Myelomzentrum Heidelberg

Die Sektion "Multiples Myelom" wurde im Jahre 2005 neu am Universitätsklinikum Heidelberg und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) gegründet. Sie befasst sich klinisch und wissenschaftlich mit der Verbesserung der Diagnostik und Therapie des Multiplen Myeloms. 

In der Sektion "Multiples Myelom" werden zahlreiche nationale und internationale Studien durchgeführt. Diese haben zum Ziel, die Induktions-, Erhaltungs- und Begleittherapie sowie die Diagnostik zu verbessern und darüber hinaus "neue Substanzen" in der Myelombehandlung zu etablieren. 

 

Weitere Informationen über klinische Studien finden Sie hier.

 


Publikation der GMMG-Studiengruppe zur  HOVON65/GMMG HD4 Studie als eine der weltbesten Publikationen ausgezeichnet!

"Bortezomib Induction and Mainenance Treatment in Patients with newly diagnosed Multiple Myeloma: Results of the randomized Phase III HOVON-65/GMMG-HD4 Trial"J Clin Oncol 30: 2946 – 2955, 2012

Erschienen 2012 im Journal of Clinical Oncology, Impaktfaktor 17,879, wurde seit Erscheinen insgesamt 134 mal zitiert und gilt damit als eine der höchst zitierten Publikationen überhaupt.

 

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HD6 Studie der GMMG-Studiengruppe

HD6 Studie der GMMG-Studiengruppe (German-Speaking Myeloma Multicenter Group) in Heidelberg rekrutiert seit Juni 2015

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Innovative Therapien für Myelom‐Patienten in Deutschland

Annemarie Angerer, Uta Bertsch, Jana Schlenzka, Barbara Hügle‐Dörr und Hartmut Goldschmidt, Med. Klinik V Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Heidelberg


Die Heidelberger Myelomsektion ist eines der größten und renommiertesten klinischen sowie wissenschaftlich führenden spezialisierten Myelombehandlungszentren weltweit. Prognose und Lebensqualität der Myelompatienten sind durch die Beiträge der Heidelberger Myelomgruppe signifikant verbessert worden. Am Heidelberger Myelomzentrum werden für Patienten in allen Krankheitsphasen, vom asymptomatischen Myelom bis hin zur mehrfach vorbehandelten Erkrankung, klinische Studien angeboten. Im Rahmen von Investigator Initiierten Studien (sog. IITs) werden durch die German Speaking Myeloma Multicenter Group (GMMG)‐Studiengruppe überwiegend Studien zur Hochdosis‐Chemotherapie mit anschließender autologer Blutstammzelltransplantation realisiert; aktuell werden auch Studien für nicht transplantierbare Patienten geöffnet. Die GMMG‐Studien zeichnen sich durch eine moderne Diagnostik und ein anspruchsvolles wissenschaftliches Begleitprogramm aus. Das in der GMMG‐MM5 Studie erstmals erfolgreich umgesetzte Mitbehandlerkonzept „Assoziierte Prüfzentren“ hat dazu geführt, dass auch niedergelassene Onkologen und kleinere Kliniken Zugang zu innovativen Studienkonzepten und neuen Medikamenten sowie zu moderner bildgebender und molekulargenetischer Diagnostik erhalten. Das deutschlandweite Netzwerk umfasst aktuell mehr als 35 Transplantationszentren sowie über 80 weitere Kliniken und niedergelassene Onkologen.

Die German‐speaking Myeloma Multicenter Group (GMMG)‐Studiengruppe unter Leitung von Prof. H. Goldschmidt konnte sich in den letzten 18 Jahren innerhalb Deutschlands als Studiengruppe beim Multiplen Myelom mit Vorreiterfunktion etablieren. Ergebnisse der multizentrischen Investigator initiierten Studien (IITs) werden in Therapieempfehlungen des Medizinischen Diensts der Krankenkassen (MDK) und internationale Leitlinien implementiert. Offene und in Kürze rekrutierende GMMG‐Studien in der Sektion Multiples Myelom sind im Anschluss wiedergegeben.


