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Amyloidose

Eine interdisziplinäre Herausforderung mit Herz

Histologischer Nachweis von Amyloid im Herzen

Ärztinnen und Ärzte aus neun unterschiedlichen Fachgebieten des Universitätsklinikums Heidelberg haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam die Diagnostik und Behandlung der seltenen Krankheitsbilder der Amyloidose zu besprechen und zu koordinieren. So setzen wir unser ganzes interdisziplinäres Wissen für die bestmögliche Behandlung unserer Patienten ein. Der Erfolg dieser engen Zusammenarbeit zeigt sich in einer stetigen steigenden Anzahl an Patienten, die sich an der Universitätsklinik Heidelberg von nah und fern vorstellen.

Die Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg hat sich an diese Entwicklung von Beginn an angeschlossen und ein umfassendes Untersuchungsprogramm erstellt, mit dem das Ausmaß und Risiko der Patienten für eine bevorstehende Therapie besser eingeschätzt werden soll. Dies ist insbesondere unter dem Aspekt notwendig, dass die Herzbeteiligung im Rahmen einer Amyloidose bei mehr als der Hälfte der Patienten auftritt und die Prognose wesentlich mit beeinflusst. In den einzelnen Diagnostikbereichen unserer Abteilung wurden speziell auf die Amyloidose des Herzens ausgerichtete Untersuchungsprogramme entworfen, die etablierte aber auch innovative Tests beinhalten, um uns diesem Ziel noch näher zu bringen. Auch werden integrierte Therapieansätze untersucht bis hin zur Herztransplantation, um im Anschluss eine kausale Therapie zu ermöglichen (Algorithmus zur Transplantation).

Eine interdisziplinäre Diskussion der erhobenen Befunde mit den regionalen und überregionalen Kollegen zum Wohl der Patienten steht im Anschluss im Vordergrund.

Ärztliche Leitung

Prof. Dr. med. Arnt Kristen
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Gebäude 6410

06221 56-8692
06221 56-4105

Informationen über die Erkrankungen

Studien: Grüner Tee und Amyloidose

Dem grünen Tee (Camellia sinensis) werden seit langem vielseitige gesundheitsfördernde Effekte zugesprochen, ohne schwerwiegende Komplikationen aufzuweisen. Ungefähr ein Drittel der Trockenmasse des grünen Tees machen Catechine aus, die zur Untergruppe der Polyphenole zählen und aufgrund seiner positiven gesundheitsfördernden Wirkung geschätzt wird. Epigallocatechingallat (EGCG) ist der Hauptanteil dieser Substanzen in grünem Tee, dem vielseitige gesundheitsfördernde Effekte zugesprochen werden. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gesundheitsfördernden Effekte am ehesten durch EGCG (Epigallocatechin-3-Gallat), verursacht werden. In einem Liter Tee sind ca. 140 - 190 mg EGCG enthalten.

In einem Tiermodell des Morbus Alzheimer konnte durch die Anwendung von EGCG einer Verminderung der Amyloidablagerungen erreicht werden. Weiterhin konnte in anderen Reagenzglasversuchen durch EGCG die Kraft von Herzmuskelzellen gestärkt und das Auftreten von Herzrhythmusstörungen gezeigt werden. In weiteren Experimenten im Reagenzglas führte EGCG zur Auflösung von einem speziellen Amyloid, das bei Alzheimer-Patienten im Gehirn abgelagert wird. Ob der Wirkstoff auch in der Lage ist, anderes Amyloid (wie zum Beispiel Leichtketten- oder Transthyretinamyloid) im Reagenzglas aufzulösen, wurde bisher noch nicht untersucht, soll aber in Zukunft experimentell geprüft werden.

Ein im letzten Jahr veröffentlichter klinischer Einzelfallbericht (W. Hunstein: Epigallocathechin-3-gallat in AL amyloidsis: a new therapeutic Option? Blood 2007, 110(6),2216) erbrachte bei diesem Patienten positive Effekte auf die bei ihm bestehende Herzamyloidose durch einen Konsum von 2 Liter grünem Tee pro Tag. Es wurde eine deutliche Besserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und vor allem eine Verminderung der Herzwanddicke beobachtet. Mit großem Interesse verfolgen wir die öffentlichen Diskussionen zum Einsatz von grünem Tee in der Behandlung von Amyloidosen, die sich alle auf den oben genannten Selbstversuch von Prof. Hunstein als Einzelfall beziehen. Bisher fehlt allerdings ein wissenschaftlicher Beleg für die Übertragbarkeit dieser Einzelfallbeobachtung auf andere Patienten mit derselben oder mit anderen Formen der Amyloidose.

Insbesondere aufgrund des meist fortschreitenden Verlaufs der Erkrankung und der fehlenden Vorsorgemöglichkeiten oder der nur sehr eingreifenden Therapieoptionen für die Transthyretin-Amyloidose erscheint der Konsum von grünem Tee ein vielversprechender Ansatz zu sein. An der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg wurde deshalb mit Unterstützung der Peter Waldmann Amyloidose-Stiftung eine klinische Studie durchgeführt, in der die Effekte des Konsums von grünem Tee oder grünem Tee-Extrakt in Kapseln auf den Verlauf insbesondere einer vorliegenden Herzbeteiligung der Transthyretinamyloidose untersucht wurden.

Nähere Informationen zu dieser Studie finden Sie hier. Die Studie befindet sich aktuell in der Nachbeobachtungsphase. Eine weitere Studie zur  Wirksamkeit von EGCG bei Patienten mit Leichtketten-Amyloidose des Herzens befindet sich in Vorbereitung.