zurück zur Startseite
Zentrale Tel.: 06221-560
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Unternehmenskommunikation
Pressemitteilung 2017/109 vom 11.10.2017

Schlaganfall: Jede Minute zählt!

Professor Dr. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg
Professor Dr. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall – doch viele Betroffene oder ihre Angehörigen warten zu lange ab, bevor sie reagieren. Wie es zum Schlaganfall kommt, bei welchen Anzeichen man sofort den Notarzt rufen sollte und welche Behandlungsmöglichkeiten es heute gibt, erklärt Professor Dr. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, bei Medizin am Abend am 18. Oktober 2017.


In der Schlaganfallbehandlung hat sich in den letzten Jahren viel getan: Dank eines neuen Katheterverfahrens, das in spezialisierten Zentren durchgeführt wird, haben sich die Chancen, sogar einen schweren Schlaganfall ohne bleibende Schäden zu überleben, enorm verbessert. Bei weniger schweren Schlaganfällen ist die Versorgung inzwischen flächendeckend durch die sogenannten "Stroke Units" (zu Deutsch: Schlaganfalleinheiten) wohnortnah gesichert. Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Behandlung liegt allerdings meist in der Hand der Betroffenen und ihrer Angehörigen: die Zeit bis zum Eintreffen im Krankenhaus. "60 Prozent aller Schlaganfallpatienten in Baden-Württemberg erreichen die Klinik erst dann, wenn die Zeit für eine Blutgerinnsel auflösende Therapie bereits verstrichen ist", so Professor Dr. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. "Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Je schneller die Patienten behandelt werden, desto besser sind ihre Heilungschancen." In seinem Vortrag bei Medizin am Abend am Mittwoch, 18. Oktober 2017, wird er die wichtigsten Warnsignale, aktuelle Behandlungs­möglichkeiten sowie Risikofaktoren vorstellen. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

 

Bei einem Schlaganfall gilt: "Time is brain". Soll heißen: Je mehr Zeit bis zur Behandlung verstreicht, desto stärker wird das Gehirn geschädigt. In den ersten Stunden nach dem Schlaganfall sterben durchschnittlich 30.000 Nervenzellen pro Sekunde ab. Viele Betroffene schätzen die Lage falsch ein und entscheiden sich dafür, erst einmal abzuwarten - dabei sollte sofort gehandelt werden, denn Symptome wie halbseitige Lähmungen oder Sprachstörungen verschwinden nicht wieder von allein. "Wer Anzeichen eines Schlaganfalls bei sich oder einem Angehörigen bemerkt, sollte nicht erst die nächste Sprechstundenzeit beim Hausarzt abwarten, sondern sofort den Notruf 112 wählen, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit", betont der Neurologe.

 

Bei der ersten Einschätzung, welche Therapie der Patient benötigt, kommt den Rettungs­diensten eine Schlüsselrolle zu: Reicht voraussichtlich eine medikamentöse Behandlung, die sogenannte Thrombolyse, aus, profitiert der Patient am meisten von einem schnellen Transport in das nächstgelegene Krankenhaus mit Schlaganfallstation. Ist der Schlaganfall so schwer, dass ein Kathetereingriff nötig sein könnte, ist es sinnvoll, einen möglicherweise längeren Anfahrtsweg in ein spezialisiertes Zentrum in Kauf zu nehmen. Damit Schlaganfallpatienten - unabhängig von ihrem Wohnort - schnell und zuverlässig die bestmögliche Therapie erhalten, wurde ab dem 1.1.2017 unter Federführung der Neurologischen Universitätsklinik und gefördert von der Dietmar Hopp Stiftung das Schlaganfall-Konsortium Rhein-Neckar (FAST) gestartet. Konkret bedeutet das: Es entsteht ein Netzwerk mit einer gemeinsamen Struktur, Datenbank und Kontaktinformation über eine Vielzahl von Krankenhäusern und gemeinsame Standards für die Phase vor dem Eintreffen des Patienten in der Klinik und die Frühphase der Behandlung in den Notfallambulanzen werden entwickelt. Des Weiteren werden Rettungsassistenten und Notärzte sowie die Spezialisten in den Zentren vom Heidelberger FAST-Team kontinuierlich in der Einschätzung eines Schlaganfalls und den Behandlungspfaden im Netzwerk geschult und sind so in der Lage, zentral koordiniert, die jeweils passend ausgestattete Klinik anzusteuern. Die einheitlichen Standards sichern auch in kleineren Häusern eine konstant hohe Behandlungsqualität. An dem Netzwerk beteiligen sich mehr als 30 Partnerzentren der Region sowie die Rettungsdienste. "Ziel ist es, eine qualitativ hochwertige Therapie vor Ort so oft wie möglich, und in spezialisierten Zentren, wann immer erforderlich, zu gewährleisten", sagt Professor Dr. Wolfgang Wick.

 

Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall - der häufigste Grund für eine bleibende Behinderung und Pflegebedürftigkeit. Ursache ist bei den meisten Betroffenen ein Blutgerinnsel, das eine Hirnarterie und damit die Blutversorgung bestimmter Hirnareale blockiert. Der Durchblutungsstopp im Hirn macht sich durch Ausfallerscheinungen bemerkbar: Typisch sind Probleme beim Sprechen, verschiedenste Sehstörungen, Schwindelanfälle, Taubheits­gefühle oder die schmerzlose Schwäche eines Arms bzw. einer Körperhälfte. "Bei diesen Symptomen sollten sofort die Alarmglocken schrillen, denn ab dem Moment läuft die Zeit", mahnt Wick.

 

Der Betroffene müsse umgehend Medikamente erhalten, die das Gerinnsel auflösen sollen. Ist eines der großen Hirngefäße verschlossen und das Gerinnsel zu groß, reicht die Standardtherapie, die sogenannte Thrombolyse, jedoch häufig nicht aus. Ein neues, wissenschaftlich erprobtes und international anerkanntes, Katheterverfahren, das in spezialisierten Zentren rund um die Uhr verfügbar ist, kann in diesen Fällen helfen. Bei diesem als Thrombektomie bezeichneten Verfahren führen Neuroradiologen über einen Katheter von der Leistenarterie einen feinen Draht unter Röntgenkontrolle bis in die Hirnarterie und ziehen das Gerinnsel heraus. "Es ist verblüffend, wie bei Patienten mit schwersten Schlaganfällen z.B. eine halbseitige Lähmung oder eine Sprachstörung teils noch während der Behandlung vollständig verschwinden. Dank dieses Verfahrens haben sich in den letzten drei Jahren die Chancen dieser Patientengruppe auf ein Leben ohne Behinderung von quasi null auf bis zu 70 Prozent verbessert", erläutert Professor Wick. Beide Therapieoptionen, Thrombolyse und Thrombektomie, wird Professor Wick in seinem Vortrag ausführlich erläutern.

 

Weitere Informationen im Internet:

Medizin am Abend

Print Diese Seite per E-Mail weiterempfehlen

Kontakt

Doris Rübsam-Brodkorb
Pressesprecherin
Leiterin Ukom

Telefon: 06221 56-5052
Telefax: 06221 56-4544
Opens window for sending emailE-Mail


Julia Bird
Stellvertretende Pressesprecherin

Telefon: 06221 56-7071
Telefax: 06221 56-4544
Opens window for sending emailE-Mail

Archiv bis 2013

Pressemitteilungen bis zum Jahr 2013 finden Sie in unserem Archiv.