Heidelberg,
22
Juni
2026
|
15:12
Europe/Amsterdam

Mit Rollenspielen digitale Medizin erleben

Heidelberger Projekt MEDILARP im Wissenschaftsjahr 2026 gefördert

Zusammenfassung

In einem interaktiven Rollenspiel erleben Teilnehmende, welchen Wert persönliche Gesundheitsdaten haben und wie digitale Medizin unseren Alltag verändert. Das Projekt wird am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg entwickelt und im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2026 – Medizin der Zukunft gefördert.

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Was viele hierzulande vor allem aus Fantasy- und Rollenspielwelten kennen, wird in Skandinavien längst als pädagogisches Konzept genutzt: Educational Live-Action-Rollenspiele (Edu-LARP). Denn das spielerische Format eignet sich besonders, um komplexe gesellschaftliche Themen erfahrbar zu machen. Hier setzt das Projekt „MEDILARP – Datensouveränität verstehen und erleben“ an, das im Rahmen des „Wissenschaftsjahres 2026 – Medizin der Zukunft“ mit rund 75.000 Euro gefördert wird. Forschende des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg entwickeln gemeinsam mit weiteren Projektpartnern ein interaktives Live-Action-Rollenspiel rund um digitale Medizin, Gesundheitsdaten und Künstliche Intelligenz – Themen also, die in unserem Alltag immer größeren Raum einnehmen. Entsprechend richtet sich das Format nicht nur an Jugendliche, sondern an Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Lebenswelten.

„Menschen geben täglich Gesundheitsdaten preis, ob bei Gesundheits-Apps, Smartwatches oder datenbasierter Medizin“, sagt Projektleiterin Privatdozentin Dr. Nadia Primc, Akademische Rätin am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin. „Dabei stellen sich Fragen nach Datenschutz, Transparenz und dem Umgang mit sensiblen Informationen, aber eben auch: Welchen Wert haben unsere persönlichen Gesundheitsdaten und wie können wir selbstbestimmt darüber entscheiden?“ Das Projekt MEDILARP will Menschen dabei unterstützen, diese Fragen bewusster zu reflektieren und die Bedeutung von Datensouveränität besser zu verstehen. Das interdisziplinäre Projektteam vereint dabei unterschiedliche Perspektiven aus Medizinethik, Digital Health, Rollenspielforschung und Wissenschaftskommunikation. Neben der Projektleitung durch Privatdozentin Dr. Nadia Primc wirken Dr. Sandra Barteit vom Heidelberg Institute of Global Health, Professor Dr. Björn-Ole Kamm von der Kyoto University sowie Dr. Isabel Wagner von hei_INNOVATION, der Transferagentur der Universität Heidelberg, an der Entwicklung des Formats mit.

 

Perspektiven wechseln, Interessen verstehen

Das Spiel selbst ist vollständig analog angelegt. Anders als bei digitalen Spielen übernehmen die Teilnehmenden in dem Educational Live-Action-Rollenspiel die Rollen nicht nur virtuell, sondern verkörpern sie selbst innerhalb eines vorgegebenen Szenarios – etwa als Nutzende, Forschungseinrichtungen oder sogar als Gesundheits-App. Mithilfe von Rollenkarten verfolgen sie dabei konkrete Ziele. Wer die Rolle einer Gesundheits-App übernimmt, versucht beispielsweise, möglichst viele Gesundheitsdaten zu erhalten. Dafür muss die Person andere Spielende davon überzeugen, persönliche Informationen preiszugeben, und erklären, welchen Nutzen sie dafür erwarten können, etwa langfristige medizinische Erkenntnisse oder sofortige persönliche Auswertungen. Die Teilnehmenden müssen Entscheidungen treffen, auf Ereignisse reagieren und unterschiedliche Interessen gegeneinander abwägen. So werden abstrakte Themen wie digitale Medizin, Künstliche Intelligenz und Big Data unmittelbar erfahrbar. Ein wichtiger Bestandteil im Edu-LARP-Format ist zudem eine gemeinsame Reflexion im Anschluss an das Spiel: In moderierten Nachbesprechungen werden die Erfahrungen aus den Rollen- und Entscheidungssituationen eingeordnet und mit realen Fragen digitaler Medizin verknüpft. „Die Teilnehmenden erleben selbst, wie unterschiedlich Interessen und Erwartungen beim Umgang mit Gesundheitsdaten sein können“, erklärt Primc. „Das schafft nochmal ein ganz anderes Verständnis.“

