Kyphoplastie

Klinik für Endokrinologie, Stoffwechsel und Klinische Chemie

Erklärung

Der Begriff Kyphoplastie (sprich: Küfoplastie) leitet sich aus dem Griechischen ab. "Kyphos" bedeutet "Wirbel", "plastein" heißt "bilden". Die Kyphoplastie ist eine neue, sehr erfolgreiche operative Therapie bei schmerzhaften Brüchen der Wirbelkörper.

Die Therapie des Schmerzes steht im Vordergrund

Bei der Kyphoplastie handelt es sich um eine neue Facette der Schmerztherapie. Durch Einspritzen eines speziellen Knochenzementes in die Bruchstelle wird der Wirbelkörper "geklebt". Dieses "Reparieren" des gebrochenen Wirbelkörpers steht bei einer Kyphoplastie jedoch nicht im Vordergrund. Vielmehr ist es erstes Ziel der Therapie, die oftmals unerträglichen Schmerzen der Patienten zu beheben oder aber zumindest gravierend zu lindern. Daher ist eine Kyphoplastie auch nur dann geeignet, wenn die vom Patienten beschriebenen Schmerzen eindeutig auf den Wirbelkörperbruch zurück zu führen sind. Nur dann kann das Verfahren helfen. Tatsächlich können die meisten Patientinnen und Patienten dann auf diese Weise von ihren Schmerzen befreit werden. Der Grund für die schmerzreduzierende Wirkung liegt möglicherweise darin, dass ein zusammengebrochener Wirbelkörper ständig weiter einbricht (= sintert), wodurch auch die empfindliche Knochenhaut des entsprechenden Wirbelkörpers immer weiter irritiert wird. Diese Irritation bereitet dann die Schmerzen.

Heidelberger Ärzte führend in Deutschland

Die Kyphoplastie wurde 1998 von einem amerikanischen Orthopäden entwickelt und 1999 erstmals in Kalifornien eingesetzt. Mittlerweile wurden weltweit ca. 165.000 Menschen mit dieser Methode behandelt→ Zahl noch aktuell??? , in Deutschland sind es bisher 11.000. Seit dem Jahr 2001 wird die Kyphoplastie auch am Universitätsklinikum Heidelberg eingesetzt. Mit über 630 erfolgreich behandelten Patienten verfügen wir in Heidelberg damit über eine besonders große Erfahrung mit der Kyphoplastie in Deutschland. Wir publizierten auch die weltweit erste und größte kontrollierte klinische Studie über Langzeitergebnisse, in der die Wirksamkeit und die Verträglichkeit dieser neuen Therapieform eindeutig belegt werden konnte. Ein Teil der Heidelberger Patientinnen und Patienten wird auch weiterhin im Rahmen von klinischen Studien behandelt, um das Verfahren weiter wissenschaftlich zu erforschen.

An der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg werden alle Patienten von einem Behandlungsteam von hoch qualifizierten Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen begutachtet. Nach eingehender interdisziplinärer Diskussion jedes einzelnen Falles mit Endokrinologen, Osteologen, Hämatologen, Radiologen und Unfallchirurgen / Orthopäden werden diejenigen Patienten ausgewählt, bei denen das Verfahren technisch machbar ist und als aussichtsreich angesehen wird. Das gewährleistet den guten Erfolg der Operation.

Der operative Eingriff

Der Eingriff wird von einem spezialisierten Ärzteteam, bestehend aus Endokrinologen/Osteologen, Radiologen und Unfallchirurgen/Orthopäden unter Vollnarkose und Röntgensichtkontrolle vorgenommen. Der Patient liegt dabei auf dem Bauch. Der Eingriff dauert pro Wirbelkörper etwa 20 Minuten.

Technik

Zunächst wird eine Arbeitskanüle in den schmerzhaft eingebrochenen Wirbelkörper vorgeschoben. Dann wird durch diese Arbeitskanüle ein Ballonkatheter in den Wirbelkörper eingeführt. Dieser Ballon wird mit einer röntgendichten Flüssigkeit unter Röntgendurchleuchtungskontrolle "aufgeblasen". Dadurch wird in dem eingebrochenen Wirbelkörper ein definierter Hohlraum geschaffen, der begrenzt wird von einer Schicht komprimierten Knochenmarksgewebes, welches diesen Hohlraum „versiegelt“ und ein günstiges „Implantatbett“ für die Einheilung der Implantat-Plombe darstellt. Der Hohlraum bleibt bestehen, auch wenn anschließend die Flüssigkeit aus dem Ballon abgelassen und der Ballon entfernt wird, weil der Patienten ja auf dem Bauch liegt und kein Druck mehr auf dem Wirbelkörper lastet. In den geschaffenen definierten Hohlraum wird nun der Knochenzement eingespritzt.