Auch das Angebot an Studien mit neuen Substanzen und insbesondere an innovativen „frühen Phase Studien“ (Phase I/II) wächst am Heidelberger Myelomzentrum kontinuierlich. Diese werden zusammen mit pharmazeutischen Unternehmen erfolgreich geplant und umgesetzt. Zahlreiche neue Medikamente mit weniger Nebenwirkungen und einem verbesserten Wirkungsgrad befinden sich beim Multiplen Myelom zur Zeit in der klinischen Entwicklung. Zum einen handelt es sich um Nachfolger der Wirkstoffe Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib. Zum anderen werden aber auch neue Medikamente zur Hemmung der Zellteilung und zur immunologischen Therapie untersucht. Monoklonale Antikörper, die bereits bei anderen Krebserkrankungen in der Therapie fest verankert sind, leiten eine neue Ära in der Therapie des Multiplen Myeloms ein und bilden einen Schwerpunkt der Studienaktivitäten des Heidelberger Myelomzentrums. Die neuen Medikamente werden in der Regel in Kombination mit den Substanzen Bortezomib, Lenalidomid oder Dexamethason getestet. Eine Übersicht zu den aktiven myelomassoziierten Studien finden Sie Opens external link in new windowunter.

 

Kontaktaufnahme mit dem Studienzentrum Heidelberg ist über das Sekretariat von

Prof. Dr. med. Hartmut Goldschmidt, Tel. 06221/56‐8003

und Opens window for sending email myelom.studien@med.uni-heidelberg.de möglich.


 

 

Genetische Risikofaktoren für Entstehung eines seltenen Knochenmarkkrebses entdeckt

Erste vollständige Analyse der Erbgut-Variationen bei mehr als 1.600 Patienten mit Multiplem Myelom / Wissenschaftler aus London und Heidelberg veröffentlichen in Nature Genetics

 Veränderungen an zwei bestimmten Stellen im Erbgut erhöhen das Risiko, an einem seltenen Knochenmarkkrebs, dem Multiplem Myelom, zu erkranken: Erstmals haben Wissenschaftler aus London und Heidelberg bei mehr als 1.600 Betroffenen genomweit nach charakteristischen Veränderungen gesucht und dabei genetische Risikofaktoren entdeckt. „Das gibt uns die ersten konkreten Hinweise auf molekulare Prozesse innerhalb der Knochenmarkzellen, die bei der Entstehung des Multiplen Myeloms eine Rolle spielen könnten“, erklärt Dr. Niels Weinhold von der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, der in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Kari Hemminki vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) das Screening der deutschen Patientenproben koordinierte.

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Millionenförderung für Erforschung von Knochenmarkkrebs

Abteilung Multiples Myelom des Universitätsklinikums Heidelberg will Risikobewertung verbessern und neue Therapien entwickeln

 

 Die Abteilung Multiples Myelom der Medizinischen Universitätsklinik und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg hat im April gleich mit zwei Forschungsprojekten eine ansehnliche Summe an Fördergeldern eingeworben. In dem Projekt von Professor Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Abteilung, geht es unter anderem darum, die Prognose von Patienten mit Multiplem Myelom (einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems) genauer bewerten zu können, um dadurch die Therapie zu verbessern. Die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung beträgt 1,2 Millionen Euro über drei Jahre. Das zweite Projekt wird im Rahmen der Kooperationsforschung der Europäischen Kommission zum Thema "Gesundheit" mit insgesamt knapp drei Millionen Euro gefördert. Rund 500.000 Euro davon fließen dem Teilprojekt in Heidelberg unter der Leitung von Dr. Dirk Hose, Leiter des Labors für Myelomforschung, zu. Die Forscher wollen Resistenzmechanismen der Tumorzellen aufklären und darauf basierend neue Medikamente entwickeln.  Das Multiple Myelom ist eine Tumorerkrankung, die von Antikörper-produzierenden Zellen (einer bestimmten Art weißer Blutkörperchen) im Knochenmark ausgeht. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 3.500 Neuerkrankungen festgestellt, etwa 25.000 europaweit. Die Tumorzellen beeinträchtigen die Blutbildung und schwächen die Knochensubstanz. Dadurch kommt es zu Knochenschmerzen, Brüchen, Blutarmut und Infektanfälligkeit. Medikamente können die Symptome bei guter Lebensqualität der Patienten auch langfristig zurückdrängen. Oft kommt es jedoch nach einiger Zeit zu einem Rückfall und zur Therapieresistenz. Bisher ist die Erkrankung meist nicht heilbar. Die mittlere Überlebenszeit ist sehr variabel und beträgt einige Monate bis über 15 Jahre.

