Kliniken & Institute … Institute Zentrum für… Krankenhaus- /… Leistung Hygiene-Plan Hygiene-Plan 1 Händehygiene

Händehygiene


1.3.3 Chirurgische Händesinfektion

Die chirurgische Händedesinfektion ist vor allen operativen Eingriffen durchzuführen (Kat.IA). Sie hat das Ziel, die transiente Flora zu eliminieren und die residente Flora so weit wie möglich zu reduzieren.

Bedingungen sind (Kat.IB):

  • Die Mitglieder des Op-Teams müssen kurze und rundgeschnittene Fingernägel haben und dürfen keine künstlichen Fingernägel tragen. (Das Tragen künstlicher Nägel konnte als Quelle von Ausbrüchen nosokomialer Infektionen identifiziert werden. Daher ist das Tragen künstlicher Nägel im OP untersagt) (Kat.IV, Kat.IA). .
  • Es dürfen keine Nagelbettverletzungen oder entzündliche Prozesse vorhanden sein.
  • Ausschließlich Nägel und Nagelfalze sollen bei Bedarf mit weicher (!!!), desinfizierter Kunststoffbürste und flüssiger Seife gereinigt werden.
  • Bürsten der Hände und Unterarme ist wegen Hautirritation und höherer Keimabgabe zu unterlassen (Kat.IA).
  • Armaturen und Spender dürfen nicht über Handkontakt bedient werden!

Ausführung (Kat.IB):

  1. Vor der am Op.-Tag erstmalig durchgeführten chirurgischen Händedesinfektion werden Hände und Unterarme bis zum Ellenbogen mit nach oben gerichteten Fingerspitzen und tief liegendem Ellenbogen während etwa 1 min mit flüssiger Seife gewaschen.
  2. Länger dauernde Händewaschungen sind wegen potentieller Hautschädigung abzulehnen, zumal dadurch keine weitere Keimzahlverminderung erreicht wird.
  3. Nach Abtrocknen mit einem keimarmen Einmalhandtuch  wird die Händedesinfektion durchgeführt.
  4. Während der vom Hersteller der Präparate angegebenen Einwirkungszeit müssen Hände und Unterarme vollständig mit Desinfektionslösung benetzt sein. In der Händedesinfektionsphase hat sich das Einreibeverfahren nach EN 12791 bewährt, das bei korrekter Umsetzung Benetzungslücken verhindert. Das Hauptaugenmerk beim Einreiben soll auf die Fingerkuppen, Nagelfalze und Fingerzwischenräume gelegt werden. Eine Händetrocknung danach ist mit Rekontaminationsrisiko verbunden und nicht erforderlich (falls jedoch gewünscht, nur mit sterilem Tuch zur Einmalbenutzung); allerdings müssen die Hände vor dem Anlegen der Op.-Handschuhe lufttrocken sein, um Hautschäden vorzubeugen und die Integrität des Op.-Handschuhs nicht zu gefährden.
  5. Bei Aufeinanderfolge kurzer Eingriffe (Op. + Op.-Pause < 60 min) mit geringer Kontaminationswahrscheinlichkeit (intakter Handschuh!) kann vor dem nächsten Eingriff die Händewaschung unterbleiben (Kat.II).

Ferner sind folgende Aspekte von Bedeutung:

  • Die Aktivität der alkoholischen Händedesinfektion wird durch die unmittelbar vorausgehende Seifenwaschung tendenziell reduziert. Aus diesen Gründen wird die Waschphase bei optisch sauberen Händen als Bestandteil der chirurgischen Händedesinfektion nicht mehr generell als erforderlich angesehen. Da die Hand insbesondere zu Dienstbeginn, allerdings mit Bakteriensporen kontaminiert sein kann, Alkohole aber nicht sporozid wirken, sollten die Hände zu Dienstbeginn, spätestens aber vor Anlegen der OP-Bereichskleidung in der OP-Schleuse, einmal gewaschen und abgetrocknet werden. Die Zeitspanne zwischen der Händewaschung und der Einschleusung gewährleistet eine ausreichende Abtrocknung der Restfeuchte der Haut bis zur alkoholischen Händedesinfektion, so dass die Wirkung der Desinfektion nicht mehr beeinträchtigt wird.
  • Durch Einbürsten eines alkoholischen Desinfektionsmittels in den Nagelfalz kann eine Wirkungssteigerung erzielt werden; dies empfiehlt sich, wenn eine hohe Keimarmut erforderlich ist, z. B. vor Implantation alloplastischer Materialien (Kat.II).
  • Sofern bei der Händewaschung bereits die Op.-Bereichskleidung angelegt ist, sollte eine wasserundurchlässige keimarme Schürze getragen werden, um ein Durchnässen der Op.-Bereichskleidung zu verhindern (Kat.IB).
  • Es ist darauf zu achten, dass Bereiche oberhalb des Ellenbogens (Ärmel!) nicht befeuchtet werden (Kat.III).
  • Hände und Fingernägel der Mitarbeiter sollen bei Betreten des OP-Trakts sauber sein (Kat.IB).
  • Alle Mitglieder des OP-Teams mit direktem Kontakt zum Operationsfeld und zu sterilem Instrumentarium oder Material (z. B. Medizinprodukten) müssen vor Beginn ihrer Tätigkeit eine chirurgische Händedesinfektion durchführen (Kat.IA). Schmuck behindert die sachgerechte Desinfektion. An Händen und Unterarmen dürfen daher keine Schmuckstücke, Uhren oder Ringe getragen werden (Kat.IV).

Nach Ablegen der OP-Handschuhe erfolgt wie üblich zum Selbst- und zum Fremdschutz eine hygienische Händedesinfektion und danach in der Regel eine Händewaschung zur Entfernung von Schweiß und Handschuhrückständen.

Kapitelübersicht          nächstes Kapitel