Kardio MRT (ICH)

Institut für Cardiomyopathien Heidelberg

bildgebend

Erklärung

Die kardiale Magnetresonanztomographie (auch Kardio-MRT) ermöglicht unter Einsatz starker Magnetfelder und ohne Röntgenstrahlung eine exakte Untersuchung des Herzens mit guter räumlicher und zeitlicher Auflösung. Die exakte Klärung der Ätiologie einer Kardiomyopathie sollte frühzeitig angestrebt werden, da sie bedeutsam für Diagnose, Therapie und Prognose ist.

Eine nicht-ischämische Kardiomyopathie ist z.B. gekennzeichnet durch eine strukturelle und funktionelle myokardiale Störung, bei der eine koronare Herzerkrankung, arterielle Hypertonie, signifikante Klappenvitien sowie kongenitale Herzerkrankung als Ursache ausgeschlossen werden konnten.

Die kardiale Magnetresonanztomographie hat insbesondere in der Bildgebung der Kardiomyopathien zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Vorteile dieser Methode gegenüber anderen Modalitäten sind untersucherunabhängige und gut reproduzierbare Befunde, die eine umfassende und genaue funktionelle und morphologische Darstellung des linken sowie des rechten Ventrikels ermöglichen. Außerdem kann mit Hilfe der Kardio-MRT eine Gewebecharakterisierung mit Darstellung von Nekrose und Fibrose erfolgen.

Nach Applikation eines Gadolinium-haltigen Kontrastmittels kommt es in fibrotischem Myokard zu einer höheren Kontrastmittelkonzentration als in gesundem Herzmuskelgewebe. Dieses Phänomen wird „Late Gadolinium Enhancement“ (LGE) bezeichnet und hat 5 bis 20 min nach Kontrastmittelgabe die höchste Signalintensität. Diese Technik ist einerseits sinnvoll zur Erkennung von Narben nach Myokardinfarkt, andererseits weisen auch nicht-ischämische Kardiomyopathien spezifische Narbenmuster auf, was zum einen die Diagnosestellung und Klärung der Ätiologie erleichtern kann, zum anderen zumindest teilweise auch eine prognostische Bedeutung hat. Außerdem ermöglicht das LGE relativ sicher Herzmuskelentzündungen von Kardiomyopathien abzugrenzen.

Kardiomyopathieformen und ihre MR-tomographischen Besonderheiten:

Dilatative Cardiomyopthie (DCM)

Die DCM ist gekennzeichnet durch eine global reduzierte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, erhöhte linksventrikuläre Volumina sowie eine Ausdünnung des Myokards.

Bei ungefähr einem Drittel der Patienten findet man zusätzlich intramyokardiale LGE nach Kontrastmittelgabe (sogenanntes „Midwall-Enhancement). Studien konnten zeigen, dass diese Kontrastmittelaufnahme mit einem ungünstigen klinischen Verlauf und eine erhöhten Mortalität assoziiert ist.

Hypertrophe Cardiomyopathie (HCM)

Bei der HCM zeigt sich ein verdicktes Myokard bei normal großem Ventrikel. Andere Ursachen, welche die Hypertrophie erklären könnten, müssen ausgeschlossen werden  (z. B. arterielle Hypertonie). Häufig ist die Hypertrophie asymmetrisch (septal, apikal). Mittels Kardio-MRT ist zudem eine genaue Bestimmung der Myokardmasse möglich. Hinweise für eine hypertrophe obstruktive Cardiomyopathie (HOCM) sind eine Flussbeschleunigung des linksventrikulären Ausflusstrakts sowie eine systolische Vorwärtsbewegung (SAM) des anterioren Mitralklappensegels. Bei der HCM findet sich LGE klassischerweise in den hypertrophierten Regionen sowie Bereich der RV-Insertionstellen.

Auch bei der HCM ist das LGE ein Prädiktor für Mortalität und ist signifikant mit dem Auftreten von malignen Herzrhythmusstörungen bzw. plötzlichen Herztod assoziiert.

Arrhythmogene rechtsventrikuläre Dysplasie/Cardiomyopathie (ARVD/C)

Die ARVD/C ist eine genetisch bedingte Kardiomyopathie, die insbesondere den rechten Ventrikel (RV) befällt und mit einer Fibrosierung und Verfettung des RV einhergeht. Aufgabe der kardialen Magnetresonanztomographie ist es die Morphologie und Funktion des RV genau zu bestimmen. Zur Diagnosesicherung ist es von entscheidender Bedeutung die RV-Ejektionsfraktion, RV-Volumina und regionale Wandbewegungsstörungen (entsprechend einem sog. Major-Kriterium) festzuhalten.

Zusätzlich kann das Kardio-MRT mittels spezifischer Sequenzen auch eine fettige Infiltrationen sowie ein LGE des RV nachweisen.

Amyloidose

Auch in der Diagnosesicherung einer kardialen Amyloidose ist das Kardio-MRT ein bedeutender Baustein. Typischerweise zeigt sich bei kardialer Amyloidose eine myokardiale Hypertrophie, Perikardergüsse sowie eine verminderte longitudinale Funktion. Charakteristisch ist zudem eine diffuse, „fleckige“ Kontrastmittelanreicherung im gesamten linken und teils auch rechten Ventrikel.