 

HM-Metascore für eine zuverlässigere Prognose


Das Ziel des Projektes "Clinical applicable multimodal prediction of survival in Multiple Myeloma" (CAMPSIMM) ist es, Risikofaktoren und die zu erwartende Überlebenszeit des Patienten verlässlich einschätzen zu können, damit sich der behandelnde Arzt entsprechend dem individuellen Risiko für eine mehr oder weniger aggressive Therapie entscheiden kann. Bislang ist es jedoch schwierig, im klinischen Alltag eine zusammenfassende Prognose abzugeben.
Mit dem sogenannten Genexpressions-Report wurde in Heidelberg erstmals eine frei zugängliche Software entwickelt, welche verschiedene Risikofaktoren in einen Befund integriert. Um die Anwendung zu erleichtern, werden die Risikofaktoren im „Heidelberg-Montpellier-Metascore“ (HM-Metascore) zusammengefasst, der es dem Arzt erlaubt, eine einzige prognostische Abschätzung abzugeben. Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Bernard Klein von der Universität in Montpellier.
„Wir möchten mit unserem HM-Metascore dem behandelnden Arzt sowie unseren Patienten unter Berücksichtigung aller bekannten Prognoseparameter einen einzigen Wert mit einer klaren Aussage an die Hand geben, der das weitere therapeutische Vorgehen bestimmt“, erklärt Goldschmidt. Er hofft, das klinische Prozedere dadurch zu vereinfachen.

 

Therapieresistenz verstehen und überwinden


In dem Projekt "Overcoming clinical relapse in Multiple Myeloma by understanding and targeting the molecular causes of drug resistance" (OVER-MyR) geht es darum, die genauen Mechanismen aufzuklären, die einen Rückfall und die Resistenz der Tumorzellen verursachen, um neue Behandlungsstrategien ausarbeiten zu können. Der Hauptgrund für die Unheilbarkeit der Erkrankung ist der, dass die Tumorzellen zwar zunächst auf die Therapie ansprechen, im Laufe der Zeit aber spezifische Mechanismen entwickeln, die die Medikamente unwirksam machen. Kennt man die molekularen Abläufe, kann man neue Substanzen entwickeln, die entweder den Resistenzmechanismus umgehen, oder die Tumorzellen wieder empfindlich machen für die zuvor angewendeten Medikamente.

„Das Multiple Myelom zeichnet sich durch eine enorme Heterogenität aus. Die Resistenzmechanismen, die der Tumor entwickelt, gehen dabei nicht nur ihm selbst aus“, erläutert Hose. „Sie werden auch durch das umliegende Gewebe und die angewendeten Medikamente, meist eine Kombination verschiedener Substanzen, beeinflusst. Das sind alles Faktoren, die die Forschung erschweren.“ Das Projekt wird von der Belgierin Professor Dr. Karin Vanderkerken koordiniert und bündelt die Expertise namhafter europäischer Myelomzentren.

 
Kontakt:


Prof. Dr. med. Hartmut Goldschmidt
Medizinische Klinik V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 80 03
Fax: 06221 / 56 56 47
E-Mail: Opens window for sending emailhartmut.goldschmidt@med.uni-heidelberg.de

 

Dr. med. Dirk Hose
Medizinische Klinik V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 61 40
Fax: 06221 / 56 62 38
E-Mail: Opens window for sending emaildirk.hose@med.uni-heidelberg.de

 




Großzügige Unterstützung für exzellente Arbeit

Finanzielle Unterstützung bei ihrer wichtigen Arbeit hat die Sektion Multiples Myelom unter anderem von der Dietmar-Hopp-Stiftung erhalten. Die großzügige Förderung der Stiftung über einen Zeitraum von fünf  Jahren konzentriert sich u. a.  auf die Verbesserung der molekularen Tumordiagnostik und die Weiterentwicklung bildgebender Verfahren. Der Aufbau einer umfassenden Datenbank sowie die Initiierung neuer klinische Studien konnten ebenfalls mithilfe der Fördersumme von 6,4 Millionen Euro auf den Weg gebracht werden.

