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Mobbing&Du

Sektion Translationale Psychobiologie

Projektbeschreibung

Mobbing ist eine Form der Peer-to-Peer-Misshandlung und verdient ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Anstrengungen, um dem entgegenzuwirken und es zu verhindern. Es ist ein weit verbreitetes Phänomen unter Kindern und Jugendlichen, wobei etwa jeder vierte Schüler berichtet, davon betroffen zu sein. Die negativen Auswirkungen von Mobbing sind komplex: emotional, sozial, kognitiv und verhaltensbezogen, und die erlebte Viktimisierung erhöht das Risiko für eine Vielzahl von psychischen Störungen (Depression, Angst, Selbstverletzung, Suizidalität, somatische Beschwerden, etc.) Mobbing kommt in allen sozialen Schichten, in allen Schulformen und Schulen aller Größen vor. Die PISA-Studie (2015) zeigte, dass das Lernklima an Schulen mit hohen Mobbingraten für alle negativ beeinflusst wird und die schulischen Leistungen insgesamt schlechter sind. Lehrer fühlen sich oft mit dem Thema überfordert, weil ihnen Strategien zum Umgang mit dem Problem fehlen. Akute Fälle von Mobbing erfordern einen hohen Zeitaufwand, der oft ineffektive Umgang mit dem Thema führt zu Frustration und belastet die Gesundheit der Lehrer.

Das Präventionsprogramm Mobbing&Du basiert auf den folgenden Grundgedanken:

  1. Mobbing ist ein Notfall und erfordert Handeln.
  2. Mit Mobbing&Du soll jeder Einzelne an seine Rolle und Verantwortung im Mobbingprozess erinnert werden. Denn bei Mobbing geht es nie nur um Täter und Opfer, sondern um die ganze Gruppe, die zur Aufrechterhaltung von Mobbing beiträgt. Indem man sich dessen bewusst wird und Maßnahmen ergreift, kann jeder etwas gegen Mobbing tun!
  3. Das Programm bezieht alle Lehrer und Schüler der Klassen 3 bis 9 ein. Es befähigt sie, Mobbing zu erkennen, zu stoppen und zu verhindern.
  4. Mobbing&Du wird an die Bedürfnisse der Schulen angepasst:  

      a) Begrenzte Zeitressourcen

      b) Erforderliche Sicherheit, wie man vorgehen kann

      c)  Individualität

Mit dem sogenannten "Blended Learning"-Ansatz versucht Mobbing&Du, die Vorteile von Präsenzveranstaltungen und E-Learning zu kombinieren. Die digitalen Komponenten des Programms umfassen neben E-Learning-Lektionen für Lehrer und Schüler auch Möglichkeiten zum Austausch über Moodle-Foren, eine Mailbox zum Melden von Mobbing-Vorfällen und Schülerbefragungen. Die analogen Komponenten des Programms bieten Lehrern Konzepte zur Intervention, Falldokumentation und Pausenaufsicht sowie eine Kick-off-Veranstaltung und eine Praxisstunde. Auf Wunsch kann auch ein pädagogischer Tag vor Ort durchgeführt werden. Ergänzt wird das Angebot durch Klassentreffen und Projekttage für Schüler sowie eine Broschüre für Eltern. Ein schulinternes Kernteam von vier bis sechs Lehrern einer Schule übernimmt die Regie und ist für den Aufbau und die Pflege des Programms zuständig. Ein Expertenteam aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie steht beratend zur Seite.

Nach der Einführungsphase kann Mobbing&Du einfach und dauerhaft in den Schulalltag integriert werden. Sowohl Grundschulen als auch weiterführende Schulen können sich jederzeit für das Programm bewerben und flexibel einsteigen. Die Teilnahme am Programm ist vorerst kostenlos.

Zur Evaluation des Programms ist eine randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie (RCT) über einen Zeitraum von einem Jahr geplant. Dazu werden 40 Schulen rekrutiert, von denen 20 sofort mit dem Programm beginnen (Experimentalgruppe), während 20 mit einem Jahr Verzögerung starten (Wartekontrollgruppe). Die Evaluation basiert auf anonymisierten Schülerbefragungen zu Beginn und nach einem Jahr (Postline) sowie auf zusätzlichen Befragungen des Kernteams und auf der Erhebung verschiedener objektiver Maße (Online-Aktivitäten).

 

Kontakt

Interessenten und Teilnehmer können sich an die Studienkoordinatorinnen des Olweus-Teams, Fanny Ossa, Vanessa Jantzer und Lena Eppelmann, wenden.

olweus.programm(at)med.uni-heidelberg.de
Telefon: 06221 56-39954

Förderung

Baden-Württemberg Stiftung

Projektzeitraum

2019 - 2022

DE