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Pressemitteilung 2017/82 vom 24.07.2017

Minimal-invasive Therapie bei undichter Herzklappe: Erstes "Cardioband" am Universitätsklinikum Heidelberg implantiert

Implantation eines Cardiobandes in der Universitätsklinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie Heidelberg.
Implantation eines Cardiobandes in der Universitätsklinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie Heidelberg.

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Bandgestützt statt geklippt – Neue Kathetertechnik bietet Alternative zum bewährten MitraClip / Vorteil für jüngere Patienten: Herzklappe bleibt intakt / Verfahren kommt bei inoperablen Patienten mit schwerer Herzschwäche zum Einsatz / Erste beiden Patienten in Heidelberg wohlauf, Beschwerden deutlich verbessert


Für die schonende, nicht-operative Behandlung einer undichten Herzklappe, der sogenannten Mitralklappe, steht am Universitätsklinikum Heidelberg seit Kurzem ein neues Katheter-Verfahren zur Verfügung: Mit dem sogenannten Cardioband wird die aufgeweitete Herzklappe zusammengezogen, die Klappensegel können wieder schließen. Die beiden ersten Patienten im Alter von 33 und 36 Jahren haben den Eingriff ohne Komplikationen überstanden, ihre Beschwerden haben sich deutlich verbessert. Das 2016 zugelassene Verfahren für Patienten, die aufgrund einer zusätzlichen Herzschwäche nicht offen operiert werden können, bietet eine Alternative zum bewährten MitraClip, mit dem die nicht mehr schließenden Klappensegel aneinander geklippt werden. Mit dem Cardioband bleiben die Klappensegel unversehrt - weitere Eingriffe zu einem späteren Zeitpunkt sind möglich, ohne dass die Herzklappe dabei ersetzt werden muss.

 

"Daher werden voraussichtlich vor allem jüngere Patienten profitieren, bei denen im Laufe der Jahre noch mit weiteren Behandlungen am Herzen zu rechnen ist", erklärt Professor Dr. Raffi Bekeredjian, Leiter des Herzkatheterlabors der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, der mit seinem Team die Implantationen vornahm. "Die Alternative ist auch sinnvoll, falls der MitraClip aus anderen Gründen - z.B. weil die Klappe zu weit klafft - nicht in Frage kommt. Auch eine Kombination der beiden Techniken ist denkbar." Bisher liegen noch keine Studienergebnisse dazu vor, welches Verfahren sich für welche Patienten besonders eignet. Am Universitätsklinikum Heidelberg wird das Cardioband 2017 in einer Pilotphase zunächst nur bei einzelnen Patienten zum Einsatz kommen. Weltweit wurden seit 2013 ca. 200 Patienten mit einem Cardioband versorgt.

 

Als weitere Anwendungsmöglichkeit wird zurzeit das Cardioband bei undichter Trikuspidalklappe, der Herzklappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Hauptkammer, im Rahmen einer Zulassungsstudie (Heidelberg ist hier nicht beteiligt) klinisch geprüft. Bisher gibt es in diesem Zusammenhang keine geeignete Therapie. "Es ist davon auszugehen, dass sich das Cardioband durchsetzen und möglicherweise besonders als Therapie bei undichter Trikuspidalklappe weite Verbreitung finden wird", so Oberarzt Privatdozent Dr. Philip Raake.

 

Jedes Jahr müssen sich rund 450.000 Patienten wegen einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) im Krankenhaus behandeln lassen. Am Herzzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg arbeiten die Experten der Kardiologie eng mit den Kollegen der Herzchirurgie sowie der Klinik für Pädiatrische Kardiologie zusammen, um Patienten optimal zu versorgen. Bei einer Kombination von schwerer Herzschwäche und undichter Herzklappe sind die Patienten kaum noch belastbar und leiden selbst bei geringsten Anstrengungen unter Luftnot. "Ohne Reparatur der Klappe stirbt ca. die Hälfte der Patienten in weniger als fünf Jahren", erklärt Raake. Für viele dieser Hochrisikopatienten ist ein offener chirurgischer Eingriff jedoch zu riskant. Bei Katheter-Verfahren wie MitraClip und nun Cardioband erhält der Patient eine Vollnarkose, das Herz schlägt allerdings weiter, die Herz-Lungen-Maschine wird nicht benötigt. Die Eingriffsdauer ist kürzer als bei einer Operation. "Da das Herz normal weiterschlägt, können wir den Erfolg unmittelbar überprüfen und bei Bedarf direkt nachjustieren", erläutert Raake. Das Band wächst mit der Zeit ein.

 

Vor dem ersten Einsatz des Verfahrens absolvierten die Heidelberger Kardiologen ein intensives Training durch den Hersteller. Hinzu kommt die Erfahrung mit der Implantation des MitraClip bei inzwischen mehr als 400 Hochrisikopatienten. "Da die Abläufe vergleichbar sind, können wir die Implantation des Cardiobands sicher durchführen", so Raake.

 

Vor der Einführung in die klinische Routine müsse man weitere Studienergebnisse abwarten, wie Professor Dr. Hugo A. Katus, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, betont. Die Zulassungsstudie unter Federführung der Asklepios-Klinik St. Georg in Hamburg zeigte, dass der Eingriff sicher und risikoarm durchgeführt werden kann, den Rückstrom des Blutes bei den meisten Patienten deutlich verringert und in Folge die Herzfunktion unmittelbar verbessert. In die Studie an sieben europäischen Zentren wurden 50 Hochrisiko-Patienten eingeschlossen. Es traten keine Komplikationen während der Eingriffe auf. Die Patienten waren belastbarer und litten weniger an Luftnot, damit stieg auch die Lebensqualität. Dieser Effekt war auch nach zwei Jahren noch nachweisbar. Weiterführende Studien laufen bereits. 

 

Informationen zur Kardiologie Heidelberg:

www.kardiologieheidelberg.de

 

Literatur / Zulassungsstudie:

Maisano F, Taramasso M, Nickenig G, Hammerstingl C, Vahanian A, Messika-Zeitoun D, Baldus S, Huntgeburth M, Alfieri O, Colombo A, La Canna G, Agricola E, Zuber M, Tanner FC, Topilsky Y, Kreidel F, Kuck KH. Cardioband, a transcatheter surgical-like direct mitral valve annuloplasty system: early results of the feasibility trial. Eur Heart J 2016;37(10):817-25.

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