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Pressemitteilung 78/2018 vom 03.07.2018

Heidelberger Wissenschaftler unterstützen Schulen bei der Umsetzung des Mobbing-Präventionsprogramms "Olweus"

Gemeinsam stark gegen Mobbing / Realschule Waibstadt ist bundesweit die erste Schule, die für ihre Arbeit mit dem Olweus Mobbing-Präventionsprogramm zertifiziert wurde / Experten der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg helfen bei der Umsetzung und begleiten das Programm wissenschaftlich


Schubsen, demütigen, ausgrenzen: Mobbing ist an Schulen ein weit verbreitetes Problem. Das Olweus Mobbing-Präventionsprogramm gilt als das einzige wissenschaftlich erwiesene Programm, das nachweisbare Effekte erzielt und von unabhängigen Experten empfohlen wird. Nach einer zweijährigen Ausbildung hat die Realschule Waibstadt als erste Schule bundesweit das Olweus-Programm inklusive Zertifizierung absolviert und darf sich nun "Olweus-Schule" nennen. Das Programm startete im Jahr 2015 auf Initiative der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg, Auftrag- und Geldgeber ist die Baden-Württemberg Stiftung. Zurzeit organisieren die Wissenschaftler der Heidelberger Kinder- und Jugendpsychiatrie das Präventionsprogramm für 19 Schulen in Baden-Württemberg und begleiten diese wissenschaftlich.

 

Mobbing ist kein Schicksal - wenn alle mitziehen, kann man etwas dagegen tun

 

"Mobbing ist kein neues Thema, hat aber durch die Anonymität des Internets und die enorme Verbreitung sozialer Medien eine neue Dimension bekommen. Starke Schulgemeinschaften wie an der Realschule Waibstadt machen vor, wie man aktiv gegen Mobbing vorgeht und eine Kultur des Hinschauens auf allen sozialen Ebenen etabliert. Dieses Engagement ist vorbildhaft und verdient großen Respekt", sagt Dr. Susanne Eisenmann, Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg,. Finanziert wird das Programm für insgesamt 30 Schulen in Baden-Württemberg mit rund 610.000 Euro von der Baden-Württemberg Stiftung, die das Thema Mobbing als Teil ihres Aktionsprogramms "Psychische Gesundheit von Jugendlichen" unterstützt. "Für die psychische Gesundheit  ist es fundamental wichtig, in einem funktionierenden Umfeld aufzuwachsen. Das wirkt sich nicht nur unmittelbar positiv auf Leistung und Gemütszustand der Jugendlichen aus, sondern sorgt auch im Erwachsenenalter für mehr persönlichen Erfolg", sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

 

 "Jedes dritte Mobbing-Opfer leidet als Folge der Attacken an psychischen Folgeerkrankungen wie beispielsweise Depressionen, Ängsten oder gestörtem Essverhalten", fasst Prof. Franz Resch, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg zusammen. "Das Olweus-Programm bietet eine wissenschaftlich nachgewiesene Chance, Mobbing durch Prävention zu vermeiden und Kinder und Jugendliche vor behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen zu schützen." Klaus Sauer, Schulleiter der nun zertifizierten Realschule Waibstadt, weiß aus der Schulpraxis, wie wichtig ein frühzeitiges Eingreifen ist: "Viele Eltern unternehmen nicht sofort etwas, wenn ihr Kind gemobbt wird. Sie haben Angst, dass sich durch ihr Eingreifen die Situation für das Kinder verschlimmert. Wir gehen dieses Problem aktiv an, denn gegen Mobbing kann man tatsächlich etwas tun."

 

Ein schwedisch-norwegischer Psychologe und sein Kampf gegen Mobbing

 

Jeder vierte Schüler an deutschen Schulen ist oder war bereits Opfer von Mobbing. Ob verbale oder physische Attacken, online oder direkt im Klassenzimmer, Mobbing hat viele Gesichter. Das von dem schwedisch-norwegischen Professor für Entwicklungspsychologie Dan Olweus entwickelte "Olweus Bullying Prevention Program" gilt in Norwegen und Amerika als bewährtes Konzept im Kampf gegen Gewalt und Ausgrenzung. Ein Verdienst der Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg ist es, das Programm nach Deutschland geholt und die Baden-Württemberg Stiftung als Partner gewonnen zu haben - so wurde in ihrem Auftrag das dem Programm zugrunde liegende Handbuch erstmals in die deutsche Sprache übersetzt.

 

Das Training verläuft auf Schul-, Klassen- und Personenebene und dauert - begleitet von Olweus-Coaches, die direkt durch das norwegische Team von Olweus International in Heidelberg ausgebildet werden - 18 Monate. Schulen, die im Anschluss nach weiteren sechs Monaten nachweisen können, dass sie das Programm auch umsetzen, erhalten eine Zertifizierung, die alle zwei Jahre erneuert werden muss. Ziel ist es, dass die Schulen das Programm nach Abschluss des Trainings selbstständig und langfristig weiterführen können.

 

Das Olweus Mobbing-Präventionsprogramm wird schrittweise eingeführt. Basis - und damit für die Forschenden des Universitätsklinikums Heidelberg auch wissenschaftlich interessant - ist eine jährliche Schülerbefragung zum Thema Mobbing, sodass die Effektivität des Programms im Sinne eines Vorher-Nachher-Vergleichs geprüft werden kann. "Die bislang erhobenen Daten von knapp 6000 Schülern zeigen eine deutliche Reduktion von Mobbing durch das Programm sowohl auf Opfer- als auch auf Täterseite nach 12 Monaten. Erwartungsgemäß wird sich dieser Effekt im Folgejahr noch weiter ausbauen", fasst Prof. Dr. Franz Resch von Universitätsklinikum Heidelberg zusammen.

 

Zudem werden im Rahmen der Forschungsarbeiten Daten über das psychische Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen erhoben, um festzustellen, ob durch eine Reduktion von Mobbing tatsächlich auch die Ausbildung von psychischen Folgestörungen verhindert werden kann.

 

Die Baden-Württemberg Stiftung

 

Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert - und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger.

www.bwstiftung.de

Weitere Informationen unter:

Olweus International

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg

www.realschule-waibstadt.de

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