Seit kurzem zeugt ein Schild an der Tür zu den Laboren der Myelomforscher vom Engagement der Hopp-Stiftung. „Für unser Team ist dies ein großer Ansporn, auch weiterhin hervorragende Arbeit zu leisten“, ist Sektionsleiter Prof. Hartmut Goldschmidt überzeugt.
(Foto: Medienzentrum, Universitätsklinikum Heidelberg)

 

 

Neue Ersatzstoffe und Implantate für Knochen, die nicht heilen wollen

Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt 7,4 Millionen Euro für neuen Sonderforschungsbereich/Transregio

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen neuen Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TRR) mit dem Thema „Werkstoffe für die Hartgeweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen“ an den Universitäten Heidelberg, Gießen und Dresden bewilligt. Die erste Förderperiode beginnt im Juli 2010 und läuft über 4 Jahre. Das Fördervolumen von 7,4 Millionen Euro (ohne Programmpauschale) verteilt sich auf die einzelnen Universitäten in etwa gleichmäßig.  

 

Ziel des SFB/TRR 79 ist es, neue Knochenersatzstoffe und Implantatwerkstoffe zu entwickeln, die speziell an die Verhältnisse im kranken Knochen angepasst sind. Denn bei zugrundeliegenden Krankheiten, wie z.B. dem Multiplen Myelom (einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems), Knochenmetastasen oder der Osteoporose, heilt der Knochen im Falle eines Bruchs nur sehr langsam oder gar nicht. Das stellt bei älteren Menschen und Tumorpatienten ein großes klinisches Problem dar. Die Bildung von mechanisch langfristig stabilem Knochengewebe führt zu einer Verbesserung der Lebensqualität und des Überlebens. Gleichzeitig ist eine etwaige Funktionalisierung der in den Knochen eingebrachten Biomaterialien (zum Beispiel zur lokalen Kontrolle der Tumorzellpopulation beim Multiplen Myelom) ein vielversprechender therapeutischer Ansatz.  

 

Sprecher des SFB/TRR 79 am Standort Heidelberg ist Professor Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Sektion Multiples Myelom an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Neben der Biophysikalischen Chemie der Universität Heidelberg ist in Heidelberg außerdem das Deutsche Krebsforschungszentrum an dem neuen Sonderforschungsbereich beteiligt. „In unseren Teilprojekten wird es darum gehen herauszufinden, welche molekularen Mechanismen bei der Zerstörung und mangelhaften Heilung des Knochens ablaufen, wie wir diese Vorgänge mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen können und wie die neu entwickelten Knochenersatzstoffe und beschichteten Implantate auf das umliegende Gewebe und die Knochenheilung einwirken. Alles das soll dazu beitragen, Diagnostik und Therapie der betroffenen Patienten zu verbessern. Insbesondere werden Myelompatienten in Zukunft hiervon profitieren“, erläutert Dr. Dirk Hose, stellvertretender Sprecher am Standort Heidelberg und Leiter des Labors für Myelomforschung an der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg. 

 

Die Koordination für den gesamten Sonderforschungsbereich liegt bei der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sprecher ist Professor Dr. Dr. Reinhard Schnettler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie. Weitere Teilnehmer am SFB/TRR 79 sind die Technische Universität Dresden sowie das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung, das Leibniz-Institut für Polymerforschung und das Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, alle ebenfalls in Dresden. Während in Dresden die neuen Werkstoffe und Biomaterialien entwickelt werden sollen, werden in Gießen schwerpunktmäßig geeignete Tiermodelle ausgearbeitet, um die Materialien testen zu können.  

 

Multiples Myelom als Modellerkrankung 

 

Im Mittelpunkt der Forschung stehen das Multiple Myelom und die systemische Knochenerkrankung Osteoporose, eine vor allem im Alter auftretende Verminderung der Knochensubstanz, die beide mit einem deutlich erhöhten Knochenbruchrisiko und einer verzögerten Heilung einhergehen. Das Multiple Myelom ist eine in der Regel unheilbare Krebserkrankung, die auf einer Vermehrung von Myelomzellen (einer bestimmten Art bösartig veränderter weißer Blutkörperchen) im Knochenmark beruht. Myelomzellen wie auch deren normales Gegenstück stehen in enger Interaktion mit anderen Zellpopulationen der Knochenmarkumgebung. 

