Augenklinik

Sektion Schielbehandlung und Neuroophthalmologie

Leiter: Prof. Dr. med. Gerold Kolling

Oberärztin: Frau Dr. med. Annette Schmidt-Bacher

Leitende Lehrorthoptistin: Frau Barbara Stoll

Sekretariat: Herr Uwe Fuchs, Tel.: 06221 / 56 6634   Fax.: 06221 / 56 5591

 

Strabologie und Neuroophthalmologie

 

Einleitung

 

In der Sektion für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie der Universitäts-Augenklinik Heidelberg werden Patienten mit Augenbewegungsstörungen und neurologisch bedingten Augenfunktionsstörungen untersucht. Die Sektion wird von Herrn Prof. Dr. Gerold Kolling und von Frau Dr. Annette Schmidt-Bacher, als Oberärztin der Sektion, geleitet. Auf ärztlichem Gebiet sind zwei Rotationsassistenten der Klinik tätig. Die klinische Arbeit wird von vier Orthoptistinnen bewältigt, die gleichzeitig an der staatlich anerkannten Orthoptistenschule der Akademie für Gesundheitsfachberufe als Lehrorthoptistinnen arbeiten. Pro Jahr werden ca. 500 Patienten an 1.400 Augenmuskeln operiert und ca. 4.000 Patienten ambulant behandelt. Zusätzlich betreut die Sektion Patienten mit neuroophthalmologischen Erkrankungen aus der Neurologie, Neurochirurgie, Kinderklinik, Radiologie und Hals-Nasen-Ohrenklinik konsiliarisch mit.

 

In die Sektionsarbeit eingegliedert ist die staatlich anerkannte Orthoptistenschule an der Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg.

 

 

Diagnostische und therapeutische Verfahren

 

Die Strabologie hat seit der Gründung der ältesten Fachgesellschaft der Medizin im Jahr 1863 in Heidelberg, der jetzigen Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, einen festen Platz in der Augenheilkunde. Dieses Teilgebiet der Ophthalmologie hat sich in Deutschland besonders seit 1950 erheblich weiterentwickelt. Ein Träger dieser Entwicklung ist auch die Heidelberger Sektion für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie.

 

Es werden auf diagnostischem Gebiet alle zurzeit klinisch gebräuchlichen Methoden verwendet. Ein Schwerpunkt liegt in der Behandlung des frühkindlichen Innenschielens. Hierbei war die Heidelberger Schielgruppe bei einer europäischen, multizentrischen Studie führend beteiligt, die von der DFG von 1993 bis 2003 unterstützt wurde. Es konnte die Frage beantwortet werden, ob die frühe Operation (bis zum Ende des zweiten Lebensjahres) oder die spätere Operation (ab dem 4. Lebensjahr) zu besseren Ergebnissen führt. In beiden Gruppen konnte bei den Schielkindern kein völlig normales beidäugiges Stereosehen erzielt werden. Die frühe Operation ergab in einem etwas höheren Prozentsatz Simultansehen und grobes Stereosehen als die spätere Operation. Allerdings waren dazu 20% mehr Operationen in der Gruppe der frühen Operation nötig und es wurden 12% mehr Kinder operiert. Die Augenstellung an sich wurde in beiden Gruppen gleich gut korrigiert. Entgegen vorher geäußerten Befürchtungen gelang die Amblyopiebehandlung sogar in der Frühoperationsgruppe besser. Damit kann in gleicher Weise entweder früh oder spät operiert werden. Eine sensorische Vollheilung ist allerdings auch mit der Frühoperation nicht zu erzielen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Diagnose der Augenbewegungsstörungen, besonders bei der Abgrenzung von erworbenen zu den nicht erworbenen Bewegungsstörungen. Nur die erworbenen Augenmuskellähmungen bedürfen einer weiteren internistischen oder neurologischen Abklärung. Auch seltenere neuroophthalmologische und kinderophthalmologische Krankheitsbilder kommen in unserer Sprechstunde vor, da täglich Problemfälle aus der neurologischen und neurochirurgischen Klinik, sowie der Kinderklinik vorgestellt werden.

