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Pressemitteilung 82/2018 vom 12.07.2018

Rehabilitation von Gelähmten – Schritt für Schritt zurück ins Leben

Prof. Dr. Norbert Weidner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Paraplegiologie am Standort Schlierbach des Universitätsklinikums Heidelberg.
Prof. Dr. Norbert Weidner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Paraplegiologie am Standort Schlierbach des Universitätsklinikums Heidelberg.

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

PD Dr. Rüdiger Rupp, Leiter der Sektion Experimentelle Neurorehabilitation an der Klinik für Paraplegiologie.
PD Dr. Rüdiger Rupp, Leiter der Sektion Experimentelle Neurorehabilitation an der Klinik für Paraplegiologie.

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Ob als Folge von Sportunfall, Sturz, Schlaganfall oder Tumor – schwere Lähmungen können jeden aus heiterem Himmel treffen und setzen der bisherigen Lebensgestaltung meist ein jähes Ende. Wie Rehabilitation und moderne Hilfsmittel wieder zu einem möglichst autonomen Leben verhelfen können, beleuchten Querschnitt-Experte Prof. Dr. Norbert Weidner und Ingenieur Dr. Rüdiger Rupp bei Medizin am Abend am 18. Juli 2018.


Nach dem Sturz der Schock: Die Beine sind gelähmt. Trotzdem steht schon fünf Tage später der Physiotherapeut am Bett - und das ist sehr wichtig: "In kaum einem medizinischen Bereich spielt die frühe Rehabilitation eine so entscheidende Rolle wie in der Therapie von Gelähmten. Nur mit einem individuell zugeschnittenen und interdisziplinär umgesetzten Konzept lassen sich verlorene Funktionen - je nach Ausmaß des neuronalen Schadens - wieder herstellen", sagt Prof. Dr. Norbert Weidner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Paraplegiologie am Standort Schlierbach des Universitätsklinikums Heidelberg. Zur Rehabilitation gehört aber ebenso die kompetente Unterstützung darin, trotz dauerhafter Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit den Alltag selbständig zu bewältigen. "Wichtig ist die Versorgung mit den passenden Hilfsmitteln", ergänzt Privatdozent Dr. Rüdiger Rupp, Leiter der Sektion Experimentelle Neurorehabilitation an der Klinik für Paraplegiologie. "Dabei spielt zunehmend komplexe Technik eine Rolle." Bei ihrem Vortrag bei Medizin am Abend am Mittwoch, 18. Juli 2018, werden die beiden Experten erläutern, wie es für gelähmte Patienten nach der Akutversorgung weiter geht und welche Maßnahmen ihnen helfen, Schritt für Schritt zurück ins Leben zu finden. Sie stellen dabei moderne Rehabilitationsmethoden wie Gangroboter ebenso vor wie den wissenschaftlichen Stand in puncto Nervenregeneration oder technische Fortschritte im Bereich von Neuroprothesen. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

 

Die weitaus häufigste Ursache für Lähmungen sind Schlaganfälle - bei etwa einem Drittel der rund 300.000 Betroffenen pro Jahr bleiben dauerhafte Funktionseinschränkungen zurück - und Multiple Sklerose. Die Querschnittlähmung nach Unfällen, Stürzen oder als Folge von Tumoren oder Entzündungen des Rückenmarks ist relativ selten: Jedes Jahr trifft es deutschlandweit rund 2.000 Menschen. "Immer häufiger sind das ältere Patienten, die unglücklich gestürzt sind, z.B. im Garten beim Kirschenpflücken", erläutert Weidner. In der Akutbehandlung geht es dann vorrangig darum, soviel Rückenmark wie möglich zu retten, beispielsweise durch eine schnelle und sichere chirurgische Stabilisierung der Wirbelsäule. Es folgen Untersuchungen, um das Ausmaß des neurologischen Schadens genauestens abzuklären. Falls vorhanden - selbst wenn es nur ein leichtes Gefühl in den betroffenen Gliedmaßen ist - sollten so früh wie möglich strukturierte Trainingprogramme starten. "Funktionen, die sich wiederherstellen lassen, kehren meistens innerhalb der ersten drei Monate zurück", so der Leiter des Heidelberger Querschnittzentrums. "Es gilt daher, keine unnötige Zeit verstreichen zu lassen und die Patienten intensiv mit einem zielorientierten Training zu begleiten und zu unterstützen."