So wird der Wirbel endgültig stabilisiert. Bei frischen Brüchen kann er manchmal auch wieder aufgerichtet werden. Ein Korsett muss nach der Operation nicht getragen werden. Meist sind die Patienten nach ein bis zwei Tagen mobil und können entlassen werden.

Wem hilft Kyphoplastie?

Rückenschmerzen können viele Ursachen haben. Sie können verursacht sein durch degenerative Wirbelsäulenveränderungen oder auch Bandscheibenvorwölbungen.

Bei einem Teil der Patienten entstehen Rückenschmerzen jedoch auch durch einbrechende Wirbelkörper. In diesen Fällen kann die Kyphoplastie eine schnelle und durchgreifende Beschwerdelinderung bringen, unabhängig vom Alter der Wirbekörperfraktur.

Anwendungsgebiete sind:

  • akuter schmerzhafter Wirbelkörpereinbruch bei Osteoporose
  • chronisch schmerzhaft eingebrochener Wirbelkörper bei Osteoporose
  • unfallbedingte frische Wirbelkörperfraktur, sofern es sich nicht um einen Berstungs- oder Trümmerbruch handelt (behandelbar sind sogenannte Typ A1.1- und A1.2-Frakturen)
  • bösartige und gutartige Tumoren im Wirbelkörper mit Schmerzen oder drohendem Stabilitätsverlust, z.B. Myelom (Knochenmarksgeschwulst), Hämangiom (Blutgefäßgeschwulst)
  • pathologischer Wirbelkörpereinbruch bei den Knochen auflösenden Knochenmetastasen, die Schmerzen verursachen oder die Stabilität des Wirbelkörpers bedrohen

Die Kyphoplastie ist derzeit nicht geeignet zur kosmetischen Korrektur einer verkrümmten Wirbelsäule und auch nicht sinnvoll bei einem Bandscheibenvorfall.

Für wen kommt Kyphoplastie nicht in Frage?

Ausgeschlossen sind Patienten

  • bei denen aus medizinischen Gründen eine Narkose oder Operation nicht möglich ist
  • die an Gerinnungsstörungen leiden (Gefahr der unstillbaren Blutung). Denn käme es zu Einblutungen in den Rückenmarkskanal, könnte ihr Druck auf das Rückenmark Nervenschäden verursachen
  • mit Infektionen im Bereich des zu behandelnden Wirbelsäulenabschnittes, z. B. einer Wirbelentzündung (Spondylitis) oder einer Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis)
  • mit Infektionen der Haut
  • mit Hinterkanteninstabilität. Die Hinterkante eines Wirbels ist die Seite, die zum Rückenmark hin zeigt. Bei einer Kyphoplastie käme es womöglich zu Verletzungen des Rückenmarks, weil sich ein Knochenfragment oder der eingespritzte Zement durch die fragile Hinterkante in den Rückenmarkskanal schieben könnte
  • bei denen eine Auflösung des Knochens stattfindet mit Einbruch in den Rückenmarkskanal
  • die an Schmerzen ohne sicheren Bezug zum Wirbeleinbruch leiden
  • mit Wirbelsäulenverkrümmungen ohne Schmerzen
  • mit Deformierungen von Halswirbelkörpern
  • mit Bandscheibenbeschwerden
  • mit hochgradigen Verschleißerscheinungen an den Wirbelkörpern, die eine sichere Platzierung der Instrumente für die Kyphoplastie nicht mehr erlauben.

Ist eine Kyphoplastie bei mir sinnvoll?

Sie können mit einer Überweisung Ihres Hausarztes die Sinnhaftigkeit einer Ballonkyphoplastie vom Heidelberger Ärzteteam unter Leitung von Professor Dr. Dr. Christian Kasperk beurteilen lassen. Bevor Sie nach Heidelberg kommen, sollte zunächst geprüft werden, ob eine Kyphoplastie bei Ihnen technisch möglich ist und aussichtsreich erscheint, Ihre Beschwerden zu lindern oder sogar zu beseitigen.

Um dies zunächst (ohne Vorstellung in der Sektion Osteologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg) prüfen zu können, benötigen wir:

  • aktuelle Röntgenbilder der Brust- und Lendenwirbelsäule in 2 Ebenen (nicht älter als 4 Wochen)
  • sofern vorhanden die aktuellsten CT und / oder MRT Bilder
  • Röntgen-CT und MRT Bilder, die älter als etwa 6 Monate sind, sind zu alt und für das Gutachten nicht zu verwenden!

