Lehre und klinische Versorgung in Heidelberg geprägt hat und wie sehr sein Handeln auch über seinen Tod hinaus weiterwirkt.