 

Eine Anhäufung von Myelomzellen verursacht Symptome und klinische Zeichen, die unter anderem zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung und zu Knochensubstanzdefekten führen. Folgen sind Knochenschmerzen und -brüche, Blutarmut und Infektanfälligkeit. „Die neuen Knochenersatzstoffe sollen den Knochen stabilisieren, den Knochenstoffwechsel zur Heilung anregen und die Tumorzellen direkt im Knochen unter Kontrolle halten“, erklärt Professor Goldschmidt. „Schließlich sollen die Forschungsergebnisse zum Multiplen Myelom auf andere gut- und bösartige Knochenerkrankungen übertragen werden.“ 

 

Weitere Teilprojekte in Heidelberg beschäftigen sich mit folgenden Fragestellungen: Wie wirken beschichtete Implantatoberflächen auf das umliegende Gewebe im Bereich des Knochenbruchs? Wie beeinflussen Knochenersatzstoffe die Gefäßneubildung an der Bruchstelle und damit den Beginn einer Heilung? Wie sehen strukturelle Veränderungen des Knochens und Heilungsprozesse in modernen bildgebenden Verfahren aus? Welche Möglichkeiten gibt es, den Krankheitsverlauf besser zu kontrollieren und die Therapie zu individualisieren?  

Ansprechpartner:

  

Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt 

Medizinische Klinik V 

Im Neuenheimer Feld 410 

69120 Heidelberg 

Tel.: 06221 / 56 80 03 

Fax: 06221 / 56 56 24 

E-Mail: hartmut.goldschmidt@med.uni-heidelberg.de 

 

Dr. med. Dirk Hose 

Medizinische Klinik V 

Im Neuenheimer Feld 410 

69120 Heidelberg 

Tel.: 06221 / 56 39 047 

Fax: 06221 / 56 62 38 

E-Mail: dirk.hose@med.uni-heidelberg.de 




 

Gute Prognose ist vorhersagbar

Heidelberger Wissenschaftler entwickeln Kriterien für die Risikobewertung des Knochenmarkkrebses Multiples Myelom

Der Knochenmarkkrebs Multiples Myelom kann einen guten Verlauf nehmen. Eine Abgrenzung der Patientengruppe mit einem geringen Risiko ist der Arbeitsgruppe um Dr. Jens Hillengaß in der Sektion Multiples Myelom der Medizinischen Klinik Heidelberg gelungen. Wichtiger Hinweis sind Tumorzell-Ansammlungen, sogenannte „fokale Läsionen“ im Knochen und Knochenmark, deren Häufung auf ein höheres Risiko hinweist. 

 

Diese bedeutende Arbeit wurde gemeinsam mit Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Abteilung Radiodiagnostik des Universitätsklinikums erstellt und im „Journal of Clinical Oncology“ publiziert und von der Dietmar-Hopp-Stiftung, Walldorf, finanziell unterstützt. 

 

Symptomatische und asymptomatische Erkrankungsform 

 

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, bei der sich bösartige, Antikörper produzierende Zellen des Immunsystems (sogenannte Plasmazellen) im Knochenmark vermehren. Es lassen sich zwei Formen unterscheiden: das symptomatische und das asymptomatische Multiple Myelom (sMM bzw. aMM). Rund 70 Prozent der Patienten leiden bei Erstdiagnose an der symptomatischen Form. 

 

Bei der ersten Krankheitsform kann es zum Abbau der Knochensubstanz mit der Folge von Schmerzen und Knochenbrüchen kommen; es können Beeinträchtigungen der Nierenfunktion sowie Blutarmut auftreten. Darüber hinaus weisen einige Betroffene erhöhte Konzentrationen an Kalzium sowie bestimmter Proteine im Blut und Urin auf und erkranken aufgrund des geschwächten Immunsystems häufiger an Infektionen. Chemotherapie, der Einsatz neuer Wirkstoffe, die zelluläre Signalwege beeinflussen, sowie gegebenenfalls die Transplantation von Blutstammzellen sind zurzeit die Behandlungsoptionen. 

 

Kein Handlungsbedarf ist dagegen nach dem gegenwärtigen Stand der Medizin beim asymptomatischen Multiplen Myelom gegeben, solange keine der oben genannten Anzeichen festzustellen sind. Auch beim aMM lassen sich vermehrt Produkte des Immunsystems im Blut nachweisen und die entarteten Immunzellen wandern ebenso ins Knochenmark ein. Dies wirft unweigerlich die Frage auf, ob und wie schnell sich aus einer asymptomatischen Plasmazellerkrankung ein lebensbedrohliches Multiples Myelom entwickelt. 