 

 

Therapeutische Verfahren

 

Es wird das gesamte klinische Spektrum der konservativen und operativen Schielbehandlung an einer Universitätsklinik abgedeckt: dies reicht von der Okklusionsbehandlung bei Schwachsichtigkeiten bis hin zu aufwändigen Operationen bei erworbenen Augenmuskellähmungen. Ein zusätzliches Gebiet ist die Lidchirurgie, z. B. verlängernde oder verkürzende Eingriffe am Lidheber oder Oberlidbeschwerungen mit Goldimplantaten. Bei interdisziplinären Krankheitsbildern, z.B. schilddrüsenbedingten Augenerkrankungen, bei Knochenbrüchen oder bei Tumoren in der Augenhöhle wird die Schielsektion prä- und intraoperativ zu Rate gezogen bzw. direkt in der Sektion versorgt.

 

Die Augenmuskel- und Lidoperationen werden oft ambulant durchgeführt, auch wenn in Narkose operiert wird. Der stationäre Aufenthalt in modernen Zweibettzimmern ist meist nur kurzfristig, selten länger als drei Tage. Auch wenn es medizinisch nicht notwendig ist, kann der Patient im selben Zimmer einen Tag länger bleiben und sein „Hotelbett“ genießen. Allerdings muss er dann die geringen Kosten selber tragen.

 

 

Wissenschaftliche Schwerpunkte

 

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Sektion liegen in der klinisch orientierten Forschung zur Verbesserung von diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in der Patientenversorgung. Ein Beispiel hierfür ist die europäisch multizentrische Studie unter Leitung der Rotterdamer Augenklinik über zwei operative Therapieverfahren des Innenschielens. Es wurden die operativen Ergebnisse hinsichtlich Korrektur des Fernschielwinkels und Nahschielwinkels durch einseitige Augenmuskeloperationen (Rücklagerung und Verkürzung an einem Auge) und durch beidäugige Operationen (jeweils nur Rücklagerungen beider innerer Muskeln) verglichen. Hierbei zeigte sich unerwartet,, dass sowohl die Fernschielwinkel als auch die Nahschielwinkel mit beiden Operationsarten in gleicher Weise korrigierbar sind. Diese und weitere Studien der Sektion haben eine wissenschaftliche Untermauerung dafür geliefert, welches operative Therapieverfahren in welcher Dosierung bei welchen Schielwinkeln gewählt werden kann. Auch die wissenschaftliche Auswertung operativer Therapien seltenerer Schielformen, wie z.B. des Höhenschielens in Adduktion, kommt der Patientenversorgung zu gute. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Automatisierung der Visusprüfungen bei Jugendlichen und Kindern und die Prüfung von Doppelsichtigkeit im Straßenverkehr und deren Bewertung im täglichen Leben bei Eignungsfragen und bei gutachtlichen Bewertungen.

 

 

Fortbildungsschwerpunkte

 

Da die Sektion mit der Orthoptistenschule untrennbar verbunden ist, werden stets regionale und manchmal überregionale Fortbildungen für Augenärzte und Orthoptistinnen veranstaltet. Auf der jährlichen Veranstaltung der Augenärztlichen Akademie Deutschlands in Düsseldorf und auf der Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in Berlin sind die Mitarbeiter der Sektion aus Heidelberg in der Regel aktiv vertreten. Herr Prof. Dr. G. Kolling ist Mitglied der "Qualitäts-Sicherungs-Kommission" und der "Verkehrskommission" der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Zurzeit leitet er den wissenschaftlichen Beirat der Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung und Neuroophthalmologie und ist damit auch im Vorstand der Bielschowsky-Gesellschaft vertreten.