 

Eine wichtiger Bestandteil der Rehabilitation bei nicht kompletter Querschnittlähmung sind sogenannte restaurative Therapiemaßnahmen, die eine "Umprogrammierung" der noch funktionsfähigen Nervenverbindungen zum Ziel haben. "Das Training bringt vorhandene Strukturen dazu, die Funktion angefallener Nervenfasern zu übernehmen, wir spielen damit gewissermaßen eine neue Software auf", erläutert Rüdiger Rupp. Dabei hilft beispielsweise der Gangroboter "Lokomat": Die robotergestützte Laufband-Therapie wird bereits seit 2001 am Heidelberger Querschnittzentrum genutzt, um unvollständig gelähmten Patienten das Gehen wieder beizubringen - seit 2016 mit neuem Modell. In welchem Ausmaß der Roboter - ein Außenskelett mit computergesteuerten Elektromotoren - die Beinbewegungen des Patienten unterstützt, lässt sich individuell und sehr fein einstellen. Je nach Trainingsfortschritt kann die Unterstützung sukzessive reduziert werden, später folgt einfaches Laufbandtraining, dann Gehen am Barren. 

 

Vorsichtig optimistischer Blick in die Zukunft

 

Eine Abkürzung auf diesem mühsamen und steinigen Weg gibt es nicht: "Derzeit gibt es weder Medikamente noch Zelltherapien, die verlorene Funktionen wieder herstellen können", betont Prof. Norbert Weidner. Immerhin ist ein sehr vorsichtig optimistischer Blick in die Zukunft gestattet: Tierexperimentelle Studien legen nahe, dass bestimmte lösliche Faktoren beschädigte Nervenzellen dazu anregen können, gekappte Verbindungen wieder aufzubauen. Eine internationale Studie ist in Planung. Die Therapie mit Stammzellen zeigt zwar ebenfalls vielversprechende Ergebnisse, bis zur klinischen Anwendung ist es jedoch noch ein weiter Weg, wie der Experte ausführen wird.

 

Für hochgradig gelähmte Menschen arbeiten Wissenschaftler wie Rüdiger Rupp an technischen Möglichkeiten, die unterbrochen Nervenverbindungen zu überbrücken. Er wird einen in Heidelberg entwickelten Prototyp einer Neuroprothese mit Brain-Computer-Interface vorstellen: Elektroden auf der Kopfoberfläche übertragen die Befehle des Gehirns an einen Elektrodenhandschuh - der Gedanke daran, etwas zu greifen, genügt. "Es gelingen bereits zwei verschiedene Griffe und die Handöffnung. Das ist sehr vielversprechend, aber noch ein langer Weg bis zur Routineanwendung", so der Elektrotechniker. Um das System weiter zu verbessern, läuft aktuell die MoreGrasp-Studie, für die noch Teilnehmer mit Querschnittlähmung ab der Halswirbelsäule (Tetraplegiker) gesucht werden (www.klinikum.uni-heidelberg.de/MoreGrasp.141052.0.html). Thema des Vortrags sind allerdings auch normale Alltagshelfer vom Hilfsbändchen bis zur Beinschiene, ohne technische Spielerei, aber hoch bewährt. Nicht zuletzt kann der sich immer weiter durchsetzende Trend zur digitalen Vernetzung, sei es in Form von sprachgesteuerten, internetbasierten Assistenten oder eines smarten Zuhauses, den Alltag gelähmter Personen entscheidend erleichtern, verhilft er doch Schritt für Schritt zu mehr Selbstständigkeit. 

 

www.medizin-am-abend.de

 

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