 

Gemeinsam entwickeln, langfristig nutzen

Derzeit entwickeln die Projektpartner die Spielmechaniken, Rollen und Inhalte in einem partizipativen Edu-LARP-Designsprint. Erste Workshops dienen dazu, das Spielkonzept gemeinsam mit Teilnehmenden aus dem Umfeld der Universität Heidelberg zu testen und weiter zu verfeinern. Nach Abschluss der Entwicklungsphase soll MEDILARP ab September zunächst im Raum Heidelberg eingesetzt werden. Das Spiel richtet sich an Jugendliche ab zwölf Jahren ebenso wie an Erwachsene und ältere Menschen. Gespielt wird rund zwei Stunden in Gruppen von etwa zehn bis 20 Personen, begleitet von Mitgliedern des Projektteams, die in die Rollen einführen und den Spielverlauf moderieren. Zum Einsatz kommen soll das Format unter anderem an Schulen sowie in Angeboten für Erwachsene, ältere Menschen und die interessierte Öffentlichkeit. Perspektivisch soll das Spiel auch in weiteren Regionen Baden-Württembergs sowie in anderen Bundesländern Verbreitung finden. Dazu soll MEDILARP langfristig als Open Educational Ressource frei zugänglich gemacht werden. Spielmaterialien und Anleitungen stehen dann online zur Verfügung, sodass das Format auch unabhängig vom Projektteam und über das Wissenschaftsjahr hinaus genutzt werden kann.

Weitere Informationen im Internet

Die Projektpartner: 
Geschichte und Ethik der Medizin: Medizinische Fakultät Heidelberg
Heidelberger Institut für Global Health
hei_INNOVATION – Universität Heidelberg
Graduate School of Letters / Faculty of Letters, Kyoto University

Pressemitteilung mit Hintergründen zur Förderung und einem Überblick über die insgesamt vier geförderten Wissenschaftskommunikationsprojekte am UKHD sowie den Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim

Alle 25 Förderprojekte im Überblick

Website des Wissenschaftsjahrs 2026

Kontakt

Privatdozentin Dr. Nadia Primc
Akademische Rätin
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg
primc@uni-heidelberg.de

Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft

Gesundheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gutes Leben. Im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft steht die Frage im Fokus, wie Forschende mit ihren Ideen und Lösungen schon heute die Medizin von morgen formen. Wie lassen sich in Zukunft Krankheiten diagnostizieren? Welche Ideen gibt es für die medizinische Versorgung? Wird KI die Medikamentenentwicklung revolutionieren? Wie können innovative Technologien Pflege unterstützen, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren? Wie lassen sich Präventionsstrategien verbessern, sodass wir seltener und weniger schwer erkranken? Ein besonderer Fokus im Wissenschaftsjahr liegt auf geschlechtersensibler Forschung, denn bis heute fehlt für viele Krankheiten die Datengrundlage für eine geschlechtsspezifische Behandlung und Versorgung. Dies gilt ganz besonders für Erkrankungen und Gesundheitsthemen, die gerade Frauen betreffen, darunter Endometriose oder Wechseljahre.

Das Wissenschaftsjahr ist die größte bundesweite Plattform für disziplinübergreifende Kommunikation aktueller Forschungsthemen, an der sich pro Jahr 400 bis 800 Forschungsinstitute, Universitäten, Verbände, Vereine, Unternehmen und Stiftungen mit bis zu 1.000 Veranstaltungen und Aktionen beteiligen. Dazu gehören ein bundesweiter Hochschulwettbewerb, Formate wie SchulKinoWochen, MINTmachtage und die MS Wissenschaft, ein Ausstellungsschiff, das von Mai bis September bis zu 30 Städte in Deutschland anfährt. Die Wissenschaftsjahre werden seit dem Jahr 2000 ausgerufen und sind eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD).

Das ganze Jahr über lädt das Wissenschaftsjahr mit Veranstaltungen, Projekten und Aktionen dazu ein, Einblicke in die aktuelle Medizinforschung zu gewinnen und in den Austausch mit Wissenschaft, Wirtschaft, Medien, Politik und Gesellschaft zu kommen. Auch Social Media-Formate, monatliche Challenges und prominente Botschafterinnen und Botschafter werden das Wissenschaftsjahr 2026 intensiv begleiten.