Eine kurze Beschreibung, wo Sie am Rücken am meisten bzw. am häufigsten Beschwerden haben oder wo am Rücken die Schmerzen am schlimmsten sind.

Zusammen mit der Überweisung Ihres Hausarztes senden Sie alles an folgende Adresse:

Professor Dr. Dr. Ch. Kasperk
Sektion Osteologie
Medizinische Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg

Sie erhalten alle Unterlagen zusammen mit unserer Stellungnahme per Post zurück!

 

 

Voraussetzung für den Behandlungsbeginn

Bevor eine Kyphoplastie vorgenommen wird, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ein  interdisziplinäres Behandlungsteam aus Osteologen/Endokrinologen, Hämatologen, Radiologen und Unfallchirurgen/Orthopäden empfehlen GEMEINSAM diese Therapie
  • Es wurde sichergestellt, dass der Schmerz tatsächlich von dem eingebrochenen Wirbelkörper verursacht wird
  • Es liegen aktuelle Röntgenbilder der Brust- und Lendenwirbelsäule vor (höchstens vier Wochen alt)
  • Es liegt eine dreidimensionale Darstellung des betroffenen Wirbelsäulenbereichs vor (Spiral-Computertomografie oder Magnetresonanztomografie)
  • Bei ausstrahlenden Beschwerden muss ausgeschlossen werden können, dass eine Nervenwurzel betroffen ist. Sonst kann die Kyphoplastie keinen schmerzlindernden Effekt haben
  • Der Patient ist operations- und narkosefähig
  • Der Patient hat eine normale Blutgerinnung. Sieben Tage vor der Kyphoplastie dürfen keine gerinnungshemmenden Schmerz-Medikamente wie NSAR und Aspirin eingenommen werden. Schmerzmedikamente müssen eine Woche vor der Kyphoplastie durch Opiatderivate ersetzt werden
  • Bitte bringen Sie eine gültige Überweisung für das aktuelle Quartal vom Hausarzt oder behandelnden Arzt mit!

Häufige Nachfragen

Kosten

Der Eingriff wird meisten von der Krankenkasse übernommen. Jeder Patient, der sich einer Kyphoplastie unterziehen möchte, sollte vorab mit der Krankenkasse klären, ob die Kosten auch tatsächlich erstattet werden. Sie belaufen sich zur Zeit auf rund 3.000 Euro. Größter Kostenfaktor ist der Ballonkatheter, der durch ein Patent geschützt ist.

Komplikationen / Risiken

Die Kyphoplastie ist nicht völlig risikolos. Es ist möglich, dass ein wenig Zement aus dem Wirbelkörper austritt und in die Umgebung gelangt. Dann besteht das Risiko, dass der Zement auf Nerven oder Rückenmark drückt und Beschwerden verursacht. Das passiert aber sehr selten, da der Zement dickflüssig ist und bei nur geringem Druck in den vorbereiteten Hohlraum gewissermaßen "eingefüllt" werden kann. Außerdem wird der Eingriff unter Röntgenkontrolle durchgeführt, so dass er jederzeit abgebrochen werden kann, falls es zu Zementaustritten kommen sollte. In Heidelberg konnte man dies bisher nur bei ca. 15 Prozent der behandelten Patienten beobachten. Es verursachte auch keinerlei Beschwerden bei den Patienten und war somit klinisch ohne Bedeutung. Die schlimmste denkbare Komplikation wäre eine Nervenschädigung im Bereich des Rückenmarks mit Nervenausfällen, wie z.B. Lähmungen oder Gefühlsstörungen in den Beinen.

Außerdem besteht das geringe Risiko, dass bei der Operation etwas Zement abgeschwemmt wird und in die Lunge gelangt, was zu einer Lungenembolie führen könnte. Wenn es zu einem solchen Zementaustritt kommt, wird daher auch die Lunge postoperativ röntgenologisch untersucht.

Außerdem besteht das geringe Risiko, dass bei der Operation etwas Zement abgeschwemmt wird und in die Lunge gelangt, was zu einer Lungenembolie führen könnte. Wenn es zu einem solchen Zementaustritt kommt, wird daher auch die Lunge postoperativ röntgenologisch untersucht.

Jeder Patient muss vor dem Eingriff über diese denkbaren Komplikationen informiert werden und einen Aufklärungsbogen unterschreiben. Um Komplikationen zu vermeiden, gibt es strenge Ausschlusskriterien. Im  Abschnitt "Wem hilft Kyphoplastie?" wird beschrieben, für welche Patienten eine Kyphoplastie in Frage kommt und für welche nicht.

Erkrankungen

Spezialisten

Prof. Dr. Dr. Dr.h.c Christian Kasperk