 

Drei Viertel der asymptomatischen Patienten erkranken 

 

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge steigt die Wahrscheinlichkeit für ein sMM tatsächlich im Laufe der Zeit an: Innerhalb von 15 Jahren gehen fast drei Viertel der asymptomatischen Erkrankungen in die therapiebedürftige Krebsform über. Das Fortschreiten der Krankheit kann dabei von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. So ist es mehr als verständlich, wenn sich die Patienten in dieser prekären Lage fragen: „Gehöre ich zu den Risikopatienten?“ Dies macht die absolute Dringlichkeit deutlich, Faktoren zu identifizieren, die mit einem ungünstigen Krankheitsverlauf verknüpft sind. 

 

Dr. Hillengaß und seinen Kollegen gelang es nun, Risikopatienten präziser von Betroffenen mit mildem Krankheitsverlauf abzugrenzen: Mittels des sehr sensitiven Verfahrens der Magnetresonanztomografie (MRT) sind auch bereits bei aMM-Patienten kleine Tumorzell-Ansammlungen, sogenannte „fokale Läsionen“ im Knochen und Knochenmark darstellbar. Patienten mit mehr als einer fokalen Läsion müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem früheren Voranschreiten der Erkrankung rechnen. Auch die diffuse Anreicherung von entarteten Plasmazellen im Knochenmark ist offenbar mit einer schlechten Prognose verbunden.  

 

Ganzkörperaufnahmen zeigen Tumorzellherde 

 

Die Wissenschaftler hatten für diese Erkenntnisse eine Gruppe von 149 Patienten mit aMM auf Anzeichen von fokalen oder diffusen Knochenmarkläsionen untersucht und die Blutkonzentration an Aktivitätsparametern des Multiplen Myeloms bestimmt. Dr. Hillengaß untersuchte die Verläufe der Betroffenen z.T. mehr als fünf Jahre, um herauszufinden, wer innerhalb dieses Zeitraums ein symptomatisches Myelom entwickelte. Anschließend wurde geprüft, inwieweit sich der Krankheitsverlauf mit den untersuchten Parametern in Verbindung bringen lässt.  

 

Für ihre Untersuchungen setzten die Forscher die Ganzkörper-Magnetresonanztomografie ein. Sie wählten diese Nachweismethode, da sich Knochenmarksveränderungen besser darstellen lassen als mit anderen bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie (CT). Die Ganzkörperaufnahmen erwiesen sich dabei als präziser als die alleinige Darstellung von Wirbelsäule und Becken: Jeder fünfte untersuchte Patient hatte auch außerhalb von Wirbelsäule und Becken fokale Läsionen, die bei einer partiellen MRT (Wirbelsäule plus Becken) übersehen worden wären.  

 

Höhere Lebenserwartung durch rechtzeitige Therapie? 

 

Dr. Hillengaß bringt die Ergebnisse seines Forschungsteams auf den Punkt: „Die Ergebnisse der Ganzkörper-MRT sind für uns eine wichtige Hilfe, um den Krankheitsverlauf unserer Patienten frühzeitig einschätzen zu können. Es wäre wünschenswert, dieses Verfahren routinemäßig in der Diagnostik von Patienten mit asymptomatischem Multiplen Myelom anzuwenden.“ 

 

Noch lässt sich nicht sagen, ob Risikopatienten bei einer frühzeitigen Diagnose von daraufhin eingeleiteten Behandlungsmaßnahmen profitieren und länger leben würden. Dies muss in einer prospektiven Studie im Vergleich zur Standarddiagnostik erst noch untersucht werden. „Wir halten dies aber für einen viel versprechenden Ansatz und versuchen möglichst vielen Patienten auch solch innovative Methoden wie die Ganzkörper-MRT in der Routinediagnostik anzubieten.“ 

 

Ansprechpartner:

 

Dr. Jens Hillengaß 

Leiter der Arbeitsgruppe "Bildgebung beim Multiplen Myelom" 

Universitätsklinikum Heidelberg 

Tel.: 06221 / 56 80 03 

E-Mail: jens.hillengass@med.uni-heidelberg.de 

 

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