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MRE - Allgemeines


6.1.1 Multiresistente Erreger

Multiresistente Erreger (MRE) gewinnen zunehmend an Bedeutung. Es kommt, unter anderem durch unkritischen Einsatz von Antibiotika in der Vergangenheit, allgemein vermehrt zum Auftreten von Krankheitserregern die nur noch sehr eingeschränkt bzw. gar nicht mehr antibiotisch therapiert werden können.

Während in den letzten Jahren vor allem gram-positive Infektionserreger wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und Glykopeptid-resistente Enterokokken (VRE) im Vordergrund standen, rückt jetzt auch das zunehmende Auftreten von gram-negativen Infektionserreger in den Fokus wie z.B. ESBL- (extended-spectrum-betalaktamase) bildenden Enterobakterien (z.B.: E.coli , Klebsiella sp).
Viele dieser Stämme besitzen neben ihrer Resistenz gegen alle Betalaktam-Antibiotika auch Resistenzen gegen Aminoglykoside, Gyrasehemmer und andere Antibiotika.

Folgende Resistenzen der unten aufgeführten Erreger sind nach dem Infektionsschutzgesetz § 23 Abs. 1 S. 1  vom Robert-Koch Institut zu erfassen. Die Abteilung Krankenhaushygiene erstellt und versendet vierteljährlich Berichte über die unten gelisteten Erreger an die Fachabteilungen.

Liste der zu erfassenden Erreger gem. § 23 Abs.1 S.1

Erregerspezies

Zu erfassende Resistenz (auch Einzel-R)

(sofern im Rahmen der klinisch-mikrobiologischen Diagnostik getestet)

S. aureus

Vancomycin,Oxacillin,Gentamicin,

Chinolon Gr. IV (z.B.Moxifloxacin),

Teicoplanin,Quinupristin/Dalfopristin

 

S.pneumoniae

Vancomycin,Penicillin (Oxacillin 1μg),

Cefotaxim, Erythromycin,

Chinolon Gr.IV (z.B.Moxifloxacin)

 

E. faecalis

E. faecium

Vancomycin,

Gentamicin (“high level”: Gentamicin 500 mg/l; Streptomycin1000 mg/l (Mikrodil.) bzw.2000 mg/l (Agardilution)),Teicoplanin

 

E. faecium: zusätzlich Quinupristin/Dalfopristin

 

E.coli

Klebsiella spp.

Imipenem/Meropenem,

Chinolon Gr.II (z.B. Ciprofloxacin),Amikacin,

Ceftazidim, Piperacillin/Tazobactam,Cefotaxim oder analoge Testsubstanz

 

Enterobacter cloacae

Citrobacter spp.

Serratia marcescens

 

Imipenem/Meropenem,

Chinolon Gr.II (z.B. Ciprofloxacin),Amikacin

 

P. aeruginosa

 A.baumannii

Imipenem/Meropenem,

Chinolon Gr.II (z.B. Ciprofloxacin),Amikacin,

Ceftazidim, Piperacillin/Tazobactam

 

S.maltophilia

Chinolon Gr. II (z.B.Ciprofloxacin),

Amikacin,Ceftazidim, Piperacillin/

Tazobactam,Cotrimoxazol

 

Candida spp*

* Fluconazol

 

*Erfassung nur in Einrichtungen mit hämatologisch-onkologischen Abteilungen, auch von primär resistenten Spezies

Leitresistenzen sind fett gedruckt und unterstrichen.

Die Antibiotikaresistenzentwicklung hat zwei entscheidende Grundlagen:

  • das Vorhandensein von resistenten Erregern
  • das Vorhandensein von übertragbaren Resistenzgenen
  • Selektionsdruck, der durch den Antibiotikaeinsatz zugunsten der resistenten Keime ausgeübten wird

Die Antibiotikaresistenzentwicklung kann verlangsamt werden durch:

  • Begrenzung der Verbreitung resistenter Erreger
  • Begrenzung der Verbreitung des Resistenzgenpools
  • Vermeidung eines einseitigen chemotherapeutischen Selektionsdrucks

Haben sich MRE in einem Bereich erst epidemisch ausgebreitet, ist deren Bekämpfung besonders schwierig und teuer.

Es besteht die Gefahr, dass sie sich auch auf andere Kliniken und Praxen oder Reha- bzw. Pflegeeinrichtungen ausbreiten, daher sind bei jedem Auftreten von MRE die notwendigen Hygienemaßnahmen strikt einzuhalten.

Die wichtigsten Erreger und entsprechende Maßnahmen sind in den folgenden Abschnitten beschrieben.

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