Otto-Meyerhof-Zentrum

Biografie Otto Meyerhof

Otto Meyerhof (geb. 12. April 1884 in Hannover, gest. 06. Oktober 1951 in Philadelphia) war einer der größten Biochemiker des 20. Jahrhunderts. Bereits kurz nach seiner Geburt zog seine Familie nach Berlin, wo er das Wilhelms Gymnasium besuchte. Schon als Jugendlicher, vor allem während einer schweren Nierenerkrankung, die ihn monatelang ans Bett fesselte, beschäftigte sich Otto Meyerhof intensiv mit Philosophie. Nach dem Abitur im Jahre 1903 studierte Meyerhof Medizin, zuerst in Berlin, dann in Straßburg und Heidelberg, wo er 1909 promoviert wurde. Thema seiner Doktorarbeit waren "Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörung". Nach seiner Promotion wandte er sich eine Zeitlang der Psychologie und Philosophie zu, veröffentlichte eine erweiterte Form seiner Dissertation als Buch und schrieb seinen berühmten Aufsatz über Goethes Methoden der Naturforschung.

 

1910 verbrachte Otto Meyerhof einige Zeit als Assistent in der Medizinischen Klinik in Heidelberg bei Ludolf Krehl. In Kooperation mit Otto Warburg entstanden grundlegende Arbeiten zur Energetik der Zellvorgänge. 1912 ging er nach Kiel, wo er 1913 unter Professor Bethe zum Universitäts-Dozenten für Physiologie ernannt wurde. Vorlesungen, die er in Kiel hielt, wurden in England und in den Vereinigten Staaten veröffentlicht unter dem Titel "The Chemical Dynamics of Living Matter". 1915, als Professor Höver zum Direktor des Instituts für Physiologie ernannt wurde, wurde Meyerhof als Assistent eingestellt. 1918 erfolgte die Ernennung zum Assistenz-Professsor.

 

Für seine "Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Sauerstoffverbrauch und Milchsäurestoffwechsel im Muskel" erhielt er 1922, zusammen mit dem englischen Physiologen A.V. Hill, den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. 1923 wurde ihm eine Professur für Biochemie in den Vereinigten Staaten angeboten, Deutschland wollte jedoch nicht auf ihn verzichten und so berief ihn die damalige Kaiser Wilhelm Gesellschaft, die heutige Max-Planck-Gesellschaft, 1924 an ihr Berliner Institut.

 

1929 übernahm er die Leitung des Instituts für Physiologie am neu gegründeten Kaiser Wilhelm Institut für medizinische Forschung in Heidelberg und wurde zum ordentlichen Honorarprofessor der Medizinischen Fakultät ernannt. In dieser Zeit gelang ihm die Entdeckung der Rolle des Adenosintriphosphats (ATP) als operativer Substanz im Energiestoffwechsel der Zelle sowie die Analyse der Einzelschritte der Glykolyse (Embden-Meyerhof-Weg).

 

Nachdem ihm bereits 1935 unter dem Druck der Nationalsozialisten die Lehrbefugnis entzogen worden war, wurden 1938 die Bedingungen für ihn so schwierig, daß er beschloß, Deutschland zu verlassen. Er emigrierte nach Frankreich, wo er von 1938 bis 1940 Direktor des "Institut de Biologie physico-chimique" in Paris war.

 

Als im Juni 1940 die Nazis in Frankreich einmarschierten, mußte er aus Paris fliehen. Zunächst reiste er mit seiner Familie nach Toulouse, da er zur dortigen medizinischen Fakultät freundschaftliche Beziehungen pflegte. Ein Entkommen aus Europa wurde jedoch überlebenswichtig und so folgte eine dramatische Flucht. Mit der Hilfe des Unitarian Service Committees erreichte er schließlich Spanien und letztendlich, im Oktober 1940, die Vereinigten Staaten, wo eine Professorenstelle für physiologische Chemie von der Universität von Pennsilvania und der Rockefeller Stiftung für ihn eingerichtet wurde. 1949 wurde er, um an ihm begangenes Unrecht wiedergutzumachen, erneut zum Honorarprofessor in Heidelberg ernannt.

 

Neben anderen Auszeichnungen war Meyerhof Mitglied der Harvey Society und der Royal Society von London sowie Mitglied der National Academy of Sciences der Vereinigten Staaten.

 

Sein wissenschaftliches Hauptwerk schuf Meyerhof in seiner Zeit in Heidelberg. Aber auch in Amerika war Meyerhof noch sehr produktiv und vor allem bewies er, daß er nie sein Interesse an Philosophie verloren hat, indem er beim Goethe Biennial Celebration der Rudolf Virchow Gesellschaft in New York eine profunde und kritische Würdigung von Goethes wissenschaftlichen Ideen vortrug. Während seines gesamten Lebens bewahrte er sich seine große Liebe zur Kunst, Literatur und Lyrik. Sein Interesse an Malerei wurde hauptsächlich durch seine Frau Hedwig Schallenberg, die selbst Malerin war, geweckt. Aus seiner Ehe gingen drei Kinder hervor.

 

1944 erlitt er einen Herzinfarkt, 1951 starb er an den Folgen eines zweiten Herzinfarkts.

 

 

 

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