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AG Supportive Therapien

Die Supportive Therapie in der Onkologie umfasst Maßnahmen, die optimale Behandlungsvoraussetzungen für den onkologischen Patienten nachhaltig fördern und damit auch die praktische patientenspezifische Umsetzung u.a. neuer antineoplastischer Therapiestrategien ermöglichen. In erster Linie umfasst dies die Linderung akuter und chronischer therapie- und krankheitsbedingter Nebenwirkungen. Damit stellt die Supportive Therapie einen integralen Bestandteil der patientenzentrierten Betreuung dar, gleichzeitig spiegelt sich dies in der bisherigen Umsetzung der medizinischen Versorgung noch nicht überall flächendeckend wider.

Unter Federführung von Frau Prof. Dr. med. Karin Jordan widmet sich die Medizinische Klinik V diesen Inhalten klinisch und wissenschaftlich. Das individuelle supportive Behandlungskonzept in unserer Patientenbetreuung schließt dabei maßgebliches evidenzbasiertes Wissen ein. Die unter unserer führenden Mitwirkung erstellten aktuellsten S3 Leitlinien der Supportivtherapie werden somit unmittelbar und kontinuierlich in die Praxis der Medizinischen Klinik V implementiert.

Inhaltliche Forschungs-Schwerpunkte

  • Evidenzbasierte Leitlinienentwicklung in der Supportiven Therapie
  • Entwicklung und Einsatz von supportiven Medikamenten (inkl. Antiinfektiva)
  • Beurteilung und Klassifikation von Medikamenten-Nebenwirkungen
  • Integration der Supportiven Therapie in das onkologische und interdisziplinäre Therapiekonzept/Patient reported outcome

Evidenzbasierte Leitlinienentwicklung in der Supportiven Therapie

Evidenzbasierte Leitlinienentwicklung in der Supportiven Therapie

Es ist inzwischen belegt, dass supportive Maßnahmen neben einer Steigerung der Lebensqualität auch zur Verlängerung der Überlebenszeit bei onkologischen Patienten führen. Zwischenzeitlich entwickelte S3 Leitlinien zur „Supportiven Therapie“ (Koordination K. Jordan/ F. Jahn) bzw. weitere internationale Leitlinien sollen diesen integralen Bestandteil weiter ausbauen, müssen jedoch gleichzeitig flächendeckend in den klinischen Alltag implementiert und inhaltlich weiter geschärft werden.

S3 Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen Patienten“

Leitlinie „Supportive Therapie
Patientenleitlinie

Entwicklung und Einsatz von supportiven Medikamenten (Auszug)

Beispiel Antiemetika:

Die Reduktion und Vermeidung von chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen gelten als wesentlichster Bestandteil supportiver Therapiemaßnahmen. Wenngleich die pathophysiologischen Hintergründe des Erbrechens zunehmend exakter beschrieben werden konnten, sind die detaillierten pathogenetischen Mechanismen zytostatika-induzierten Erbrechens noch nicht ausreichend verstanden. Das sogenannte „Brain-Gut“-Konzept scheint jedoch aufgrund der Interaktionen weiterer bei Erbrechen involvierter Transmitter, der zusätzlichen Neuromodulation durch das limbische System und noch unzureichend beschriebener medikamentenspezifischer pharmakokinetischer und –dynamischer Einflüsse wesentlich komplexer. Es ist daher denkbar, dass weitere bisher nicht beschriebene Neurotransmitter existieren, die zytostatika-induziertes Erbrechen triggern. Um Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkungen der Chemotherapie möglichst gänzlich zu verhindern, müssen auf neuen Pathomechanismen basierende Antiemetika entwickelt werden. Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Prüfung der Praktikabilität der im klinischen Alltag unzureichend umgesetzten evidenzbasierten antiemetischen Leitlinien dar.

Serotonin und Substanz P vermittelter Pathomechanismus der Zytostatika induzierten Emesis ©K. Jordan

Integration der Supportiven Therapie in das onkologische und interdisziplinäre Therapiekonzept/Patient reported outcome

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen kommt der Selbsteinschätzung durch den Patienten eine wesentliche Rolle zu. Die systematische Erfassung therapie- und krankheitsassoziierter Symptome durch den Patienten selbst ist unter dem Namen der sogenannten PROs (patient reported outcomes) mittlerweile ein etablierter Begriff und im klinischen Alltag zunehmend bedeutsam. Durch eine strukturierte Erfassung der PROs und Management der Symptome kann nicht nur die Lebensqualität, sondern auch das Überleben der Patienten verbessert werden.

In einem Pilotprojekt, das in der hämatologischen Tagesklinik der Medizinischen Klinik starten wird, ist eine solche strukturierte Patienten-basierte Symptomerfassung geplant. Die Daten sollen App-basiert gesammelt werden, um eine rasche und patientenindividuelle Anpassung des umfassenden Managements der Supportiven Therapie zu ermöglichen.

Beurteilung und Klassifikation von Tumortherapie-assoziierten Nebenwirkungen

Tumortherapie-assoziierte Nebenwirkungen müssen adäquat erfasst werden, um das damit verbundene Risiko-Nutzen Verhältnis bewerten zu können. Bestimmte Nebenwirkungen müssen in Risikoklassen kategorisiert werden, um eine adaptierte prophylaktische Intervention daraus abzuleiten. In der AG „Supportive Therapie“ konnte bereits langjährig die internationale antiemetische Risikoklassifikation von Tumortherapeutika, die in den internationalen Leitlinien reflektiert sind, etabliert werden. Für das letzte Update wurden bspw. 42 neue antineoplastische Substanzen identifiziert, die aus 168 Studien stammend in einem systematischen Reviewverfahren extrahiert und bewertet wurden. In Anlehnung an dieses Verfahren wurden auch für einzelne Tumortherapeutika supportive Maßnahmenkataloge nach zuvor durchgeführter Risikoklassifikation erstellt.

Mitarbeiter

Arbeitsgruppenleiterin

Wiss. Mitarbeiter/-innen

Externe wissenschaftliche Mitarbeiter/Kooperationen

Dr. med. Franziska Jahn
Universitätsklinik Halle, Klinik für Innere Medizin IV
S3 Leitliniensekretariat
http://www.s3supportiv.de

 

Dr. rer. medic. Patrick Jahn
Leiter für Pflegeforschung und Entwicklung &
Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Universitätsklink Halle
E-Mail: patrick.jahn@uk-halle.de

 

Dr. rer. medic. Camilla Leithold
Ernährungswissenschaftlerin
Universitätsklinik Halle, Klinik für Innere Medizin IV
E-Mail: camilla.leithold@med.uni-heidelberg.de


Weitere Informationen

Nationale und internationale Leitlinienarbeit und Koordination

Education activities Supportive Care: Kongresse/Fortbildungen

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