Allgemeine Innere Medizin, Psychosomatik und Psychotherapie

Sprachliche Manifestation von Widerstand in der psychodynamischen Psychotherapie

Zusammenfassung

Sprache ist das zentrale therapeutische Agens der Psychotherapie. Genesungsprozesse werden in der Psychotherapie durch Sprechen herbeigeführt und Sprechen wird damit funktionalisiert, um psychische Probleme und damit gegebenenfalls verbundene somatische Symptome in den psychischen Binnenraum zu überführen, diese zu integrieren und somit zu behandeln. Zentrale psychodynamische Phänomene wie Übertragung, Gegenübertragung, Abwehr und Widerstand wie auch therapeutische Interventionen bilden sich in den Sprachhandlungen des Patienten und des Therapeuten ab und lassen sich entsprechend linguistisch-gesprächsanalytisch darstellen.

In diesem interdisziplinären Forschungsprojekt wird ein zentrales Konzept der psychodynamischen Psychotherapie, der Widerstand von Patienten in Psychotherapiegesprächen und seine Bedeutung für den Behandlungsverlauf, mit linguistischen Methoden der Gesprächsanalyse und psychologischen Methoden der Psychotherapie(prozess)forschung untersucht. 

Anhand von Videoaufnahmen und Transkripten ambulanter psychotherapeutischer Behandlungen werden Widerstandsphänomene inklusive vorausgehender Gesprächssequenzen und therapeutischer Reaktionen nach den Prinzipien der Sequenzialität identifiziert. Auf dieser Grundlage wird ein Kategoriensystem von Widerstandsphänomenen und den sich anschließenden therapeutischen Interventionsformen entwickelt. Das Kategoriensystem soll auch der Entwicklung eines Rating-Instruments dienen, mithilfe dessen Widerstandsphänomene und Formen des therapeutischen Umgangs quantitativ erfasst werden können. Die longitudinale Widerstandsentwicklung im Verlauf psychotherapeutischer Behandlungen wird zum einen konversationsanalytisch-qualitativ, zum anderen empirisch-quantitativ in Abhängigkeit von Patienten-, Therapeuten- und Prozessmerkmalen untersucht. In theoretischer Hinsicht soll ein linguistisch-gesprächsanalytisch fundiertes Konzept von Widerstandsphänomenen und widerstandsbezogenen psychotherapeutischen Interventionsformen für die psychodynamische Psychotherapie entwickelt werden. Implikationen der Resultate für die Praxis und Ausbildung in psychodynamischer Psychotherapie sollen aufgezeigt werden.

 

Projektleitung

Portrait von Dr. Dipl.-Psych. Inka Montan
Dr. phil. Dipl.-Psych. Inka Montan

Schwerpunkt

Interdisziplinäre Psychotherapieprozessforschung (Psychologie und Linguistik), Psychodynamische Interventionskompetenzen, Psychoanalyse, Klinische Psychometrie

Portrait von Prof. (apl.) Dr. med. Christoph Nikendei, MME
apl. Prof. Dr. med. Christoph Nikendei, MME

Facharzt für Innere Medizin
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Schwerpunkt

Traumafolgestörungen, sekundäre Traumatisierung, Versorgung von psychisch belasteten Geflüchteten und Asylsuchenden, Autobiographisches Gedächtnis bei psychosomatischen Erkrankungen, Medizindidaktik, kommunikative und prozedurale Fertigkeiten bei Medizinstudierenden, Psychotherapieforschung, kompetenzbasiertes Training von Psychotherapeuten in Ausbildung, Stress und Burnout am Arbeitsplatz, Erwerb von Gesundheitskompetenz.

Arbeitsgruppe: Dr. phil. Dipl.-Psych. Inka Montan, Prof. (apl.) Dr. med. Christoph Nikendei, MME, PD Dr. rer. nat. Ulrike Dinger-Ehrenthal

Kooperations-/Verbundpartner: Prof. Dr. phil. Arnulf Deppermann, Prof. (apl.) Dr. phil. Thomas Spranz-Fogasy, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (Mannheim)

Laufzeit: 04/2021 – 03/2024

Gefördert von: