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Zur Bedeutung von Interaktionserfahrungen für die Perspektivenflexibilität in der kindlichen Entwicklung

Gefördert von der VW-Stiftung (2013-2016)

Studienleitung:
Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Corinna Reck, Ludwigs-Maximilians-Universität München, Universitätsklinikum Heidelberg

In Kooperation mit:
Projekt „Erkenntnis durch Interaktion: Zur Entwicklung von Person-, Objekt und Selbstwissen“
Studienleitung: Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs, Universitätsklinikum Heidelberg

 Ansprechpartnerin:                               
Dipl.-Psych. Nora Nonnenmacher
Telefon: 06221/ 56 37006

Ziele und Hintergrund:
Diese Studie beschäftigt sich mit der kindlichen Entwicklung im Alter von 4 Jahren. Die bereits über die ersten 18 Lebensmonate voruntersuchte Stichprobe setzt sich aus Kindern von depressiven Müttern und Kindern von gesunden Müttern zusammen. Die Studie untersucht die Frage, inwieweit die Mutter-Kind-Interaktion neben einer depressiven Erkrankung nach der Geburt mit der kindlichen Entwicklung in Zusammenhang steht. Besonders im Fokus steht dabei die kindliche Perspektivenflexibilität, d. h. die Fähigkeit des Kindes verschiedene Sichtweisen nachzuvollziehen. Bislang wurde der Einfluss von mütterlicher postpartaler Psychopathologie und kindlichen Lernerfahrungen in der Mutter-Kind-Interaktion auf die kindliche Fähigkeit zur Perspektivenflexibilität im Alter von 4 Jahren kaum untersucht. Dabei spielen spezifische entwicklungsfördernde Interaktionen, in deren Rahmen die kindliche Selbstregulationsfähigkeit und die Differenzierung verschiedener Perspektiven eingeübt werden, eine wichtige Rolle.

Neben der Fähigkeit zur Perspektivenflexibilität soll der Einfluss der Mutter-Kind-Interaktion auf mentale Fähigkeiten des Kindes und das kindliche Verhalten mit 4 Jahren untersucht werden. Darüber hinaus sollen auch eine mögliche genetische Veranlagung sowie eine epigenetische Modifikation der Depression untersucht werden - dieser Teil der Studie ist optional. Sollte sich die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion als Moderator für den Einfluss der mütterlichen Psychopathologie auf die kindliche kognitive Entwicklung erweisen, ergäbe sich hieraus ein hervorragender Ansatz für die Frühprävention von Entwicklungsauffälligkeiten.

Studienablauf:
Die Untersuchung findet statt, wenn die Kinder 4 Jahre alt sind und beinhaltet zwei Untersuchungstermine, die jeweils ca. 2 Stunden dauern. Bei einem ersten Termin wird zu Beginn die Interaktion zwischen Mutter und Kind über Verhaltensbeobachtung untersucht und auf Video aufgezeichnet. Anschließend wird mit einer Reihe von Aufgaben spielerisch untersucht, inwiefern das Kind bereits dazu fähig ist, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und somit einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Um möglicherweise aktuell bestehende, psychische Belastungen der Mutter zu erfassen, wird ein verkürztes diagnostisches Interview durchgeführt (SKID-I). Am Ende des Untersuchungstermins erhalten die Eltern einige Fragebögen, in welchen es um die momentane Stimmung, den Umgang mit Emotionen, eigenes Erziehungsverhalten, die Partnerschaftsqualität und das Verhalten des Kindes geht. Weiterhin erhalten die Eltern einen Fragebogen zum Verhalten Ihres Kindes, der von der Erzieherin/dem Erzieher/der zusätzlichen Betreuungsperson des Kindes ausgefüllt und rückgesendet werden soll.

Beim zweiten Termin wird der Entwicklungsstand des Kindes mit dem Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter-III (HAWIVA-III) gemessen. Hierbei werden auf altersangemessene Art und Weise die mentalen und sprachlichen Fähigkeiten des Kindes erfasst. Weiterhin werden wir mit dem Kind Tests zur Erfassung von Exekutivfunktionen durchführen. Exekutive Funktionen sind mentale Funktionen, die der Steuerung von Verhalten dienen. Hierzu gehören zum Beispiel das Setzen von Zielen, das Planen von Handlungen oder die Steuerung der Aufmerksamkeit. Um diese Fähigkeiten zu überprüfen, werden wir Aufgaben durchführen, in welchen Karten nach bestimmten Regeln sortiert, bestimmte automatische Reaktionen unterdrückt und Reihenfolgen richtig wiedergegeben werden sollen.

Zusätzlich besteht die Studie aus einem optionalen Teil, welcher die genetisch bedingte Veranlagung sowie die epigenetische Modifikation bei der Entstehung von Depressionen untersuchen soll. Dazu wird von Mutter und Kind eine kleine Menge Speichel benötigt, die in ein Röhrchen abgegeben werden kann.